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TV-Tipp: Der gute Bulle: Friss oder stirb

Korruption bei der Polizei, Drogenkrieg auf der Straße. Lars Becker hat einen starken Thriller inszeniert, in dem er sich blind auf seinen robusten Hauptdarsteller Armin Rohde verlassen kann. Stark agieren auch die Frauen in dieser Machowelt.

Der gute Bulle: Friss oder stirb

Armin Rohde (3.v.r.) als Fredo Schulz mit Kollegen im Einsatz. Foto: Nik Konietzny/ZDF

Es könnte besser laufen für den Berliner Drogenfahnder Fredo Schulz (Armin Rohde). Ein verdeckter Ermittler aus seinem Team wurde kaltblütig ermordet, und in den Reihen der Polizei scheint es einen Informanten zu geben, der mit den Unterweltbossen zusammenarbeitet. Auch privat steht der cholerische Schulz auf der Kippe, seit er seine Frau bei einem Unfall verloren hat. Immerhin ist der Ex-Alkoholiker seit längerem trocken. Aber wieso hat er dann noch eine Flasche Schnaps in seiner Schreibtischschublade versteckt?

In dem stark besetzten, schnörkellosen Polizeifilm «Der gute Bulle: Friss oder stirb», der am Freitag (26. April) um 20.15 Uhr bei Arte zu sehen ist, läuft Armin Rohde in der Regie von Lars Becker («Nachtschicht») wieder zu Hochform auf. Der erste Film der Reihe vor zwei Jahren kam beim TV-Publikum mit 6,20 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 19,7 Prozent bereits bestens an.

Regisseur und Drehbuchautor Becker schreibt die Geschichte vom «guten Bullen» konsequent weiter. In diesem Asphaltdrama, das nicht für zartbesaitete Zuschauer geeignet ist, finden sich weder launige Sprüche noch putziges Lokalkolorit. Berlin funkelt hier weder cool noch sexy. Keine Spur von Party-Metropole. Stattdessen sitzen die großmäuligen Gangster in schäbigen Shisha-Bars herum, die Frauen erledigen zuhause die Arbeit, und auf der Straße herrscht das Recht des Stärkeren.

Aus diesem Milieu stammt die junge Kleindealerin Dakota (Almila Bagriacik, die Neue aus dem Kieler «Tatort»). Sie soll als verdeckte Ermittlerin Beweise gegen den Drogenboss Musah (Muratahn Muslu) sammeln. Dafür kommt sie früher aus dem Knast. Aber Dakota müsste sich eigentlich um ihre kleine, hochbegabte Tochter kümmern, die schon meisterhaft Geige spielen kann. Deren Vater, der unberechenbare Junkie und Kleinkriminelle Pablo (Vincent Krüger), macht den beiden aber noch gehörig Stress. Dakota will raus aus dem ganzen Schlamassel. Sie hatte eine Romanze mit einem von Fredos Kollegen, dem jungen Ermittler Milan (Edin Hasanovic). Aber eine gute Zukunft für die beiden scheint in dieser brutalen Welt nicht in Sicht zu sein. Oder geschieht doch noch das Wunder von Neukölln?

Die Schauspieler überzeugen in diesem packenden Drama bis in die Nebenrollen hinein: Routinier Rohde lässt tief in die Abgründe eines verwundeten Polizistenherzes blicken. Wie ein begossener Pudel schleicht er nach Feierabend zu den Anonymen Alkoholikern, wo ihn die knallharte Therapeutin (Nina Kunzendorf) gnadenlos auflaufen lässt. Aber Fredo bekommt seine Dämonen in den Griff, anders als sein Kollege Milan, der von seiner unglücklichen Liebe nicht lassen will.

Die Stärke dieses Polizeidramas liegt nicht in der Tätersuche, sondern in den überzeugenden Charakteren, mit denen der Zuschauer mitfühlen kann. Und hier sind es besonders die Frauen, die sich wohltuend vom oft machohaften Gehabe der Typen abheben. Die beeindruckende Newcomerin Bagriacik («Die Fremde»; «4 Blocks») als junge Mutter sucht verzweifelt nach einem Ausweg aus dem Drogensumpf, fast noch stärker wirkt ihre Mutter, die regelmäßig die Junkies aus der Wohnung schmeißt. Selbst die Frau vom großmäuligen Drogenboss hat die Faxen längst satt. Und der große Lichtblick in diesem düsteren Thriller ist dann die kleine Tochter, die so betörend schön Geige spielen kann. Das ist dann vielleicht das Wunder, auf das alle hier so sehnsüchtig warten.

dpa