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Sibel Kekilli im Kieler "Tatort": Die Quotentürkin wird deutsch

Seit ihrem Durchbruch als lebenshungrige Deutsch-Türkin in Fatih Akins "Gegen die Wand" schien sie auf die Rolle der Migrantin abonniert. Doch inzwischen hat sich Sibel Kekilli freigeschwommen. Am Sonntagabend gibt sie ihr Debüt im Kiel-"Tatort" - als Deutsche.

Von Carsten Heidböhmer

Sibel Kekilli ist endlich der Migrationsfalle Migrationsfalle entkommen: Im "Tatort" spielt sie Sarah Brandt - eine Deutsche ohne Bindestrich-Intetität

Sibel Kekilli ist endlich der Migrationsfalle Migrationsfalle entkommen: Im "Tatort" spielt sie Sarah Brandt - eine Deutsche ohne Bindestrich-Intetität

Von einem solchen Karrierestart kann eine Schauspielerin nur träumen: Mit ihrer Rolle in Fatih Akins preisgekröntem Liebesdrama "Gegen die Wand" spielte sich Sibel Kekilli über Nacht in die erste Liga der Filmschauspielerinnen. Gleich mit ihrem Debüt gewann sie den Deutschen Filmpreis. Die Schattenseite des Erfolges war jedoch, dass der Tochter türkischer Einwanderer die lebenshungrige Sibel Güner so auf den Leib geschrieben schien - selbst der Vorname war identisch -, dass sie fortan auf die Rolle der Migrantin vom Dienst abonniert war.

In fast allen Filmen, in denen sie in den folgenden Jahren mitspielte, stellte sie Menschen mit Migrationshintergrund dar: in der Komödie "Kebab Connection" eine Deutsch-Italienerin, in Hans Steinbichlers Heimatfilm "Winterreise" eine Deutsch-Kurdin, in dem preisgekrönten Drama "Die Fremde" wieder eine Deutsch-Türkin. Immer war es eine Bindestrich-Identität, das Deutsche war immer nur ein Teil ihrer Person. Interessanter schien das fremdländische Element zu sein. Das änderte sich erst mit ihrem Auftritt in Dieter Wedels Zweiteiler "Gier", wo sie in der Rolle der Nadja Hartmann eine waschechte Deutsche spielte.

"Ich bin eine Deutsche"

Dass dies keine Ausnahme bleibt, zeigt ihr Engagement im Kiel-"Tatort", in dem sie am Sonntag ihren ersten Auftritt hat. Dort übernimmt sie die Rolle der Computerspezialistin Sarah Brandt, die Kommissar Borowski (Axel Milberg) auf ganz unkonventionelle Weise kennenlernt - bei einem Autounfall. Die Idee, dass sie in der Krimireihe eine Deutsche spielen sollte, kam vom NDR. Sehr zur Freude von Kekilli: "Ich fand das toll. Das heißt nicht, dass ich meine türkischen Wurzeln verleugnen will, aber ich bin eine Deutsche. Es zeigt mir, dass man mich einfach als Schauspielerin wahrnimmt", sagte die 30-Jährige.

Für ihren Kollegen Axel Milberg ist das eine Selbstverständlichkeit: "Ich glaube, dass Sibel es verdient hat, endlich mal nicht die Türkin mit Integrationsproblemen zu spielen. Sie ist in Heilbronn geboren", sagte Milberg der "Bild"-Zeitung. Er selbst habe Kekilli ausgewählt: "Ich habe lange nach einer Schauspielerin gesucht, die Borowski ergänzt, indem sie anders ist als er. Ich habe sie für die Rolle vorgeschlagen", so Milberg.

Keine Liebesgeschichte

In der am Sonntag erscheinenden Folge "Borowski und eine Frage von reinem Geschmack" hat Kekilli zunächst jedoch nur einen kleineren Auftritt. Richtig einsteigen wird sie erst mit der nächsten Folge. Dann soll sie zweimal jährlich den Platz als Frau an Borowskis Seite einnehmen, der nach dem Weggang von Maren Eggert vakant geworden ist. Eine Liebesgeschichte zwischen ihr und dem knorrigen Kommissar soll es aber nicht geben.

Ansonsten ist noch offen, wie genau ihre Rolle ausgestaltet werden soll. Sibel Kekilli hat auch noch keinen festen Plan, wie lange sie diese Rolle spielen will. Sie lässt es entspannt auf sich zukommen. Der Anfang ist gemacht: Einen Tag, bevor ihr "Tatort"-Debüt läuft, ist sie in der ZDF-Krimireihe "Der Kommissar und das Meer" zu sehen. Darin spielt sie Ivonne Baumann - schon wieder eine Deutsche.