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Tv-Tipp: Ostfriesisch für Anfänger

Dieter Hallervorden tummelt sich für die Komödie «Ostfriesisch für Anfänger» ganz im Nordwesten der Republik. Dort sorgt der Komiker als Deutschlehrer für Ausländer in einem kleinen Dorf für Aufsehen.

Ostfriesisch für Anfänger

Uwe Hinrichs (Dieter Hallervorden) in einer Szene der Komödie «Ostfriesisch für Anfänger». Foto: Roland Puknak

Dieter Hallervordens Karriere hat in den vergangenen Jahren noch einmal richtig Fahrt aufgenommen. Abgesehen von seinem Theaterengagement in Berlin hat er in prominenten Filmen wie «Honig im Kopf» oder «Sein letztes Rennen» mitgewirkt.

Gegenwärtig dreht er fürs ZDF die bittere Komödie «Mein Freund, das Ekel». Vor zwei Jahren kam der Film «Ostfriesisch für Anfänger» in die Kinos, in dem der heute 83-Jährige einen Sprachlehrer für Ausländer spielt - wider Willen natürlich zunächst. Die Komödie ist an diesem Donnerstag (22.50 Uhr) erstmals im Free TV, und zwar im NDR Fernsehen, zu sehen.

In dem ostfriesischen Dorf Niederhörn hält plötzlich ein Kleinbus voller ausländischer Fachkräfte. Die kleine Truppe traut vor dem verfallenden Hof kaum ihren Augen. Hier sollen sie also zwei Monate Deutsch lernen, um in Deutschland arbeiten zu dürfen? Dem Bürgermeister, dessen Dorf pleite ist und der sich mit dem lukrativen Auftrag sanieren möchte, scheint es jedenfalls ernst zu sein: «Welcome. Moin, hier in Ostfriesland», begrüßt er die Gäste. «Das Meer ist ganz nah - wenn nicht gerade Ebbe ist!»

Doch der Bürgermeister hat in «Ostfriesisch für Anfänger» die Rechnung ohne Uwe Hinrichs, Schiffsbauer im Ruhestand, gemacht. Der einsame Eigenbrötler, der konsequent platt spricht und sich als den letzten «echten Ostfriesen» bezeichnet, denkt nämlich nicht im Traum daran, sein gepfändetes Haus, wo er einst so viele glückliche Stunden mit seiner Elfriede verbracht hat, kampflos aufzugeben. Das ist der Start für eine turbulente Integrationskomödie mit Tiefgang. Denn Uwe Hinrichs (Dieter Hallervorden) muss zur Strafe die «Utländer» unterrichten - mit ungeahnten Folgen für beide Seiten.

Dem Hamburger Regisseur Gregory Kirchhoff und Drehbuchautor Sönke Andresen ist mit «Ostfriesisch für Anfänger» eine humorvolle und zugleich berührende Geschichte über das schwierige Thema Integration gelungen. Der Film, im November 2015 in der Nähe von Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein gedreht, nimmt die Sorgen und Nöte der Einheimischen («Hier gibt es keine Arbeit») ebenso ernst wie die Beweggründe der Ausländer, nach Deutschland zu kommen. Und räumt nebenbei mit Vorurteilen auf: So kann Abdullelah, gespielt von David A. Hamade, aus dem Libanon nicht nur schneller Krabben pulen als Uwe, sondern ist auch Schiffsingenieur und baut ihm sein Buddelschiff zu Ende, mit dem er sogar noch einen Preis gewinnt.

Mit wallender weißer Mähne, Nickelbrille, Seemannsmütze und Fischerhemd zeigt Hallervorden seine ganze schauspielerische Kunst, wenn er sich vom bitter enttäuschten einsamen Witwer zum strahlenden Helden für die fünf Ausländer entwickelt. Victoria Trauttmansdorff gibt eine etwas überdrehte Vroni, Holger Stockhaus einen ihr verfallenen Bürgermeister, Philippe Graber den betont sachlichen Kollegen und Brigitte Janner die stets gutmenschelnde Pastorin.

Clou der Geschichte ist neben den Darstellern aber das Plattdeutsche. Dadurch, dass Uwe konsequent nur Platt redet, was ja nicht alle verstehen, fühlen sich die Zuschauer selbst ein wenig wie Ausländer, die eine neue Sprache erlernen müssen («Wo geiht di dat? für «Wie geht es dir?»). «Dass ich die Rolle übernommen habe, ist mein kleiner Beitrag zur Bewahrung der plattdeutschen Sprache», sagte Hallervorden, der während der Dreharbeiten einen Dialekt-Coach an seiner Seite hatte. Er hofft, dass die Komödie einen kleinen Beitrag zur Integration leisten kann: «Unser Thema ist ja, dass man sich mit Flüchtlingen, auch wenn ich mich zu Anfang so schroff gegen sie stelle und mit Vorurteilen überlastet bin, dass man sich irgendwann doch in respektvoller Verneigung miteinander versteht.»

dpa