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"Tatort" aus Ludwigshafen Sind es wirklich schon 30 Jahre? Lena Odenthal feiert mit diesem Fall Jubiläum

Ulrike Folkerts spielt seit 30 Jahren die Kommissarin im Ludwigshafener Tatort
Schlagfertig, konfliktstark und stets mit Lederjacke. Ulrike Folkerts ist ein wahres Tatort-Urgestein. Seit 30 Jahren spielt die Schauspielerin Lena Odenthal im Ludwigshafener Tatort. Damit ist Folkerts dienstälteste Kommissarin der Kult-Krimireihe. Mit Lena Odenthal kam Ende der 80er Jahre ein neuer Frauentypus ins Fernsehen. „Eine burschikose Ermittlerin, die mit dem Auto durch die Gegend rast, mit Pistolen schießt und auch noch einparken kann, war in den frühen Neunzigern für viele noch ziemlich seltsam“, erklärt Folkerts dem Südkurier. Privat haben die 58-Jährige und ihr Lena Odenthal wenig gemeinsam. Kommissarin Odenthal gilt als Eigenbrötlerin, zieht sich gerne zurück. Ulrike Folkerts mag es privat lieber gesellig. Mit Partnerin Katharina Schnitzler lebt die Schauspielerin seit 16 Jahren gemeinsam in Berlin. Der Rolle der Lena Odenthal wird Folkerts auch nach 30 Jahren nicht überdrüssig. „Es wird nie langweilig, weil sich die Rolle mit der Zeit weiterentwickelt und ich mit vielen spannenden Menschen zusammenarbeiten darf“ schwärmt die Schauspielerin. Ein persönliches Highlight aus drei Jahrzehnten Ludwigshafen Tatort kann Folkerts nicht nennen, zu viele Erlebnisse teilt die Kasselerin mit ihrer Crew. Das Interview mit dem Südkurier beendet Folkerts mit den Worten: „So, jetzt gehe ich aber nach Hause, ich habe schließlich Feierabend.“ Freundlich, aber bestimmt. Ein bisschen Lena Odenthal scheint dann doch in Ulrike Folkerts zu stecken.
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Ihr 70. Fall führt Kommissarin Lena Odenthal in ihre eigene Vergangenheit. Wie schon 1991 ermittelt sie in dem pfälzischen Dorf Zarten und trifft dort auf ihren früheren Schwarm - Polizist Stefan Tries.
  • 4 von 5 Punkten
  • Lena Odenthal wird nostalgisch: Ihr neuer Fall knüpft an einen Krimi aus dem Jahr 1991 an

Worum geht's?

Bei einer nächtlichen Verkehrskontrolle stirbt der Polizist Benny Hilpert (Max Schimmelpfennig). Er wird hinterrücks erschossen, unklar ist jedoch, von wem. Hauptkommissarin Lena Odenthal (Ulrike Fokerts) wird in das pfälzische Dorf Zarten geschickt, um zu ermitteln. Für sie ist es eine Reise in die eigene Vergangenheit. Vor 28 Jahren musste sie an gleicher Stelle das Verschwinden eines rumänischen Spätaussiedlers aufklären. Damals unterstützte sie der Dorfpolizist Stefan Tries (Ben Becker), der es inzwischen zum Leiter der Polizeidienststelle gebracht hat. Tries war in der Tatnacht mit seinem jungen Kollegen unterwegs. Er scheint mehr zu wissen, als er vorgibt. Und auch der Rest seiner Leute ist nicht sehr interessiert daran, den Tod von Benny Hilpert rasch aufzuklären.

Tatort: Die Pfalz von oben mit Ben Becker und Ulrike Folkerts als Lena Odenthal
Polizist Stefan Tries (Ben Becker) und Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) sehen sich nach fast 30 Jahren wieder
© Jacqueline Krause-Burberg/SWR

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Lena Odenthal feiert mit der Folge ihr 30-jähriges Dienstjubiläum. Seit 1989 ermittelt die Kommissarin in Ludwigshafen und Umgebung. Der Fall "Die Pfalz von oben" knüpft an den dritten Odenthal-Krimi "Tod im Häcksler" an, der 1991 ausgestrahlt wurde. "Es hat sich nichts verändert", sagt Polizist Stefan Tries in einer Szene, der damals wie heute von Ben Becker dargestellt wird. Tatsächlich spielt auch die aktuelle Episode in dem fiktiven Grenzort Zarten, in dem Lena Odenthal nicht nur einen Mord aufklären, sondern sich ebenso mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandersetzen muss. Und ein Häcksler - eine kleine Hommage an die alte Folge - kommt ebenfalls vor.

Tatort: Tod im Häcksler mit Ben Becker und Ulrike Folkerts
Waren die jung damals: In ihrem dritten Fall "Tod im Häcksler" (1991) arbeitete Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) mit dem Dorfpolizisten Stefan Tries (Ben Becker) zusammen.
© Johannes Hollmann/SWR

Was stört?

Der ganze Charme dieses "Tatorts" entfaltet sich eigentlich nur, wenn man auch den alten Film aus dem Jahr 1991 kennt. Damals waren Stefan Tries und Lena Odenthal zwei junge Polizisten, zwischen denen es auch privat knisterte. Nun, 28 Jahre später, treffen sie erneut aufeinander. Das Wiedersehen nach so langer Zeit ist das zentrale Thema des Films, denn Tries ist nicht mehr der smarte Kollege von einst. Der eigentliche Kriminalfall gerät darüber in den Hintergrund - obwohl es so viele Tote gibt wie selten in einem Odenthal-"Tatort", nämlich fünf.

Die Kommissare?

"Wir sind Lichtjahre voneinander entfernt. Zwei Planeten, die sich niemals getroffen hätten. Ein Zufall. Darauf kann man doch kein Leben aufbauen", sagt Lena Odenthal zu Stefan Tries in einer Szene. Der trauert der verpassten Liebe und geplatzten Träumen hinterher. Im Gegensatz zu Odenthal hat er keine erfolgreiche Karriere gemacht, sondern ist in Zarten hängen geblieben und betäubt sich mit zerkleinerten Schmerztabletten, die er wie Kokain durch die Nase zieht. Bei einer Flasche Rotwein schafft er es doch noch, mit Odenthal in vergangenen Erinnerungen zu schwelgen. Die beiden tanzen - wie schon 1991 - zu den Klängen von Bob Dylans Ballade "Lay Lady Lay". Definitiv einer der stärksten Momente des Films.

Ein- oder Ausschalten?

So lange wie Lena Odenthal ermittelt kein anderer "Tatort"-Kommissar. Um dieses Jubiläum zu würdigen, sollten Sie ruhig einschalten, auch wenn der Fall deprimierend endet.


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