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Der gute Bulle

Berlin - Grau liegt das unendlich große Meer da, bleiern diesig wölbt sich darüber der Himmel. Ein ungepflegter älterer Mann läuft wie unter Zwang im Wasser umher, breitet seine Arme aus und ruft mit brüchiger Stimme: «Hol mich doch, du Scheiß-Flut!». Und nimmt einen Schluck aus dem Flachmann.

Der gute Bulle

Noch steht Fredo Schulz (Armin Rohde) das Wasser nicht bis zum Hals. Foto: Stephanie Kulbach/ZDF

Grau liegt das unendlich große Meer da, bleiern diesig wölbt sich darüber der Himmel. Ein ungepflegter älterer Mann läuft wie unter im Wasser umher, breitet seine Arme aus und ruft mit brüchiger Stimme: «Hol mich doch, du Scheiß-Flut!». Und nimmt einen Schluck aus dem Flachmann.

Ausgerechnet auf den kaputten, den Tod suchenden Mann - ihren Ex-Chef - warten am Ufer zwei Polizisten aus und sagen: «Sie werden gebraucht, Herr Schulz.» Der suspendierte Ermittler (Armin Rohde, «Ein Schnitzel für alle») soll wieder ran, weil vor einer Eisdiele ein Kind entführt wurde. Bereits das dritte. Das ZDF zeigt «Der gute Bulle» am Montag (25. September) um 20.15 Uhr.

Lars Becker hat einmal mehr zugeschlagen. Der renommierte Autor und Filmemacher (63, «Kalte Sonne», «Unter Feinden») legt unter dem Titel «Der gute » einen neuen atmosphärisch starken, in seinen Alltagsdetails gut beobachteten und prominent besetzten, wenngleich nicht immer ganz stimmigen Krimi vor. Nachdem die Produktion von Network Movie im Auftrag des ZDF im Sommer auf dem Filmfest München Weltpremiere hatte, läuft sie im Zweiten als «Fernsehfilm der Woche». Und gibt Gelegenheit, ein furioses Duell zweier großer TV-Stars zu erleben.

Denn Rohde bekommt es als Kriminalrat Fredo Schulz mit Axel Prahl zu tun, der sonst beim beliebten Münsteraner «Tatort» auf der richtigen Seite des Gesetzes steht. Prahls Roland Bischoff ist der Erzfeind von Schulz, der ihn bereits bei den ersten beiden Fällen verdächtigt hat, ihm aber nichts nachweisen konnte. Dafür hat Schulz sich vergessen und dem arroganten, gern zynisch grinsenden Mann eine runtergehauen. Weshalb er vom Dienst suspendiert wurde. Die in Berlin-Kreuzberg lebende Mutter Bischoffs wird übrigens von der einstigen «Schwarzwaldklinik»-Matriarchin Gaby Dohm verkörpert. Hier nun schaut sie verhärmt aus und chauffiert ihren Sohn mal eben ins Pornokino.

Es ist eine Geschichte voller unerwarteter Wendungen, die Fahrt aufnimmt, als der eigentlich trockene Alkoholiker Schulz seinen Aussteiger-Wohnwagen am Strand verlässt und in die Hauptstadt zurückkehrt. Zunächst sieht es für den alten Polizeifuchs, dessen Vorgesetzten (Johann von Bülow) und Kollegen (Edin Hasanovic, Nele Kiper) wieder nach sexuell motivierter Kindesentführung aus. Unter der die alleinerziehende (Melika Foroutan) des kleinen Mädchens und wohl auch dessen vorbestrafter Barkeeper-Vater (Max Simonischek) verzweifelt leiden.

Doch um die Mitte des Films macht der Autor/Regisseur Becker den Zuschauer zum Mitwisser und zeigt, dass es sich um eine Millionenerpressung handelt - die den obercoolen Unternehmer Felix Montabaur (Thomas Heinze) treffen soll.

Und dann stellt stellt sich auch noch heraus, dass der von der Polizei verdächtigte Bischoff die Entführung vor einer Eisdiele beobachtet hat. Um seine Unschuld zu beweisen, mischt der sich tatkräftig in die Ermittlungen ein. Gerade dabei wirkt das Drehbuch aber nicht völlig überzeugend: Zum einen lässt es einen schlimmen Finger, der mal wieder eine Tat plant, zum Zeugen anderer bei einem zunächst gleichen Verbrechen werden. Und zum anderen lässt es Bischoff an einen furchtbaren Ort in den Grunewald laufen - ohne dass er die Ordnungshüter bemerkt, die ihm in Sichtweite folgen.

Trotzdem ist die Geschichte packend. Und überzeugt an anderen Stellen auch dank großartiger schauspielerischer Leistungen umso mehr. Etwa wenn sich Schulz, der vor Jahren seine Familie bei einem Unglück verloren hat, und die Kindesmutter sich einen Moment lang ganz nahe fühlen.

dpa

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