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"Tatort"-Check: Leichenschändung mit Schweineschwanz - so wird der Sonntagskrimi

Der Jan Ullrich des Saarlands ist tot. Und auch der Junge, der seine Leiche geschändet hat. "Tatort"-Kommissar Stellbrink sucht den Täter in mehreren Familien - und hat derweil Probleme mit seinem eigenen Nachwuchs.

Tatort aus Saarbrücken

Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow, l.) ermittelt auch im Restaurant des Starkochs Jean Carlinó (Jophi Ries), dessen Lehrling Karim Löscher (Emilio Sakraya, r.) im Mordfall verdächtig ist.

Worum geht's in diesem "Tatort"?

"Das Leben ist keine gottverdammte Tour de France." Das musste auch das Saarbrücker Radsportidol Dirk Rebmann erfahren. Der Lehrer liegt tot im Bestattungsinstitut, zudem schänden drei Schüler seine Leiche, indem sie ihm einen Schweineschwanz in den Hintern stecken. Für einen der drei Jungen endet der Streich tödlich. Kommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) sucht den Täter in den Familien der drei Jugendlichen - und findet viele Tat-Motive.

Warum lohnt sich der Krimi?

Das titelgebende Thema dieses "Tatorts" - "Söhne und Väter" - zieht sich konsequent durch diesen Fall. In jeder der drei Familien gibt es Probleme mit den Vätern. Einer schlägt seinen Sohn, der zweite quält den Filius psychisch, der dritte zieht sich resigniert in seinen Hobbykeller zurück. Und auch Stellbrink hat seine lieben Probleme mit dem Sohnemann.

Was stört?

Drei Familien, die Schule, ein Restaurant - in diesem Film gibt es viel zu viele Schauplätze und Handlungsstränge. Da verliert man als Zuschauer schnell den Überblick. Zudem sind die Dialoge oft künstlich und gestelzt. Sagt ein Jugendlicher wirklich "Präteritum am Arsch", wenn er mit seiner Verflossenen redet?

Die Kommissare?

Der "Tatort" aus Saarbrücken ist komplett auf Kommissar Stellbrink zugeschnitten. Devid Striesow macht seine Sache sehr gut, doch mangels Interaktion mit Kollegen muss ihm das Drehbuch allerhand private Geschichten auf den Leib schreiben. So ziehen sich die verpassten Abendessen mit seinem Sohn durch die Folge, dazu hat er noch einen Internet-Flirt am Laufen. Derlei lustig gemeinte Nebenstränge hat man schon in anderen "Tatorten" gesehen, hier ist den Machern wenig Neues eingefallen.

"Tatort" ein- oder ausschalten?

Devid Striesow ist ein herausragender Schauspieler, und Saarbrücken gibt eine tolle Kulisse für einen Fernsehkrimi ab - wie gerne würde man diesen Film empfehlen. Doch auch wenn der Saar-"Tatort" langsam in die Spur findet, kann sich der Film (Buch und Regie: Zoltan Spirandelli) nicht recht zwischen Komödie und ernsthaftem Kriminalfall entscheiden. Eine überladene Geschichte gewürzt mit Albernheiten ergibt noch keinen guten "Tatort".

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