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Krimi-Check: Zwischen Liebeskummer und Sadismus: Darum lohnt sich der Wien-"Tatort"

In diesem Wiener "Tatort" spielen die Gefühle verrückt: Moritz Eisner hat eine Affäre, Bibi Fellner will aus Einsamkeit den Alkohol umarmen, und der Mord am Chef der Polizeischule enthüllt viel Hass.

Tatort

Dicke Luft zwischen den Kommissaren Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer)

Worum geht's?

Mitten in der Nacht werden Major Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) zu einem gerufen: Ausgerechnet der Chef der Polizeischule liegt tot in seinem Haus, ein Stockwerk über ihm findet man auch die Leiche seiner Frau. Alles deutet zunächst auf ein Beziehungsdrama hin, doch schnell wird klar, dass eine unbekannte Person der Mörder ist. Besonders pikant: Die tödlichen Schüsse kamen aus einer Dienstwaffe. Und weil sich Fellner und Eisner sowieso gerade streiten, wird die Majorin in die Polizeischule versetzt, um verdeckt zu ermitteln. Macho-Ausbilder Thomas Nowak (Simon Hatzl) macht Fellner dort das Leben schwer.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

"Wehrlos" lebt vor allem vom Spiel zwischen den Hauptdarstellern und kleinen Details, wie etwa wenn der zwielichtige Bar-Betreiber Inkasso Heinzi (Simon Schwarz) in einer schön skurrilen Rückblende von einer Erpressung des Mordopfers erzählt.

Was nervt?

Der malt zu sehr schwarz-weiß: Ausbilder Nowak ist zum Beispiel das personifizierte Böse. Ihn kann man als Zuschauer zwar leicht hassen, seine Rolle ist aber zu schablonenartig. Und manches hätte sich sicher schneller erzählen lassen - oder weniger vorhersehbar.

Die Kommissare?

ist einsam. So einsam, dass sie sich sogar ein Dating-Profil bei der Website "Lonely Hearts" anlegt und eifersüchtig wird, wenn Kollege Eisner ohne sie sein Privatleben pflegt. Und so einsam, dass die trockene Alkoholikerin wieder mit dem Trinken liebäugelt. Die Wiener vermischen Privates und Berufliches in dieser Folge stark, werden dabei persönlich: "Ich kann so trocken sein wie die Sahel-Wüste und du würdest mir immer noch vorhalten, dass ich sauf", schreit Fellner zum Beispiel. Lautstarke Streits und Versöhnungen sorgen für Schwung im Krimi.

Ein- oder Ausschalten?

Einschalten, es wird emotional in .


sst

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo