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"Tatort"-Wiederholung aus Köln Der blutige Traum von einem anderen Leben

"Tatort" aus Köln mit Ruby O. Fee
Szene aus dem Köln-"Tatort": Adrian Tarrach (Rick Okon, l.) träumt von einer gemeinsamen Zukunft mit Laura (Ruby O. Fee, r.). Dafür nimmt er fast jedes Risiko in Kauf.
© WDR/Thomas Kost / ARD
Diese "Tatort"-Wiederholung kommt als gewaltsame Romanze daher: Ein Liebespaar, geeint in dem Wunsch auszubrechen, zieht eine blutige Spur durchs Land. Eine furiose Hommage an "Natural Born Killers".

Worum geht's in diesem "Tatort"?

Der Täter steht diesmal ganz am Anfang fest: Adrian Tarrach (Rick Okon, r.) ersticht den Stiefvater seiner Freundin Laura (Ruby O. Fee) in dessen Villa - denn er soll die 17-Jährige sexuell belästigt haben. Das Paar flüchtet zum Kölner Flughafenhotel, um mit dem Flieger das Land zu verlassen. Vorher muss Adrian jedoch Geld besorgen - und bringt dabei einen weiteren Menschen um. Da inzwischen die Kölner Mordkommission nach ihnen fahndet, ist die Flucht per Flugzeug verbaut. Das Paar versucht, mit dem Auto zu entkommen. Auf ihrer immer hoffnungsloseren Reise lernt Laura schließlich der Erotik der Waffe kennen.

Warum lohnt sich der "Tatort"?

Weil dieser Film eine faszinierende Geschichte eines Paares erzählt, wie es im deutschen Fernsehen nur selten vorkommt. Laura, 17, eine notorische Lügnerin aus gutem Hause, die mit ihrem Wohlstand nichts anzufangen weiß und sich nach echter Liebe sehnt. Und Adrian, 24, der zusammen mit seiner kranken Mutter in einem Hochhaus-Ghetto lebt und von einem anderen Leben träumt. Beide zusammen ergeben, wie Freddy Schenk sagt, eine "gefährliche Mischung". Denn ihre Lügen und seine Träume lösen eine fatale Gewaltspirale aus.

Was stört?

Diese "Tatort"-Folge schafft es nicht, Tempo und Spannung über 90 Minuten zu halten. Das letzte Drittel hat einige Längen. Als der Zuschauer das Ende schon ahnt, muss er noch einige Zeit bis zum Finale überstehen. Diese Kritik ist allerdings Jammern auf hohem Niveau.

Die Kommissare?

Eine weitere Überraschung: Während die Kölner Ermittler Ballauf und Schenk in vielen Folgen mehr an ein altes Ehepaar als an Kommissare erinnern und sich mit ihrem permanenten Gezänk unangenehm in den Vordergrund drängen, halten sie sich diesmal angenehm zurück und gehen einfach nur ihrer Arbeit nach. Das bekommt dem Fall sichtlich gut.

Ein- oder ausschalten?

Unbedingt einschalten. Ein "Tatort", der sich abseits der üblichen "Wo waren Sie am Montagabend?"-Pfade bewegt, ist nach wie vor eher die Ausnahme und verdient viele Zuschauer. Und eine deutsche Variante der von Quentin Tarantino geschriebenen Gewaltsatire "Natural Born Killers" war überfällig. Vor allem aber ist Ruby O. Fee in der Rolle der verzogenen Wohlstandsgöre unbedingt sehenswert.

Der "Tatort: Kartenhaus" lief erstmals am 28. Februar 2016. Die ARD wiederholt den Fall am Freitag, 22. April, um 22.15 Uhr.


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