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"Tatort: National feminin" Im "Tatort" spielte sie die rechte Richterin – ihr Vater verteidigte einst RAF-Terroristen

Jenny Schily im "Tatort"
Im aktuellen "Tatort" spielte Jenny Schily (r.) eine rechte Verfassungsrichterin.
© NDR/Frizzi Kurkhaus / ARD
Diese Besetzung hatte es in sich: Schauspielerin Jenny Schily verkörperte im "Tatort" eine rechte Richterin. Ihr Vater war einst RAF-Verteidiger und später Innenminister der ersten rot-grünen Regierung. Dazu ist sie auch noch mit Maria Furtwängler verwandt.

Dieser "Tatort" sorgte für Gesprächsstoff. Die Folge "National feminin" behandelte eine an die "Identitäre Bewegung" angelehnte Gruppe, die in der Gesellschaft an Einfluss gewinnt. Parallel dazu wurde eine dieser Denkrichtung nahe stehende Juristin zur Verfassungsrichterin berufen. 

Die Richterin in spe wurde von der Schauspielerin Jenny Schily verkörpert. Was nicht ohne Brisanz ist: Denn während die von ihr gespielte Sophie Behrens in dem Film heftig gegen das Erbe der 68er polemisiert und den Einfluss des rot-grünen Milieus zurückdrängen will, zählt ihr Vater zu den prominentesten Vertretern genau dieser gesellschaftlichen Bewegung.

Otto Schily war Mitgebründer der Grünen

Jenny ist nämlich die Tochter von Otto Schily, der in den 60er Jahren mit Studentenführer Rudi Dutschke befreundet war und im Prozess um den Mord an Benno Ohnesorg die Nebenklage vertrat. In den 70er Jahren machte sich Schily als Anwalt einen Namen, indem er die RAF-Terroristen Horst Mahler und Gudrun Ensslin verteidigte. 1980 gehörte er zu den Mitbegründern der Grünen, ehe er 1989 zur SPD wechselte. Von 1998 bis 2005 war er Innenminister und damit einer der wichtigsten Repräsentanten der rot-grünen Regierung.

In seine Amtszeit fällt das gescheiterte Verbotsverfahren gegen die NPD. Und nun spielt ausgerechnet seine Tochter eine neurechte Richterin. Diese Besetzung ist nicht ohne Ironie.

Jenny Schily spielte im "Tatort" eine Juristin

Jenny Schily, geboren 1967 in West-Berlin, stammt aus Otto Schilys erster Ehe. Sie gehört schon seit Langem zur ersten Riege der Bühnen- und Filmschauspieler des Landes. Sie spielte in wichtigen Festivalfilmen mit, 2000 bekleidete sie eine Rolle in Volker Schlöndorffs auf der Berlinale ausgezeichneten RAF-Drama "Die Stille nach dem Schuss", 2011 war sie auf den Filmfestspielen in Ulrich Köhlers "Schlafkrankheit" zu sehen, der die Probleme der Entwicklungshilfe thematisiert. Regelmäßig ist sie in TV-Produktionen zu sehen, auch im "Tatort".

Ihr Mitwirken an der aktuellen Folge "National feminin" ist gleich in zweifacher Hinsicht interessant. Zum einen wegen ihres Vaters. Zum anderen ist Schily über mehrere Ecken mit Maria Furtwängler verwandt, wie diese im stern-Interview verriet. Damit erwies sich dieser Dreh für Jenny Schily als echte Familienangelegenheit. 

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