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TV-Kritik "Wetten, dass ..?": Lanz gibt Kontra

Alle Augen auf Markus Lanz: Wer die Online-Petition gegen den Moderator unterschrieben hat, hat am Samstagabend bei "Wetten, dass ..?" sicher ganz genau hingesehen. Unsere Autorin auch.

Von Simone Deckner

Direkt mal Lob für die erste "Wetten, dass..?"-Sendung im neuen Jahr: Markus Lanz hat nicht eine Minute überzogen. Ein Skandal, Stichwort: Blackfacing, blieb aus. Auch schrie er nicht ständig wie ein angestochener Wombat "Wow! Wow! Wow!". Wäre da nur nicht diese Online-Petition. Was macht das wohl mit Markus? Hier kommt die Antwort auf diese und weitere elementare Fragen zur Lage der Fernsehnation im leicht wegzusnackenden Entweder-Oder-Modus:

Lanz-Challenge: Mann oder Maus?

Die spannendste Frage: Bezieht Lanz Stellung zum Shitstorm der vergangene Tage? Zu bislang über 200.000 Stimmen, die fordern: "Markus Lanz raus aus meiner Rundfunkgebühr!" Zwar hat er sich inzwischen für sein zu "rustikales" Interview bei Sahra Wagenknecht entschuldigt, aber die Diskussion ist damit noch nicht gestoppt. "Ich habe mir vorgenommen, es 2014 etwas gemütlicher angehen zu lassen. Das ist mit im Hinblick auf die vergangenen Tage doch ganz gut gelungen, oder?" fragt Lanz gleich zu Beginn. Immerhin, er lächelt die Kritik an seiner Person nicht jovial weg. Als es um die Stadtwette und die vielen Baustellen in Karlsruhe geht, legt er sogar noch eine Schippe nach: "Wenn Ihnen das nicht gefällt, starten sie doch eine Online-Petition", ätzt er. Der Punkt geht an Lanz.

Atze Schröder: Stippvisite oder Dauercamper?

Zwar war Comedian Atze Schröder als Gast angekündigt – der Maulheld und Minipli-Träger sprang dem Moderator aber so oft helfend und kalauernd zur Seite, dass man mutmaßen darf: Hier baut das ZDF en passant eine neue Assistentenstelle auf. Schröder sabbelte fast so viel wie Lanz. Den meisten Applaus heimste er auch noch ein: Gemeinsam mit 100 mühsam zusammen geklaubten Bauarbeitern aus Karlsruhe turnte er bei der Stadtwette zum 70er-Jahre-Klassiker "YMCA" von den Village People herum: in Lederkluft und mit monströsem Pornobalken. Das hätte auch Cindy aus Marzahn gefallen.

Peter Maffay: Springsteen oder Silbermond?

Niemand war so oft bei "Wetten, dass..?" zu Gast wie Peter Maffay: Bereits zum 18. Mal pflanzte sich der Sänger heuer auf die Sofalandschaft. Dieses Mal gab er vorher einen neuen Song namens "Halleluja" zum Besten. Bei den Schnulzenrockern von Silbermond dürften laut die Sektkorken geknallt haben. Ähnlichkeiten sind natürlich rein zufällig. Liam Neeson, einziger internationale Star, nutzte die Zeit für eine Frage an seine Sitznachbarn. Mit welchem amerikanischen Sänger man denn diesen Maffay vergleichen könne? Antwort Assistent in spe Atze Schröder: "Bruce Springsteen!". Hier wäre ein "Halleluja" angemessen gewesen. Lanz versucht sich überflüssigerweise noch als Clown: "Maffay sieht aber besser aus." Neeson hat leider keine Zeit mehr, weiter ins Thema einzusteigen. Sein Flieger nach Paris wartet schon. Da hat jemand zuvor mit Tom Hanks und Gerard Butler gesprochen.

Der Bergdoktor: Gelber Schein oder Zähne zusammenbeißen?

Gegen die akute Laberitis des ZDF-Bergdoktors alias Hans Sigl hätte man gern ein Rezept zur Hand gehabt. Dessen Redefluss fand auch dann kein Ende, als Sigl seine Wettschuld begleichen musste. Die bestand darin, mit Peter Maffay "Über sieben Brücken musst du gehn" zu singen. Der Doktor eierte ellenlang herum. Lanz unverhofft geradlinig: "Laber nicht, sing!" Zur Überraschung der Zuschauer konnte der Bergdoktor dann aber richtig singen. Sogar der mundfaule Fußballer Max Kruse stimmte nuschelnderweise ein – eindeutiger Stimmungshöhepunkt des Abends.

Wettkandidaten: Mensch oder Maschine?

Dem Kandidaten, der Pfandflaschen aus sicherer Entfernung in den Automaten werfen wollte, fehlte es an Zielwasser. Die Frau, die auf Stecknadeln starrte, gewann ob ihres Erinnerungsvermögens Sympathien, aber nicht die Show. Ein kleiner Junge erkannte Fußballer allein an ihren Frisuren. Und ein junger Kerl holte sich den Titel als Wettkönig, weil er auf einem Bein Leitern hoch hüpfte und oben angekommen Glühbirnen in die Decke schraubte. Am spektakulärsten geriet aber die Außenwette: Weil einer mit seinem Auto eine Skipiste schneller hochfahren wollte als der ehemalige Ski-Weltmeister und Olympiasieger Hermann Maier hinunter. Kino-Darling Matthias Schweighöfer co-moderierte die Wette als sei er Kermit der Frosch auf Speed: "Hast Du überhaupt einen Führerschein? Hast Du Anfahren am Berg geübt?" Hatte der Kandidat alles. Am Ende aber siegte knapp: der Mensch.

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo