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"Polizeiruf 110": Wenn das Kind zur Ware wird

Es geschieht zwar ein Mord, doch das ist in diesem "Polizeiruf 110" nur nebensächlich. Im Mittelpunkt steht ein Baby. Und die Frage, in welche Familie das Kind gehört.

"Polizeiruf 110"

Szene aus dem "Polizeiruf 110": Kommissarin Olga Lenski (Maria Simon, l.) befragt Sabine Hallmann (Katharina Heyer), die vermeintliche Mutter des entführten Kindes.

Bewertung

  • 3 von 5 Punkten
  • Ein leider etwas behäbig erzählter "Polizeiruf", der sich eines spannenden Themas annimmt: dem deutsch-polnischen Adoptionsverkehr.

Worum geht's in diesem " "?

Der sechs Monate alte Leon wird aus einem Krankenhaus in Frankfurt (Oder) entführt - und kurz darauf vor einer Klinik hinter der polnischen Grenze ausgesetzt. Als kurz darauf der Entführer tot aufgefunden wird, untersuchen die Kommissare (Maria Simon) und Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) den Fall näher. Und stoßen auf Ungereimtheiten: Denn die rechtlichen Eltern sind nicht die leiblichen Eltern des Jungen - sie haben sich die Adoption mit falschen Angaben erschlichen. Die biologische Mutter ist eine Polin, die das Kind in einer außerehelichen Affäre gezeugt hat und es deshalb der deutschen Familie anvertraut hat. Was sie inzwischen bereut. So kompliziert wie die Frage, wohin das Kind eigentlich gehört, ist auch die Suche nach dem Täter.

Warum lohnt er sich?

"Das Beste für mein Kind" ist diese Folge betitelt. Und genau darum geht es. Fast jeder hat eine andere Vorstellung davon, was für den sechs Monate alten Leon das Beste ist. Die Adoptiv-Eltern, die leibliche , der polnische Staat - jeder kommt zu einer anderen Antwort. Insbesondere das Eingreifen der Amtsbürokratie in Familienverhältnisse und der unbedingte Vorrang von Gesetzen wird in diesem Film infrage gestellt, der sich letztlich einfachen Antworten verweigert. Am Ende kann sich Olga Lenski nur in das Adorno-Diktum flüchten: "Es gibt kein richtiges Leben im falschen."

Was nervt?

Leider ist dieser Fall wie so oft bei den vom RBB verantworteten "Polizeiruf 110"-Folgen recht behäbig erzählt. Zudem vermisst man nach wie vor eine irgendwie geartete Chemie zwischen den beiden Ermittlern. Was vor allem an liegt: Die Darstellerin der Olga Lenski wirkt oft abwesend und reagiert kaum auf ihre Umgebung.

Die Kommissare?

Ganz ohne private Nebenhandlungen scheint dieser "Polizeiruf" nicht auszukommen. Diesmal hat der polnische Adam Raczek eine hanebüchene Geschichte ins Drehbuch geschrieben bekommen. Seine Frau Lydia (Julia-Maria Köhler) will wieder arbeiten, er aber nicht darüber reden. So setzt sie ihn kurzerhand vor die Tür, und Raczek muss zeitweise bei Kollegen unterkommen. Ein komplett entbehrlicher Strang, der weitere Luft aus dem ohnehin nicht allzu temporeich erzählten Fall nimmt.

Ein- oder Ausschalten?

Jeder hat hier seine Interessen, doch was für das Baby das Beste ist, das verlieren alle beteiligten aus den Augen. Ein "Polizeiruf", der nahe geht. Deshalb: einschalten.