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"Tatort" aus Frankfurt: Zwischen Gier und Geilheit: Janneke und Brix ermitteln im Bankenmilieu

Einflussreiche Manager feiern geheime Sexpartys in einem Frankfurter Hochaus, in dem auch allerhand andere illegale Dinge geschehen - ein "Tatort" mit Potenzial, der aber leider hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Kommissar Paul Brix (Wolfram Koch) findet seine Kollegin Anna Janneke (Margarita Broich) bewusstlos im Aufzug

Kommissar Paul Brix (Wolfram Koch) findet seine Kollegin Anna Janneke (Margarita Broich) bewusstlos im Aufzug

  • 3 von 5 Punkten
  • Tatort Hochhaus: Das Setting von "Der Turm" ist großartig - allerdings ist die Chance vertan. Stattdessen bedient der Frankfurter "Tatort" zahlreiche Klischees und lässt viele Fragen offen. 

Worum geht's?

Mitten in der Nacht wird Kommissarin Anna Janneke (Margarita Broich) ins Frankfurter Bankenviertel gerufen. Zu Füßen eines Büroturms liegt eine junge, tote Frau. Sie ist nur mit einem Slip bekleidet und hat eine Plastiktüte über dem Kopf. Wurde das Opfer vom Hochhaus gestoßen oder ist es freiwillig gesprungen? Während Janneke wartet, dass ihr Kollege Paul Brix (Wolfram Koch) eintrifft, schaut sie sich in dem riesigen Gebäude um und macht Fotos. Plötzlich hört sie Schritte hinter sich, dann ein Schlag. Als Brix endlich ankommt, findet er seine Kollegin bewusstlos im Aufzug liegend. Was spielte sich in dem Turm ab und ist der Täter vielleicht noch im Gebäude?

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

"Der Turm", so der Titel der Episode, hat alles, was es für einen spannenden Krimi braucht: ein riesiges Hochhaus von 22 Etagen, in dem geheimnisvolle Dinge passieren, düstere Flure, flackernde Lichter, ruckelnde Aufzüge. Da bleibt einem schon mal der Atem weg. Packend sind auch die Szenen, in denen Kommissarin Janneke infolge ihres Unfalls mit paranoiden Schüben zu kämpfen hat.

Was stört?

So schleppend wie die Ermittlungen voran gehen, plätschert auch der Film dahin. "Wir haben gar nichts, Scheiße", flucht Kommissar Brix in einer Szene und bringt es damit ziemlich gut auf den Punkt. Es gibt keine plausiblen Verdächtigen, kein erklärbares Motiv und keinen nennenswerten Ermittlungsfortschritte. Die meisten Fragen bleiben ungeklärt. Stattdessen bedient der "Tatort" zahlreiche Klischees von einflussreichen Managern, die Sexpartys feiern, eiskalten Anwälten, IT-Nerds ohne Sozialkompetenz und Mädchen, aus einfachen Verhältnissen, die sich als Escortgirls ein Leben im Luxus erhoffen. "Der Turm" ist eine Mischung aus "Pretty Woman", "Wall Street" und "Eyes Wide Shut": Man hat alles schon mal gesehen, aber es ist nicht zu Ende gedacht.

Die Kommissare?

Da Kommissarin Janneke nach ihrem Unfall mit einem Schädel-Hirn-Traum außer Gefecht gesetzt ist und sich an nichts erinnern kann, ermittelt Brix zunächst gemeinsam mit Assistent Jonas. Der bringt aber auch nicht wirklich Feuer in die Ermittlungen. Stattdessen bemüht sich Janneke, vom Krankenbett ihren Kollegen zu unterstützen - denn Brix hat sich mit seiner impulsiven Art ziemlich in den Fall verrannt.

Ein- oder Ausschalten?

Diesen "Tatort" können Sie sich sparen. Wenn Sie eine spannende Auseinandersetzung mit der Frankfurter Bankenwelt sehen wollen, schauen Sie lieber die ZDF-Serie "Bad Banks" - bis Mitte Januar gibt's die erste Staffel noch in der Mediathek.

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