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TV-Kritik "Krömer - Late Night Show": Die kalkulierte Provokation

Die "blöde Sau" trifft auf "Puffgänger": Kurt Krömers viel diskutierte "Late Night Show" ist billig und altbacken - wäre da nicht die Sache mit "Spiegel"-Mann Matussek gewesen.

Von Jan Zier

Und sie haben sie doch gezeigt. Trotz Matthias Matussek. Also: Die neue "Late Night Show" des Comedians Kurt Krömer. Die läuft jetzt ein paar Mal im Spätprogramm der ARD. Viele Menschen da draußen hätten das sicherlich nie zur Kenntnis genommen - sogar zur Recht - wenn Matussek nicht wäre. Weil: Matussek war da. Vor allem aber: Der "Spiegel"-Mann wollte verhindern, dass die ARD das auch noch sendet. Vor Gericht. Per Eilantrag. Und, natürlich: erfolglos.

Kurt Krömer heißt eigentlich Alexander Bojcan, wird bald 40 und ist eine Kunstfigur, die von ihrer Schnoddrigkeit und der kalkulierten Provokation lebt. Er selbst nennt sich einen "Neo-Clown" und hat auch schon allerlei Preise dafür bekommen, bis rauf zum Grimme-Preis. In der ARD war er bereits des öfteren zu sehen, seit Jahren, und auch der Matussek war schon mal da. Man kann also sagen, der wusste, worauf er sich da einließ. Und der ehemalige Kulturchef des Nachrichtenmagazins ist ja einer, der sich selbst gern der "Disziplinlosigkeit" rühmt. Mit "Polemiken" für sich wirbt. Und heute vor allem Bücher schreibt.

Die Sache mit dem Rotlicht

Aber irgendwie muss er dann doch gedacht haben, diese "Late Night Show", das ist auch wieder nur eine dieser Talkshows, in die man kommt, um sein neues Buch zu promoten. In seinem Falle hieß das "Die Apokalypse nach Richard", also: damals, als die Sendung im Berliner Ensemble aufgezeichnet wurde. Krömer hat das Buch aber natürlich gar nicht interessiert, Matusseks Freunde sollen ihn auch vor dem Besuch der Sendung gewarnt haben, aber die Eitelkeit des Autoren hat am Ende doch gesiegt. Und das Bedürfnis, auch in einer kurzatmigen Unterhaltungsshow mal was ernsthaftes zu sagen. Dazu kam es dann aber doch nicht.

Krömer, das wurde nun auch im Vorfeld der Sendung schon weidlich berichtet, begrüßte Matussek als "Pöbelhans". "Das wird behauptet", sagt der dann, als er so, etwas unbeholfen an der Treppe steht, und das er ja ein ganz sensibler sei. Also legt Krömer nach: "Hinterfotziges Arschloch". Matussek lacht dazu und setzt sich brav. Er hat ja sein neues Buch mitgebracht. "Feiste Schleichwerbung", sagt Krömer. Und dann geht es weiter, man tauscht ein paar Kalauer aus, es geht um Glauben, Gott, den Stern, wo Matussek früher auch mal war und McDonalds.

Bis der Gast ahnungslos das Stichwort "Rotlicht an der Ampel" einwirft und daraufhin von Krömer immer wieder als "Puffgänger" tituliert wird. Ob er einer ist? Matussek antwortet darauf nicht. Also wird er jetzt darauf festgelegt. Erst recht. Und es ist ein wenig wie bei den Kindern, die das Schimpfwort immer wieder sagen, weil die Eltern genau das verboten haben. So leicht kann Provokation sein. So leicht kann man als Komiker also Aufmerksamkeit erzeugen.

Gute Miene zum bösen Spiel

Matusseks Anwalt wird ihn später als "überrumpelte Opfer" bezeichnen. Als einen, der sich dagegen wehre, "seine Persönlichkeitsrechte an der Garderobe abzugeben". Vor laufender Kamera hat er sich nicht gewehrt. Nur einmal "blöde Sau" gesagt, halb im Scherz. "Das heißt das nicht, dass er in die Beleidigungen eingewilligt hat. Er war der Situation ausgeliefert", sagt sein Anwalt dazu. Er habe versucht, gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

Das Gericht würdigte den "Puffgänger" genauso wie den "Pöbelhans" übrigens als "drastisches Stilmittel" und "Markenzeichen" Krömers. Also nicht als Beleidigung im strafrechtlichen Sinne.

Einfach gekonnt weg lachen

Wie man souverän mit einem Kurt Krömer umgeht, hätte Matussek sich bei Schlagersängerin Mary Roos abgucken können, die neben ihm auf dem Sofa saß, einfach alle Anspielungen gekonnt weg gelacht hat, und im Zweifelsfall eine leicht mütterliche Art aufsetzte. Auch sie war übrigens gewarnt worden zu Krömer zu gehen.

Der Rest der Sendung ist schnell erzählt: Das Highlight ist der Jazzpianist Joja Wendt. Und dann war da noch ein billiger Comedy-Travestiekünstler namens Ades Zabel, der mit Krömer, hihi, ein Hochzeitskleid kaufen geht und am Ende einen Fruchtbarkeitstanz tanzt. Also alles ganz unspektakulär und etwas altbacken. Wenn, ja, wenn nicht der Mann vom "Spiegel" doch noch für etwas Aufregung und PR gesorgt hätte.