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TV-Tipp FameMaker

Stefan Raab
Ideengeber Stefan Raab wird nicht selbst unter der Kuppel singen. Foto: Matthias Balk/dpa
© dpa-infocom GmbH
Stefan Raab hat sich vor Jahren als Moderator aus dem Fernsehen zurückgezogen, aber nicht aus dem Fernseh-Geschäft. Nun bringt er als Ideengeber eine eigenwillige Musik-Show ins TV-Programm, in der ein mehr als drei Tonnen schweres Ungetüm eine zentrale Rolle spielt.

Isolation ist ein großes Thema in Corona-Zeiten. Insofern ist die ProSieben-Show «FameMaker» eigentlich die Idee der Stunde: Die Kandidaten treten unter einer gigantischen Glaskuppel auf. Ein Mensch im Goldfischglas - ein fast ikonisches Bild in Pandemie-Zeiten.

In «FameMaker» aber geht es nicht um Viren, sondern - wie so oft, wenn Stefan Raab (53) seine Finger im Spiel hat - um Musik und Wettbewerb. Denn die Show, die an diesem Donnerstag (17. September, 20.15 Uhr) startet, stammt aus dem Kopf des «Raabinators», wie ProSieben immer wieder offensiv betont.

Die Idee: Unter der Glaskuppel sind die Kandidaten zwar zu sehen, aber nicht zu hören. Dann singen sie ein Lied - und eine Jury muss nur anhand des optischen Eindrucks entscheiden, ob es eine Runde weiter geht oder nicht. Das Prinzip der erfolgreichen Castingshow «The Voice of Germany», bei der zunächst nur die Stimme zählt, wird sozusagen komplett umgekehrt.

Das Konzept hat seinen Reiz, weil es mit Vorurteilen spielt, die jeder in sich trägt. Bei der Jury, die aus den Comedians Carolin Kebekus, Luke Mockridge und Teddy Teclebrhan besteht, ist das nicht anders. Hebt sich dann die Kuppel, entpuppt sich der vermeintliche Parade-Sänger als fürchterlicher Krächzer, der nur so vor sich hin knödelt. Und der zunächst belächelte Barde wird tatsächlich zum epochalen Sänger mit Joe-Cocker-Timbre. Das Show-Geschäft, dem immer Oberflächlichkeit unterstellt wird, zelebriert genau diese.

Nicht weniger Reiz zieht die Show aus dem Namen Raab. Der 53-Jährige, der sich vor Jahren als Moderator vom Bildschirm zurückgezogen hat, wird bis heute bei vielen Zuschauern geradezu vergöttert. Bei jeder neuen Show, die er ins TV bringt, wird daher spekuliert: Beehrt uns «König Lustig» zumindest kurz mit seiner Anwesenheit?

ProSieben-Chef Daniel Rosemann tritt da erstmal auf die Bremse. «Ich glaube, ich kann vorweg nehmen: Er wird nicht unter der Kuppel auftreten. In keiner der Sendungen.» Aber: Raab sei bei den Dreharbeiten dabei gewesen. Komiker Luke Mockridge berichtet dazu belustigt, wie Raab ihm bei den Aufzeichnungen aus dem Hintergrund über einen Knopf im Ohr im Minutentakt «irgendwelche schlechten Gags» zugeflüstert habe.

Der «Raabinator»: Er wird bei «FameMaker» dabei sein, aber irgendwie auch nicht. Seiner Idealisierung als Retter des Fernsehens kann das eigentlich nur weiter zuträglich sein. Zumal mancher Zuschauer bei «FameMaker» schauen wird, wie sich die Show von «I can see your voice» vom Konkurrenten RTL abheben kann. Auch dort geht es im Grunde nämlich darum, begabte Sänger von Hochstaplern zu trennen.

Dass die ikonische Kuppel so ihre Tücken haben kann, zeigte sich bei den Aufzeichnungen. Bei der ersten hakte das mehr als drei Tonnen schwere Glas-Gestell, wie ProSieben erklärte. Alle Kandidaten, die an diesem Tag nicht mehr auftreten konnten, kamen dann an anderen Tagen zum Zuge. Die technischen Probleme seien behoben worden.

Das Finale soll als Live-Show ausgestrahlt werden - bereits am 1. Oktober. ProSieben spendiert der Show eine schnelle Taktung als sogenannte Sonderprogrammierung. Moderiert wird sie von Eurovision-Song-Contest-Gewinner Tom Neuwirth (31), den man lange Zeit nur als Dragqueen mit dem Künstlernamen Conchita Wurst kannte.

Im deutschen TV steht er jetzt erstmals als Tom auf der Bühne. Er hat auch die Kuppel ausprobiert: «Man hört sich selbst relativ gut. Das hat mich ein bisschen an die Dusche erinnert. Und wenn ich unter der Dusche singe, finde ich, singe ich am allerbesten.»

Neuwirth alias Wurst hat allerdings schon, was «FameMaker» noch schaffen soll: Berühmtheit, also «Fame». Das ist tatsächlich der Preis. Wie weit man es damit bringen kann, zeigt Stefan Raab.

dpa

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