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TV-Kritik "Perfektes Promi Dinner": Wendlers Lügen-Menü

Aufregung! Larissa ließ ihre Kollegen einfach sitzen. Doch wer macht das nicht, wenn der Wendler singt? Für einen echten Eklat sorgte dieser selbst - als schlechter Koch und noch schlechterer Lügner.

Von Mark Stöhr

Au Backe, Wendler. Jetzt heißt es das beste Pferd satteln und reiten, reiten, reiten. So lange, bis keiner mehr weiß, wer dieser Typ mit der schwarzen Billigtönung ist. Und nicht singen. Bitte nicht singen. Nie mehr. Die Welt wird ein besserer Platz sein. Und wenn du das nächste Mal bescheißen willst, Wendler, bescheiß einfach besser. Das kann man lernen. Bei Geschmack ist das anders. Den hat man oder man hat nicht. Du hast ihn nicht.

Der Schlagersänger und Pferdezüchter aus Dinslaken ist ein echtes Phänomen. Wie Larissa weiland durchs Dschungelcamp stolpert er durch seine Marketingkulisse und legt sich jedes Mal der Länge nach hin. Als hätte er Spaß an der Selbstdemontage. Als bräuchte er sein regelmäßiges Bad im Fettnäpfchen. Das Markenzeichen von Michael W.: der Super-Gau. Sein System ist offenbar so programmiert, dass hinten immer eine Riesenportion Peinlichkeit herauskommt. Insofern war sein Auftritt beim "perfekten Promi Dinner" gestern eigentlich nichts Besonderes. Doch auch ein Wendler übertrifft sich manchmal selbst. Es geht bei ihm immer noch schlimmer. Man glaubt es nicht.

Dabei fing alles recht harmlos an. Larissa Marolt ließ sich im elterlichen Hotel von Onkel Harry ein Drei-Gänge-Menü zubereiten und matschte selber ein bisschen in der Füllung für das "Bauernhendl" rum. Jochen Bendel präsentierte eine Hans-Moser-Stimmenimitation und Wendler erzählte von der "ganz, ganz schlimmen Zeit meines Lebens", als er anfing, Gedichte zu schreiben. Gedichte. Darauf kippten alle einen Obstler und verabschiedeten sich, bis auf Larissa natürlich, die noch einen Porno anschauen wollte ("Aber keinen, wo die Melli dabei ist").

War Wendlers Schnitzel BSE-verseucht?

In Marco Angelinis ("Ich bin extrem gut gebucht") Einzimmer-Appartment in Graz fühlte sich Wendler merklich unwohl. So viel Platz haben bei ihm zuhause seine Schuhe. Als er Gabbys Haarteil an der Wand hängen sah - ein Souvenir aus dem Dschungel -, übergab er sich fast auf den Teppich ("Das ist ja voll eklig"), zog sich dann aber mit großem Appetit das Original Wiener Schnitzel rein. Vielleicht begann hier das Unheil. Vielleicht war das Fleisch BSE-verseucht oder enthielt Substanzen, die BSE bei Rindern genau verhindern sollen, bei Menschen aber voll aufs Hirn schlagen.

Bei Jochen in München jedenfalls, der dritten Fressstation, war Wendler wie aufgedreht. Wie von Sinnen sang er im Duett mit Marco immer und immer wieder die erste Zeile ("Weil ich dich liebe") irgendeines Fake-Nonsens-Schlagers, den sie sich ausgedacht hatten. Larissa fand das nicht lustig. Sie kam direkt vom Tanztraining für die neue Staffel von "Let's dance" und hatte keinen Nerv auf die zwei Clowns, die immer hysterischer kreischten, je genervter die Österreicherin war. Irgendwann war die höchste Eskalationsstufe erreicht: Mit dem denkwürdigen Satz "Eure Fickscheiße fuckt mich an" strich Larissa die Segel und verließ nach dem Dessert (Topfensoufflee) fast fluchtartig die Veranstaltung. Das machen viele, wenn der Wendler singt. Worin genau also bestand der Eklat, von dem im Vorfeld so viel die Rede war?

"Ich habe viele Stunden in der Küche zugebracht"

Der Schlussakt in diesem Trauriger-Trottel-Drama. Schauplatz: Das Gestüt Wendler. Eine Szenerie wie aus einem Einrichtungsseminar für Oligarchen. Ein Neuschwanstein für Neureiche. Jochen war baff ("Ich habe noch nie so viel schlechten Geschmack auf einem Haufen gesehen") und guckte immer ungläubiger angesichts Wendlers "Klimbim-Klamauk-Show" (Marco). Der Sänger fuhr groß auf: Den teuersten australischen Weißwein (lauwarm) und das anscheinend beste Fleisch der Welt vom Wagyu-Rind, serviert bei 30 Grad im Chloraroma der Wendler'schen Badelandschaft. Das muss einem erst einmal einfallen.

Doch richtig dummdreist wurde es, als Wendler steif und fest behauptete, er habe alles selbst zubereitet ("Ich habe wirklich viele Stunden in der Küche zugebracht"), während VOX heimlich seine Unterhaltungen mit zwei versteckten Köchen – später wurde auch noch eine Kamera in die Küche geschmuggelt – mitschnitt und ausstrahlte. Larissa nahm dem Hochstapler sogar noch einen Schwur "beim Leben deiner Pferde" ab, dass er die Wahrheit sagte. Der log ihr mitten ins Gesicht. Offenbar dachte er wirklich, sein Schildbürgerstreich würde nicht auffliegen. Das hatte schon fast nordkoreanische Täuschungsqualitäten.

Die Quittung folgte auf den Fuß: Wendler landete auf dem letzten Platz in der Endwertung, Jochen, der erwartete und verdiente Sieger, hatte ihm wuterbost nur zwei Punkte gegeben. "Man muss analysieren, woran's gehakt hat", sagte der Sänger konsterniert. Ihm ist echt nicht mehr zu helfen. Hoffentlich reitet er davon. Schnell und weit.