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TV-Tipp: Polizeiruf 110: Heimatliebe

Vom deutsch-polnischen Kommissar-Duo Lenski-Raczek ist der Zuschauer manches gewohnt. Bei den Ermittlungen stoßen beide immer wieder an ihre Grenzen. Auch im neuen Sonntagskrimi brauchen sie starke Nerven.

Polizeiruf 110: Heimatliebe

Maria Simon und Lucas Gregorowicz stellen «Polizeiruf 110: Heimatliebe» in Berlin vor. Foto: Annette Riedl

Wer Fan von düsteren skandinavischen Krimis ist, bekommt im neuen «Polizeiruf 110» die perfekten Bilder.

Stockfinstere Nacht an der Oder, brüllende Tiere, die in einem Stall verbrennen, ein abgetrennter Finger auf einem Feldweg: Gleich zu Beginn der Episode «Heimatliebe» (Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten) wird dem Zuschauer so einiges abgefordert.

Der polnische Landwirt Wojciech Sekula (Grzegorz Stosz) lebt mit seinem Sohn Tomasz (Joshio Marlon) und seiner deutschen Frau Jenny (Anna König) auf einem Bauernhof in der Ortschaft Zimowe Pole nahe der Oder. Jenny ist unglücklich dort. Sie möchte zurück in ihre Heimat. Dann passieren aufeinander folgend grausige Dinge. Eines Nachts werden alle Kühe des Familienbetriebs brutal getötet. Kinder finden einen abgetrennten Finger. Kurz darauf stirbt Wojciech nach einem erneuten Überfall auf seinen Hof.

Unter Verdacht gerät der ältere Bruder des Toten, Andrzej Sekula (Marcin Pietowski). Er wurde einst vom Vater als Hofbesitzer enterbt. Unklar ist auch die Rolle von Bürgermeister Roland von Seedow-Winterfeld (Hanns Zischler). Wie sich zeigt, ist er ein alter Bekannter von Kommissarin Olga Lenski. Lenski (Maria Simon) und ihre Partner Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) geraten bei ihren Ermittlungen ein ums andere Mal in eine Sackgasse.

Die Bedrohungslage wird langsam aufgebaut. Die dunkle Stimmung in den Bildern wechselt sich ab mit einem zunehmend schrofferen Ton der beiden Ermittler. Die anhaltende Aggressivität zwischen Lenski und Raczek ist geradezu fühlbar. Sie arbeiten anfänglich mehr gegen- als miteinander. Ihr gehen die Macho-Allüren des Kollegen auf die Nerven, Raczek wiederum kann mit dem chaotischen Lebensstil seiner Kollegin nicht umgehen. Die alleinerziehende Mutter muss, um arbeiten zu können, ihre Tochter wieder einmal in der Dienststelle parken, weil bei der Kleinen der Schulunterricht ausgefallen ist. Auch die polnischen Kollegen sind der Streitereien der beiden Ermittler langsam überdrüssig.

«Heimatliebe» passt in die derzeitige politische Landschaft. In der Episode geht es auch um Nationalismus auf beiden Seiten der Oder und um dubiose Machenschaften von Deutschen, die polnische Ländereien aufkaufen. Das bringt Hass in die Dörfer.

In dem brandenburgischen «Polizeiruf 110» (rbb) ist vieles wirklichkeitsgetreu dargestellt und gut recherchiert. Deshalb wirkt der Krimi auch nicht wie aus der Retorte. Was wieder aufgeht, ist die Zweisprachigkeit - die Besonderheit dieses Teams der Krimireihe. Einige Szenen spielen in Polen, mehrere Figuren sprechen Polnisch (mit Untertiteln) - gut dosiert wird das eingestreut. Ermittler Raczek hat polnische Wurzeln und lebte als Kind einige Jahre im Nachbarland.

Es ist der bereits der siebte Krimi, in dem das deutsch-polnische Team ermittelt. Bis 2015 ermittelte der brandenburgische Dorfpolizist Krause (Horst Krause).

Maria Simon wird den «Polizeiruf 110» im kommenden Jahr verlassen. Die Schauspielerin will nach Angaben des rbb nach neun Jahren einen Schlusspunkt für sich setzen. Im Herbst 2020 soll der 17. Film mit ihr auch ihr letzter in der Reihe sein. «Was kommt, steht in den Sternen, ich weiß nur, ich muss weiterziehen, weiterlernen und Neues entdecken», hatte die gebürtige Leipzigerin nach rbb-Angaben gesagt und von einer sehr fruchtbaren Arbeit und Erfahrung in den vergangenen Jahren gesprochen. Wer Simon nachfolgt, ist offen.

dpa