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TV-Tipp «Auf dünnem Eis»: Ein Obdachloser stößt ins Leben einer Frau

«Auf dünnem Eis»
Lore Henning (Rike Eckermann, r) will schon die Türe schließen, aber auf Bitten von Ira (Julia Koschitz) nimmt sie sich Zeit für Konrad (Carlo Ljubek). Foto: Stephanie Kulbach/ZDF/dpa
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Ein Unfall verbindet Konrad und Ira. Das Leben des Wohnungslosen und das Leben der Köchin mit Kind scheinen ganz unterschiedlich. Aber wie sicher ist die eigene bürgerliche Existenz?

Viele Menschen blenden Obdachlose im Alltag lieber aus. Zu groß vielleicht die eigenen Sorgen, die Hilflosigkeit, der Wunsch nach einer heilen Welt oder das Gefühl einer unterschwelligen Bedrohung.

Im Sozialdrama «Auf dünnem Eis», das das ZDF an diesem Montag (20.9.) ab 20.15 Uhr zeigt, kann die Hauptfigur Ira nicht mehr die Augen verschließen: In einer Berliner Tiefgarage fährt sie Konrad an, der hier in der kalten Nacht mit seinem Hund etwas Schutz gefunden hat. Sie bringt den Verletzten ins Krankenhaus und bekommt mit, wie schwierig selbst eine notwendige Behandlung sein kann, wenn man keine bürgerliche Existenz mit Personalausweis und Versichertenkarte hat.

Konrad (Carlo Ljubek) sucht bei Ira (Julia Koschitz) künftig Hilfe. Sie empfindet den Mann als Eindringling - ihr Leben scheint doch schon kompliziert genug. Ihr Mann Bernhard hat sie für eine andere verlassen, der Job als Köchin mit den nächtlichen Arbeitszeiten ist fordernd, und sie will ihrem neunjährigen Sohn Lukas gerecht werden.

Aber sie erlebt auch, wie ablehnend viele Menschen auf Konrad reagieren. Im Treppenhaus schimpfen die Nachbarn, es stinke, seit «der Penner» dort sei. Und gleichzeitig zeichnet sich ab, wie brüchig die Sicherheit des bürgerlichen Lebens sein kann - da sucht etwa die betagte Mutter nach einer neuen Wohnung, bei den steigenden Mietpreisen in Berlin und dem knappen Angebot kein leichtes Unterfangen. Und Arbeitsplätze sind nicht unbedingt sicher.

Sorgenlos ist niemand in diesem intensiven Film nach einem Drehbuch von Silke Zertz, bei dem Sabine Bernardi Regie führte. Inspiration war eine Begegnung, die die Produzentin Beatrice Kramm vor Jahren hatte. Ein Mann habe einige Wochen auf ihrem Stellplatz an einem geschützten Ort gelebt, sagt sie. «Wir haben vergeblich versucht, mit ihm in Kontakt zu treten und ihm Hilfe angeboten – er wollte in Ruhe gelassen werden.» Bei minus 15 Grad sei er gestorben, «bis heute wissen wir nichts von ihm», sagt sie. «Mit diesem Film möchte ich ihm eine Geschichte geben.»

Wie viele Menschen in Deutschland obdachlos sind, ist unklar. Bei der ersten Obdachlosenzählung in Berlin im Januar 2020 wurden dort etwa 2000 Obdachlose registriert - die tatsächliche Zahl dürfte nach Einschätzung der Berliner Stadtmission sehr viel höher sein. Bundesweit wurde die Zahl vor drei Jahren auf fast 700.000 Menschen geschätzt. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor.

dpa

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