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TV-Tipp: Winterherz - Tod in einer kalten Nacht

Fahrerflucht nach einem Unfall kommt immer wieder vor. In einem TV-Drama wird erzählt, was danach geschieht - und was das mit den beteiligten Menschen macht.

Winterherz - Tod in einer kalten Nacht

Mike (Anton Spieker) und Sylvie (Laura de Boer) - was nun?. Foto: Barbara Bauriedl/ZDF/dpa

Ein 17-Jähriger wird in einer kalten Winternacht auf einer Landstraße überfahren. Der Fahrer macht sich auf und davon, der Jugendliche stirbt an inneren Verletzungen. Die Folgen des Ganzen zeigt der Film «Winterherz - Tod in einer kalten Nacht». Das ZDF strahlt ihn am Montag (2. Dezember, 20.15 Uhr) aus.

Es schneit, als der junge Finn (Jeremias Meyer) betrunken von einer Disco-Party nach Hause laufen will - und wenig später vor ein Auto torkelt und überfahren wird. Weil er unverletzt aussieht, setzt ihn der Unfallfahrer, Maxim Vollert (Franz Pätzold), an einer Bushaltestelle aus - einzig aus dem Grund, weil er ebenfalls leicht betrunken ist und weil er um seinen Job als angehender Richter in Augsburg fürchtet. Seiner Frau Sylvie (Laura de Boer) verbietet er, die Polizei zu rufen. Dann ist zu sehen, wie Sylvie am Grab von Finn steht.

Keiner ist in diesem Drama wirklich ohne Schuld, und alle wissen das - aber keiner will sie annehmen. Es geht ums Taktieren und um mehrere schlechte Gewissen, um Verantwortung, die hier von niemandem übernommen wird, und um Verdrängung eines Unfalls, dessen Folgen einfach nicht zu verdrängen sind.

Vieles steht im Raum: Mike hätte seinen kleinen Bruder Finn nicht alleine lassen dürfen. Er hat zudem dessen letzten Anruf nicht angenommen, weil er mit einer Frau im Bett war. Er ermittelt auf eigene Faust. Etwas absurd mutet an, dass er mit Sylvie ins Bett geht und schließlich - von Rachegefühlen getrieben - sogar Lynchjustiz begehen und Gleiches mit Gleichem vergelten will.

Der Film entstand nach einem Drehbuch von Susanne Schneider («Alles Verbrecher - Eiskalte Liebe») und wurde von Regisseur Johannes Fabrick («Du bist nicht allein») inszeniert. Im ZDF-Begleittext spricht er von einer «Allgemeingültigkeit des Stoffes» und sagt weiter: «Der Unfall ist wie eine Lupe, unter der plötzlich alle Facetten der Schuld sichtbar werden. Wir leben mit unglaublich vielen Unterlassungssünden, Unkorrektheiten, dem einen oder anderen Bequemlichkeitsschwindel. Solange wir damit durchkommen, kräht kein Hahn danach. Erst im Moment der Katastrophe wird der Schrei nach dem Schuldigen laut. Das hat etwas schrecklich Unmoralisches.»

dpa