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TV-Tipp: München Mord: Die ganze Stadt ein Depp

«Ozapft is» heißt es jetzt in München, und pünktlich dazu serviert das ZDF einen passenden Krimi im Fernsehen.

München Mord: Die ganze Stadt ein Depp

Angelika Flierl (Bernadette Heerwagen, l-r), Ludwig Schaller (Alexander Held), Zangel (Christoph S, Harald Neuhauser (Marcus Mittermeier) sowie am Boden liegend das Mordopfer Josef Kleint (Nikolaus Paryla). Foto: am Tatort. Fotop: Jürgen Olczyk/ZDF

In ist wieder Oktoberfest. Das spielt auch eine gewisse Rolle im siebten Fall aus der Krimireihe «München Mord» mit dem Titel «Die ganze Stadt ein Depp». Der Film wird an diesem Samstag (20.15 Uhr) im ZDF gezeigt.

Kriminaloberrat Zangel ( ) hat ausnahmsweise mal gute Laune, hat er doch eine nette Bekanntschaft gemacht, die praktischerweise in seinem Haus wohnt.

Doch zum Glas Champagner mit der Dame kommt es nicht, denn er hört ein merkwürdiges Geräusch - und findet seinen Nachbarn tot in dessen Wohnung auf. Der vereinsamte Rentner, Josef Kleint (Nikolaus Paryla), wurde erschlagen. Ein wertvolles Gemälde, das an einer Wand im Wohnzimmer hing, fehlt. Zangels Team fährt sogleich zum ehemaligen Arbeitsplatz des getöteten Ex-Hausmeisters, der Musikhochschule München. Die drei Kommissare - (Bernadette Heerwagen), Harald Neuhauser (Marcus Mittermeier) und Ludwig Schaller (Alexander Held) - bekommen es dort mit dem jetzigen Hausmeister zu tun, Uli Schmidbauer (Martin Feifel).

In den Untergeschossen der Hochschule, gleich neben dem Königsplatz, befand sich einst der «Führerbau» samt gehorteter Beutekunst. Die ebenso ehrgeizige wie skrupellose Studentin Stella Bast (Judith Neumann) kommt Schmidbauer bei krummen Geschäften mit angeblich echten Nazi-Devotionalien auf die Schliche. Es geht vor allem um ein Bild von Paul Klee, einem wertvollen Stück Beutekunst, und den schwungvollen Handel mit Schmuck und Kunst von zumeist jüdischen Mitbürgern. Und es geht auch um die immer noch schwierige Bewältigung der Nazizeit und den damaligen Verbrechen in der Stadt München.

Regisseur Sascha Bigler (50, «Die Muse des Mörders», mit seiner Mutter Christiane Hörbiger, läuft am 8.10. im ZDF) bekommt den Spagat zwischen bierseligem Spaß und tiefbrauner Vergangenheit ganz gut hin - abgesehen von so manch unnötiger Nebenhandlung. Ausgesprochen hübsch sind die Seitenhiebe auf das Oktoberfest, das ja bekanntlich immer Mitte September beginnt. So meint der Herr Zangel, dass die Wiesn das ist, was früher der Fasching war - weshalb sich nunmehr fast alle Besucher verkleiden und mehr oder weniger zum Deppen machen. Und der Münchner ist dann angeblich genauso, «wie er immer gern wäre, wenn er sich's den Rest des Jahres über halt trauen würde».

Wohl gemerkt: Traditionstrachten hat es auf dem Fest schon immer gegeben, aber insbesondere das Dirndl wird dort erst seit den 70er Jahren getragen. Bei Frau Flierl, die schon länger nach einem Mannsbild sucht, sieht es schon ganz gut aus - auch wenn sie nur mit Mühe hineinkommt in ihr Dirndl. Auch der Herr Zangel schaut fesch aus in seinen Lederhosen, während ihr Kollege Neuhauser es mit einer hartnäckigen Damenbekanntschaft aus dem Festzelt zu tun bekommt, die angeblich überall Suchzettel nach ihm aushängt. Allein Kommissar Schaller sieht so aus wie immer in seinem Regenmantel. Zumindest bis kurz vor Schluss.

dpa