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TV-Tipp: Katar: Millionen für Europas Islam

Welche Verbindungen gibt es zwischen der NGO «Qatar Charity», der Muslimbruderschaft und religiösen Projekten in Europa? Zwei Journalisten versuchen das in einem Dokumentarfilm herauszufinden, nachdem ein Whistleblower ihnen einen USB-Stick zugespielt hat.

Katar: Millionen für Europas Islam

Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, Staatsoberhaupt des Emirats Katar. Foto: Flach Films/ARTE France

Die Muslimbruderschaft ist eine sunnitisch-islamistische Bewegung im Nahen Osten. Sie hat sich seit ihrer Gründung 1928 von Ägypten aus in andere Länder der Region verbreitet und dabei schrittweise an Einfluss gewonnen. Vordergründig geht es ihr darum, die Gesellschaft nach religiösen Vorstellungen umzugestalten. Das gleiche Ziel verfolgt die Muslimbruderschaft laut einer Arte-Dokumentation auch in Europa.

Der deutsch-französische Sender zeigt die Doku am Dienstag (24. September, 20.15 Uhr). «Katar: Millionen für Europas Islam» ist ein investigativer Film, der die Arbeit von Qatar Charity, einer der größten Nichtregierungsorganisationen (NGOs) der Golfstaaten, beleuchtet und herauszufinden versucht, inwiefern sie von der Muslimbruderschaft instrumentalisiert wird.

Die Recherchen beginnen damit, dass ein Whistleblower den beiden französischen Journalisten Georges Malbrunot und Christian Chesnot einen USB-Stick mit brisanten Informationen zuspielt. Was sie darauf finden, sind Spenderlisten, E-Mail-Korrespondenzen, Banküberweisungen und andere Unterlagen, die auf ein Missionierungs- und Finanzierungsprogramm zur Stärkung des politischen Islams in Europa hindeuten.

Es umfasst 140 Projekte wie den Bau von Moscheen oder die Errichtung von Kulturzentren und Schulen. Sie alle sollen in Zusammenhang mit der Muslimbruderschaft stehen. Um dem nachzugehen, reisen Malbrunot und Chesnot rund um den Globus und befragen teilweise mit versteckter Kamera Personen, die in das Netzwerk aus Institutionen, Geldgebern, Politikern und Geistlichen eingebunden sind.

Der Dialog ist nicht immer einfach. Zum Teil verweigern die Verantwortlichen Kommentare oder geben vor, von religiösen Aktivitäten im Westen keine Kenntnis zu haben. Ob sie selber der Muslimbruderschaft angehören, beantworten viele auf gleiche Weise: Alle Muslime seien so etwas wie Muslimbrüder.

Während die Interviewten in die Kamera sprechen, sind Malbrunot und Chesnot fast nie im Bild zu sehen. Ihre Fragen stellen sie aus dem Off. Zwei Jahre haben die beiden Journalisten recherchiert und dabei Material gesammelt, um die Aussagen der Akteure im Umkreis von Qatar Charity zu überprüfen - und einiges zu finden, was ihnen widerspricht.

In dem Film ordnen sie die Ereignisse in historischen Exkursen ein, verwenden Archivaufnahmen, besuchen Pressekonferenzen und sprechen mit Fachleuten und Mitarbeitern des französischen Nachrichtendienstes. Auf diese Weise entsteht aus vielen Einzelinformationen ein detailreiches Gesamtbild. «Katar: Millionen für Europas Islam» ist allerdings keine Dokumentation für einen entspannten Fernsehabend, sondern richtet sich an interessierte Zuschauer, die die nötige Konzentration mitbringen.

dpa