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"Tatort" Berlin Retortenbabys und Psycho-Wahn in der U-Bahn: So wird der Sonntagskrimi

Tatort
Die Kommissare Rubin (Meret Becker) und Karow (Mark Waschke) auf den Spuren des unbekannten Toten
© rbb/Gordon Muehle
Die "Tatort"-Kommissare Karow und Rubin suchen einen Serienmörder, der Menschen tötet, die mit Hilfe von künstlicher Befruchtung zur Welt kamen. Leider werden die Ermittlungen schnell unglaubwürdig und die Zufälle häufen sich. Es ist der erste schwache Fall des Berliner Duos.

Bewertung:

- 2 von 5 Punkten

- Ein Krimi mit viel Berlin-Atmosphäre, aber wenig Glaubwürdigkeit und hanebüchenen Zufällen

Worum geht's?

In einem ausgebrannten Transporter wird eine männliche Leiche gefunden. Die Kommissare Karow (Mark Waschke) und Rubin (Meret Becker) merken bei ihren Ermittlungen, dass es ähnliche Fälle bereits gab - ist hier ein Serienmörder unterwegs? Die Spur führt die beiden in eine Kinderwunschklink in Wannsee, denn alle Opfer stammen aus künstlicher Befruchtung. Die Leiterinnen, ein lebisches Paar, sorgten in den 80ern für Aufsehen, waren Vorreiter in der modernen Kinderwunsch-Medizin. Was nicht allen gefiel: Auf Laborchefin Irene Wohlleben (Almut Zilcher) wurde einst ein Anschlag verübt. Der damalige Täter (Christoph Bach) verhält sich auch heute noch seltsam.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Seit Meret Becker und Mark Waschke im März 2015 den Hauptstadt-Krimi übernommen haben, kommt das Berlin-Flair bestens rüber. Auch "Dein Name sei Habinger" schafft es, ein authentisches Bild der Stadt zu zeichnen. Viele Aufnahmen entstanden rund um und in der U-Bahnstation Alexanderplatz, fangen typischen Berliner Alltag ein - inklusive einem Straßenmusiker, der dem Rapper Romano ähnelt. Und auch die schauspielerischen Leistungen stimmen durch die Bank.

Was nervt?

Die hanebüchenen Zufälle, die das private Umfeld der Ermittler mit dem Fall verknüpfen. Vor allem die Kommissars-Anwärterin Anna Feil (Carolyn Genzkow) hat das Pech, sich in zahlreichen unglaubwürdigen Situationen wiederzufinden. Als dann ein erster Verdacht auf einen psychisch Kranken fällt, werden die Ermittlungsmethoden gleich so drastisch und abstrus, dass man als Zuschauer nur den Kopf schütteln kann. Außerdem ist der Krimi zu voll beladen: Es geht um das eigentlich hochsensible Thema Kinderwunsch, um Verfolgungswahn, um Mediziner-Macht, um die persönlichen Schicksale der Ermittler - doch alles wird als Action-Nummer abgehandelt, es fehlt der Tiefgang.

Die Kommissare?

Sind ein Lichtblick in der absurden Handlung. Zwischen Karow und Rubin herrscht zwar ein rauer Ton, doch die beiden können sich auch zum Lachen bringen. "Nich immer so 'n Arsch sein", kommentiert Rubin ihren Kollegen etwa, als dieser einem Vater den Tod seines Sohnes verschweigen will. 

Ein- oder ausschalten?

Wer Berlin als Stadt mag und von übertriebenen Psycho-Ermittlungen nicht abgeschreckt wird, kann einschalten. Alle anderen können diesen "Tatort" auch mal auslassen.


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