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"Tatort" aus Dresden: Dieser Fall bringt Zuschauer und Kommissare emotional an ihre Grenzen

Die Dresdner können auch ernst: Ohne Komik und Klamauk klären die Ermittler einen Mord an einem Kind auf. Der bisher stärkste Fall der Oberkommissarinnen Henni Sieland und Karin Gorniak.

Tatort aus Dresden

Das Dresdner Ermittler-Trio: Die Oberkommissarinnen Karin Gorniak (l.) und Henni Sieland mit Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel

  • 3 von 5 Punkten
  • Keine klassische Tätersuche, sondern eine aufrüttelnde Auseinandersetzung mit den Themen Kindesmissbrauch und Pädophilie

Worum geht's?

Es ist der Albtraum aller Eltern: Das eigene Kind verschwindet auf dem Rückweg von der Schule oder vom Sportverein. Sandra und Stefan Krüger befürchten das Schlimmste, als ihr neunjähriger Sohn Rico nicht vom Schwimmtraining zurückkehrt. Oberkommissarin Henni Sieland (Alwara Höfels) ist zunächst optimistisch. "Von 100 vermissten Kindern ist einem wirklich etwas passiert. Der taucht schon wieder auf", sagt sie. Doch wenig später ist es traurige Gewissheit - Rico ist tot. Die Leiche des Jungen wird gefunden, auf grauenvolle Weise in eine Sporttasche gepresst, die am Ufer der Elbe strandet. Kommissariatsleiter Schnabel (Martin Brambach) drängt seine Mitarbeiterinnen dazu, rund um die Uhr zu ermitteln, um rasch Ergebnisse liefern zu können. Denn die Tat weckt Erinnerungen an einen ungelösten Fall vor drei Jahren, als ebenfalls ein neunjähriger Junge verschwand.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Als die Dresdner Ermittler im März 2016 den Dienst antraten, brachten sie frischen Wind in die Sendereihe. Zu verdanken war das in erster Linie Drehbuchautor Ralf Husmann. Der Erfinder der Sitcom "Stromberg" hatte den Anspruch, Krimi und Komik zu verbinden - ähnlich wie das auch in den Münster- und Weimar-"Tatorten" der Fall ist. Doch im November vergangenen Jahres verabschiedete sich Husmann. "Ich hatte den Eindruck, dass es inzwischen in Richtung eines ganz konventionellen Krimis geht", begründete der 53-Jährige seine Entscheidung.

Tatsächlich ist die neue Folge "Déjà-vu" düsterer und beklemmender geworden, als man es bisher aus Dresden kannte. Es geht um die Themen Kindesmissbrauch und Pädophilie - nichts, was sich mit Komik vereinbaren ließe. Der Fall erinnert an den 1988 ausgestrahlten Polizeiruf "Der Kreuzworträtselfall", der wiederum auf einer wahren Geschichte basiert und den Mord an dem siebenjährigen Lars Bense schildert. Der Junge aus Halle an der Saale verschwand 1981 vor einem Kino und wurde später ermordet in einem Koffer gefunden. Der sogenannte "Kreuzworträtselmord" zählt zu den bekanntesten Kriminalfällen der DDR, weil über 550.000 Schriftproben ausgewertet wurden, bis der Täter gefasst werden konnte.

Was nervt?

Während die Ermittler lange im Dunkeln tappen, wissen die Zuschauer bereits nach relativ kurzer Zeit, wer der Täter ist. Das nimmt dem Fall leider etwas die Spannung. Gleichzeitig wird die Figur des Täters aber nicht sehr detailliert auserzählt. Der Zuschauer erfährt nichts über sein familiäres Umfeld oder seine eigene Vorgeschichte. Etwas kurios ist auch die Tatsache, dass die beiden Oberkommissarinnen trotz angeblicher Hitzewelle die ganze Zeit dieselben langen Klamotten tragen.

Tatort aus Dresden

Oberkommissarin Gorniak hat eine Affäre mit ihrem Nachbarn

Die Kommissare?

Der Fall "Déja-vu" bringt nicht nur die Zuschauer, sondern auch Oberkommissarin Henni Sieland emotional an ihre Grenzen. Die Ermittlerin landet im Krankenhaus und macht dort zwei überraschende Entdeckungen.

Es ist der vorletzte Fall mit Alwara Höfels, die einen Monat nach Ralf Husmann ebenfalls ihren Ausstieg aus dem Dresden-"Tatort" bekanntgab. Der letzte Fall mit Höfels wird Pfingsten zu sehen sein.

Oberkommissarin Karin Gorniak (Karin Hanczewski) lassen die Ermittlungen ebenfalls nicht los. Sie kämpft nicht nur mit ihrem pubertierendem Sohn Aaron, sondern muss sich auch mit ihrem Nachbarn Nick herumschlagen. Mit dem hat sie eine heimliche Affäre, was zu weiteren Problemen führt.

Ein- oder Ausschalten?

Einschalten! Regisseur Dustin Loose war bei den Dreharbeiten erst 30 Jahre alt und ist damit der jüngste Regisseur in über 45 Jahren "Tatort". Ihm ist ein Film gelungen, der tief betroffen macht und noch lange nachwirkt.

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