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Verhängnisvolle Liebe - ein "Polizeiruf" aus der Rostocker Ultra-Szene

Ein toter Ultra und lauter selbstzerstörerische Beziehungen: Der Rostocker "Polizeiruf 110" ist ziemlich düster geraten - entfaltet aber einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann.

"Polizeiruf 110" aus Rostock

Ist es Liebe oder Hass? Das Verhältnis der Kommissare Bukow (Charly Hübner) und König (Anneke Kim Sarnau) ist kompliziert.

Worum geht's in diesem "Polizeiruf 110"?

Nachdem sich Rostocker mit gegnerischen Fans geprügelt haben, wird ein Schläger von einem Auto überfahren. Eine Woche zuvor ist der frühere Ultra-Anführer Stefan Momke (Lasse Myhr) aus der Haft entlassen worden. Er hat vor Jahren einen Polizisten beinahe tot geprügelt. Wie hängt die damalige Tat mit dem Mord zusammen? Die "Polizeiruf"-Ermittler Bukow und König stochern im Fußball-Milieu, haben aber auch mit eigenen Problemen zu kämpfen. 

Warum lohnt sich dieser Krimi?

Auch wenn vordergründig eine Geschichte aus dem Milieu der Hansa-Ultras erzählt wird: Das eigentliche Thema, das sich wie ein roter Faden durch alle Ebenen zieht, ist eine verhängnisvolle Liebe. Damit sind zwischenmenschliche Gefühle genauso gemeint wie die Bindung an einen Fußballverein. Was Doreen (grandios: Lana Cooper) zu ihrem Ex sagt, von dem sie nicht loskommt, könnte als Leitsatz über dem ganzen Film stehen: "Wir sind nicht gut füreinander." 

Was nervt?

Um den Fall aufzuklären, müssen sich die Ermittler immer wieder mit Geschehnissen befassen, die weit in der Vergangenheit liegen. Dadurch verliert die Geschichte Tempo - und der Zuschauer ein wenig den Überblick.

Die Kommissare?

Der aufzuklärende Fall mag krass sein - doch das Privatleben der Ermittler ist krasser.  (Anneke Kim Sarnau) ist schwer traumatisiert, nachdem sie in der vergangenen Folge vergewaltigt wurde. Ihr Kollege Alexander Bukow (Charly Hübner) leidet an seiner zerbrochenen Ehe und flüchtet in den Alkohol. Beide fühlen sich zueinander hingezogen, wollen oder können es sich aber nicht eingestehen. So bleibt auch hier die Feststellung: "Wir sind nicht gut füreinander. Wir machen uns kaputt." (König)

Ein- oder ausschalten?

Ein packender, hervorragend geschriebener Film (Buch: Wolfgang Stauch, Regie: Matthias Tiefenbacher), der seine Dramatik sowohl innerhalb der Kriminalgeschichte als auch auf der privaten Ebene der Ermittler entfaltet. Unbedingt einschalten.


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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo