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"Tatort" aus Köln: Kaputte Familien, leidende Kinder: Dieser Krimi ist starker Tobak

Der Kölner "Tatort" ist immer dann am stärksten, wenn er Sozialkritik übt. Der aktuelle Fall zeigt die schwere Arbeit der Jugendämter - und die Kämpfe von alleinerziehenden Müttern und Vätern.

"Tatort" aus Köln

Unter einem Bahnbogen wurde die Leiche von Monika Fellner (Melanie Straub) gefunden. Rechtsmediziner Dr. Joseph Roth (Joe Bausch, r.) stellt noch am Tatort ein schweres Schädel-Hirn-Trauma fest. So viel kann er Freddy Schenk (Dietmar Bär, Mitte) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, l.) schon sagen.

ARD
  • 4 von 5 Punkten
  • Ballauf und Schenk ermitteln den Mord an einer Mitarbeiterin des Jugendamtes - und bekommen dabei Einblicke in die Schicksale zerrütteter Familien

Worum geht's?

Monika Fellner hat als Mitarbeiterin der Unterhaltsvorschusskasse keinen leichten Job. Die 38-Jährige muss sich mit Müttern und Vätern auseinandersetzen, die für ihre Kinder keinen Unterhalt zahlen wollen - oder können. Fellner nimmt ihre Aufgaben sehr ernst, Kollegen beschreiben sie als "Bullterrier" und "verbissen". Eines Abends wird die junge Frau tot unter einer Brücke gefunden, erschlagen mit einem Radmutternschlüssel. Wer hat die Beamtin auf dem Gewissen? Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) haben viele Verdächtige. Kollegen und Vorgesetzte, die von Fellners akribischer Arbeitsweise bisweilen genervt waren, Nachbarn, die sie als "anstrengend" bezeichnen und Eltern, mit denen Fellner beruflich zu tun hatte.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

"Ich habe jeden Tag mit kaputten Familien zu tun. Die Eltern machen sich immer nur fertig und führen Krieg gegeneinander anstatt sich um ihre Kinder zu kümmern", sagt Markus Breitenbach (Christian Erdmann), Abteilungsleiter der Unterhaltsvorschusskasse. Tatsächlich führt der Film auf schmerzhafte und beklemmende Art und Weise vor, was passiert, wenn sich Eltern um die Kinder oder das Sorgerecht streiten. Da ist Rainer Hildebrandt (Peter Schneider), der von Hartz IV lebt, während seine Frau mit ihrem neuen Partner ein Leben im Luxus führt. Der arbeitslose Architekt kämpft verzweifelt um das Sorgerecht für seine beiden Kinder. Oder Julia Beck (Karen Dahmen), die als Alleinerziehende im Versandhandel schuftet, um ihrer Tochter ein einigermaßen normales Leben zu ermöglichen. Der Vater des Kindes kauft sich lieber teure Autos statt Unterhalt zu zahlen. Es geht darum, wie schwer es ist, als Alleinerziehender aus der Hartz-IV-Spirale herauszukommen, wenn man einmal darin gefangen ist. Denn jeder verdiente Cent zu viel wird auf die Sozialleistungen angerechnet. Es geht aber auch um Betrug und Misswirtschaft, um Menschen, die Unterhalt kassieren, obwohl er ihnen gar nicht zusteht.

Was stört?

Private Dramen, eindringliche Dialoge, diffizile Themen wie Sorgerecht, Hartz IV und Kindergeld - dieser Film greift all das auf und macht einen soliden Krimi daraus. Es gibt wenig auszusetzen an dieser Kölner "Tatort"-Episode mit dem Titel "Niemals ohne mich" - außer, das der Streifen noch mehr Leid liefert als es momentan ohnehin schon gibt. Aber das konnten die Macher (Drehbuch: Jürgen Werner, Regie: Nina Wolfrum) ja noch nicht wissen, als im Frühjahr 2019 gedreht wurde.

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Die Kommissare?

In unsicheren Zeiten ist es schön, wenn manche Dinge so bleiben, wie wir sie kennen. So frühstücken Ballauf und Schenk weiterhin Currywurst, zanken sich über ihre kontroversen Ansichten zu diversen Themen und Assistent Norbert Jütte (Roland Riebeling) hat die Ruhe weg. Multitasking, sagt er zu Ballauf, das könne er nur auf dem Klo beim Zeitungslesen.

Ein- oder Ausschalten?

Dieser "Tatort" ist starker Tobak bis zur letzten Sekunde. Wer das bei der aktuellen Weltlage noch wegstecken kann, sollte einschalten.

Die Kommissare Ballauf und Schenk ermittelten auch in diesen Fällen