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TV-Kritik zu "Günther Jauch": Zoff geht vor Inhalt

Terror als Thema - das bringt viele Zuschauer. Wusste auch Günther Jauch und diskutierte daher über Islamkrieger. Zwar ohne Ergebnis, dafür aber mit einem schreienden Imam.

Von Sophie Lübbert

Islamistischer Terror - ein Thema, das von Talkshows gerne und immer wieder behandelt wird. Kein Wunder, denn es garantiert Zoff. Vorausgesetzt, man lädt die richtigen Gäste ein. Und so nahm sich auch Günther Jauch mal wieder des Themas an: "Im Namen Allahs - was tun gegen deutsche Gotteskrieger?", wollte er wissen. Seine illustren Gäste nahmen sich den dramatisch klingenden Titel zu Herzen - und zofften sich.

Dauerstreit zwischen den Gästen

Da war der geläuterte Islamist, der aus erster Hand vom Schrecken des Jihad erzählte und so direkt am Anfang den nötigen Grusel schuf. Barino Barsoum berichtete, wie er Sinn in seinem Leben suchte und den Koran fand. Und dass speziell der Salafismus, der sich strikt an das Vorbild Mohammeds halte, nicht mit der westlichen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts kompatibel sei.

Unterstützung bekam Barsoum vom CDU-Mann Wolfgang Bosbach. Der Politiker brillierte in der Rolle des beliebten Mannes aus dem Volke, der endlich ausspricht, was die anderen sich nicht trauen. Er berichtete von einer islamischen Parallel-Justiz, die sich etabliert habe und nicht nach deutschen Gesetzbüchern, sondern nach der Scharia entscheide. Von den 4,2 Millionen Muslimen in Deutschland seien die meisten friedlich - bei den anderen sei aber eine starke Radikalisierung zu beobachten.

Die Journalistin Güner Balci stimmte zu. Sie berichtete von Jugendlichen, die in der Moschee falsche Werte lernten und sich dann völlig von der Gesellschaft abgrenzten. "Das geht an die Substanz der Demokratie", warnte sie. Der Rest des Abends ging aber vermutlich eher ihr an die Substanz - denn sie verbrachte ihn im Dauerstreit mit einem anderen Gast.

Perfekt für die Dramaturgie der Sendung, schlecht für Balci: Ihr direkt gegenüber saß Ferid Heider. Heider, ein Imam aus Berlin, war als Provokateur der Runde vorgesehen. Und er machte dieser Rolle alle Ehre. Statt in Ruhe zu argumentieren, sprang er wütend auf jeden Vorwurf an. Verständlich, aber schade. Denn während er sich in vielen Details verlor ("Meine Tochter geht zum Schwimmunterricht"), gingen die wirklich wichtigen und guten Punkte ("Muslime haben auch Angst vor Terrorismus. Das ist eine Problematik aller, die ein freies Leben führen wollen") unter.

Lautstark auf arabisch aus dem Koran zitiert

Und bald war sowieso alles zu spät: Heider und Balci schaukelten sich immer weiter hoch, bis sie sich praktisch anschrien. Als sich dann auch noch Aussteiger Barsoum einmischte und lautstark auf arabisch aus dem Koran zitierte, lief die ganze Diskussion endgültig aus dem Ruder. Auch die sehr vernünftigen Einwürfe des Journalisten Yassin Musharbash ("Ein realistischer Bezugsrahmen ist wichtig. Die meisten Muslime beschäftigen sich nicht jeden Abend mit der Koran-Auslegung") konnten da nichts mehr retten. Es war ja auch längst kein Gespräch über "deutsche Gotteskrieger" mehr. Sondern eine grundlegende Debatte über Integration.

Die mag nötig sein, ganz bestimmt sogar. Es gibt ja offensichtlich einigen Gesprächsbedarf und viele Probleme, die zu klären sind. Doch bitte nicht so.