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TV-Tipp: Stumme Schreie

Es gibt Situationen, da wissen Eltern nicht, wohin mit ihrer Wut und Verzweiflung. Oft müssen dafür ihre Kinder herhalten. Was die Gewalt mit den Kleinen macht, zeigt eindringlich der Film «Stumme Schreie».

Stumme Schreie

«Stumme Schreie» konfrontiert seine Zuschauer mit dem Thema Kindesmissbrauch. Foto: Britta Krehl/ZDF/dpa

Mehr als 200.000 Kinder werden jedes Jahr in Deutschland misshandelt, meistens in der eigenen Familie. Vater und Mutter sind nicht immer treu sorgende, liebevolle Begleiter der Entwicklung ihrer Kinder.

Schläge, Tritte, Verbrennungen, Schütteltraumata sind an der Tagesordnung. Die betroffenen Kinder sind oft für den Rest ihres Leben geschädigt. Mit diesen erschreckenden Fakten konfrontiert der ZDF-Fernsehfilm «Stumme Schreie» seine Zuschauer am 18. November um 20.15 Uhr. Ein einfühlsames Fernsehdrama, das wachrüttelt und auf ein Problem hinweist, das viel zu wenig thematisiert wird.

Nach Fallbeispielen aus dem Sachbuch «Deutschland misshandelt seine Kinder» von Rechtsmediziner Michael Tsokos und Saskia Guddat von der Berliner Charité hat Thorsten Näter ein erschütterndes Drehbuch entwickelt. Regisseur Johannes Fabrick inszeniert daraus einen emotionalen Fernsehfilm, der nicht auf Effekthascherei aus ist und der das schwierige Thema vielschichtig und von allen Seiten beleuchtet. «Es ist eine menschliche Verpflichtung, sich damit auseinanderzusetzen, und der wollte ich unbedingt nachkommen», sagt Fabrick im Presseheft dazu. Die anschließende Doku «Tatort Kinderzimmer» analysiert, wie man Kinder besser schützen kann.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die junge Ärztin Jana (Natalia Belitski), die ein Praktikum beim berühmten Professor Kurt Bremer (Juergen Maurer) an einem Hamburger Institut für Rechtsmedizin beginnt. Dabei wird sie statt mit spannenden Kriminalfällen mit diversen Fällen misshandelter Kinder konfrontiert. Jana, die in ihrer Kindheit selbst erleben musste, wie ihr Vater ihre Mutter geschlagen hat, nimmt das Schicksal der Kinder sehr mit. Als der Tod eines Säuglings ohne Konsequenzen bleibt, beschließt sie, sich noch stärker einzubringen und konsequent einzumischen.

«Eine Stärke des Films ist es tatsächlich, dass er versucht, das Thema so ehrlich wie möglich zu zeigen. Dass man bei aller Verständnislosigkeit auch mitfühlen kann», sagt Natalia Belitski der Deutschen Presse-Agentur. Glaubwürdig schildert der Film, wie es dazu kommen kann, dass Eltern die Kontrolle verlieren und ihre Wut an ihren Kindern auslassen. Dabei kommen alle Betroffenen zu Wort - die überforderten Eltern, die hilflosen Kinder, die Ärzte, die zwischen allen Fronten stehen, Polizeibeamte und die Mitarbeiter von Jugendamt und Sozialhilfeeinrichtungen, die die schwierige Entscheidung treffen müssen, was für die Kinder das Beste ist.

Natalia Belitski (35, «Bella Germania») spielt Jana mit sehr viel Einfühlungsvermögen. Auch die anderen Rollen sind gut besetzt, allen voran Hanna Hilsdorf als überforderte Dreifach-Mutter Nicole, die selbst auf der verzweifelten Suche nach Liebe ist und sich deshalb nicht von ihrem gewalttätigen Freund Ronnie (Julius Nitschkoff) trennen kann. Juergen Maurer gibt den erfahrenen Professor, der sich trotz der zahlreichen erschreckenden Fälle seine Menschlichkeit bewahrt hat. «Wer als Kind misshandelt wurde, misshandelt später oft selber. Das ist eine endlose Spirale der Gewalt, wenn niemand etwas tut», stellt er an einer Stelle treffend fest.

dpa