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"Tatort" aus Hamburg: Leben gegen Leben: Der verzweifelte Kampf eines Vaters

Die Kommissare Thorsten Falke und Julia Grosz jagen einen Vater, der seine todkranke Tochter retten will und dabei zum Mörder wird. Für Ablenkung sorgt nur ein Flirt mit einer Polizei-Kollegin.

"Tatort: Querschläger" aus Hamburg

Hauptkommissar Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Oberkommissarin Julia Grosz (Franziska Weisz) müssen vor Schüssen auf einem Autohof in Deckung gehen

  • 3 von 5 Punkten
  • Charakterstudie eines verzweifelten Vaters, der zum Mörder wird, um seine Tochter zu retten

Worum geht's?

Es ist eine Routinekontrolle auf einem Autohof. Hauptkommissar Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Oberkommissarin Julia Grosz (Franziska Weisz) sollen mit ihren Kollegen von der Autobahnpolizei LKW auf illegale Waren prüfen. Doch plötzlich fallen Schüsse. Ein Querschläger trifft einen unbeteiligten Brummifahrer tödlich. Abgefeuert wurde die Munition von einem maskierten Scharfschützen aus dem Gebüsch. Grosz nimmt sofort die Verfolgung auf, alles was sich findet ist jedoch eine Packung illegaler Medikamente. Die führt Falke und Grosz zu dem Zollbeamten Steffen Thewes (Milan Peschel). Dessen 15-jährige Tochter Sara (Charlotte Lorenzen) ist unheilbar krank, nur eine teure OP in den USA könnte sie retten. Um seiner Tochter zu helfen, schmiedet Thewes einen tödlichen Plan. Für die Ermittler beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

"Tatort: Querschläger"

Charlotte Lorenzen spielt die schwer kranke Sara Thewes

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

"Die Geschichte fand ich toll, weil sie in einen Kriminalfall verpackt von einem menschlichen Dilemma erzählt", sagt Hauptdarsteller Wotan Wilke Möhring. Tatsächlich sind es die emotionalen Aspekte, die diesen "Tatort" sehenswert machen. Das Leid des Vaters Steffen Thewes, dessen Welt an der Krankheit seiner Tochter zu zerbrechen droht. Die Tapferkeit des Mädchens, das seine Schmerzen kaum aushalten kann und sagt: "Spätestens Weihnachten bin ich tot." Aber auch tief empfundene Ungerechtigkeiten, etwa, dass die Krankenkasse die Operation nicht bezahlen will oder der Spediteur Cem Aksoy (Eray Egilmez) trotz illegaler Geschäfte ungestraft davonkommt. Und selbst der sonst so ruppige Falke entdeckt bei diesem Fall seine weiche Seite. Das Schicksal der kranken Sara Thewes geht ihm sehr nah, hat er doch selbst einen Sohn im Teenager-Alter.

Was stört?

Der Zuschauer hat von Anfang an einen Wissensvorsprung gegenüber den Kommissaren. Das nimmt dem Fall leider etwas die Spannung. Erst zum Ende hin zeigt der Film seine ganzen Stärken: Je mehr Steffen Thewes die Nerven verliert, umso packender wird die Geschichte.

Die Kommissare?

Falke und Grosz finden sich in einer ungewohnten Dreier-Konstellation wieder. Bei den Ermittlungen werden sie von der Polizistin Tine Geissler unterstützt, die offensiv flirtet - nicht etwa mit Falke, sondern mit Grosz. Die ist sich ihrer Gefühle noch unsicher, lässt sich aber ein Stück weit darauf ein. "Homosexualität in der Polizei ist ein extrem sensibles Thema", sagt Oke Stielow, der Autor dieses "Tatorts". Umso wichtiger, dass er es angeht.

Ein- oder Ausschalten?

Dieser "Tatort" ist keine leichte Kost zum ersten Advent. Das Schicksal der kranken Sara Thewes geht nahe, regt aber vielleicht auch zum Nachdenken über die wichtigen Dinge des Lebens an.