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"Tatort" heute aus Wien: Heimat-Klamauk und Ebola-Drama: So wird der Krimi am Sonntag

Der Sommer ist vorbei, der "Tatort" zurück: Mit einem komödiantisch angelegten Seuchen-Krimi gehen die Wiener Ermittler Eisner und Fellner in die neue Saison. Das ist ganz unterhaltsam - lässt aber Platz nach oben offen.

Die Kommissare Moritz Eisner und Bibi Fellner

Bewertung:

  • 3 von 5 Punkten
  • Dieser "Tatort" hält viel Wiener Schmäh und ein interessantes Thema bereit - verliert sich aber leider in zu vielen Kalauern

Worum geht's in diesem Wien-"Tatort"?

Im beschaulichen Pöllau in der Steiermark wird ein Schwarz-Afrikaner tot in einem Steinbruch aufgefunden. Offenbar ist er erschlagen worden, doch in der Dorfkneipe will keiner etwas davon mitbekommen haben. Niemand kennt den Toten - auch nicht in dem nahe gelegenen Flüchtlingsheim, das der Arzt Albert Reuss (Andreas Kiendl) leitet, seit er von seinen Hilfseinsätzen in Westafrika zurück ist. Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) kommt der Mann vor lauter Anständigkeit fast unheimlich vor, doch bald haben sie andere Probleme: Das Opfer war mit dem Ebola-Virus infiziert. Sofort wird das gesamte Dorf per Seuchenkommando unter Quarantäne gestellt  - und die Ermittler müssen gegen die erschwerten Bedingungen ankämpfen.

Warum lohnt sich der Krimi?

Das Katastrophen-Szenario in der Provinz hat seinen Reiz und auch das wichtige Thema der Ebola-Krise absolut Berechtigung in einem "Tatort". Mit Fellner und Eisner haben die Wiener außerdem ein charismatisches und vielschichtiges Ermittler-Duo, das vielen Zuschauern ans Herz gewachsen ist.

Was nervt?

Leider übertreiben es die Wiener schnell mit den Kalauern. Schon klar, dass man in der Steiermark nur schwer eine Thriller-Atmosphäre im Stil von "Outbreak" hinbekommt. Aber muss es dann gleich in Richtung alberner Heimatfilm gehen? Da folgen Kamasutra-Witze auf Würstl-Gags und ein wider Willen evakuiertes Brautpaar wirft theatralisch die Hände in die Luft. In den 70ern hätten das Roy Black und Uschi Glas genau so gespielt.

Schade auch, dass der "Tatort" nicht die Chance nutzt, und deutlich Stellung zur rechtspopulistischen Flüchtlingspolitik von Österreichs Außenminister Kurz bezieht. "Wir leben in Österreich, gastfreundlich ist man da nur zu den Touristen, bei anderen Besuchern des Landes schaut das anders aus", heißt es am Anfang zwar vielversprechend. Doch dann wird das aktuelle Migranten-Thema mit dem Ebola-Drama vermischt - und beides verwässert so.

Die Kommissare?

Zanken sich liebevoll und wissen immer noch nicht so richtig, ob sie nur Kollegen und Freunde sein sollen oder vielleicht doch mehr. Schauspielerisch macht es mit Neuhauser und Krassnitzer aber Spaß.

Ein- oder Ausschalten?

Einschalten. Als kleine Aufwärmübung für die kommende "Tatort"-Saison taugt "Virus" allemal. Den nächsten neuen Krimi gibt's dann erst wieder in zwei Wochen - dazwischen treffen sich Merkel und Schulz zum TV-Duell.

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