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TV-Tipp 21.7.: "Der Gott des Gemetzels": Katastrophenfilm als Kammerspiel

Jodie Foster keift, Kate Winslet kotzt, und Christoph Waltz ist einfach nur brillant. "Der Gott des Gemetzels" ist Roman Polanskis spätes Meisterwerk. Unser TV-Tipp des Tages.

"Der Gott des Gemetzels"
20.15 Uhr, ARD
DRAMA Es beginnt wie einer dieser Hollywoodkatastrophenfilme: Leichte Musik untermalt die Idylle. Ein Spielplatz. Kinderlachen. In der Ferne die Skyline von New York. Doch anstatt dass Godzilla, Aliens oder ein Meteorit die so friedlich gezeichnete Zivilisation dem Erdboden gleichmachen, nimmt ein Junge einen Stock und haut einem anderen damit ins Gesicht. Der Einschlag ist kaum zu sehen. Um so mehr die verheerenden Folgen.

Die Eltern des Schlägers - Alan und Nancy (Christoph Waltz und Kate Winslet) - besuchen die Eltern des Geschlagenen – Michael und Penelope (John C. Reilly und Jodie Foster). Der Ausrutscher in die Barbarei soll zivilisiert unter Erwachsenen geregelt werden. Doch schon beim Schreiben des Schuldbekenntnisses für die Versicherung - der Sohn hat zwei Zähne verloren - geraten die Eltern aneinander. Und auch wenn Alan sich anfangs nur an der Verwendung des Wortes "bewaffnet" stört, ist es der Beginn des Untergangs des Abendlandes. Godzilla ist auf dem Weg in das hübsche post-Hippie-entspannte Apartment von Michael und Penelope in Brooklyn. Ohne Umweg.

Mal hysterisch, mal sadistisch werden Gefühlstraditionen zerlegt. Selbstbetrug, Frauenhass, Rassismus, die ganze Palette der menschlichen Abgründe wird ausgelotet, bis die Kontrahenten erschöpft in unterschiedlichen Ecken liegen - bis Winslets Nancy quer über den Tisch kotzt und Penelope auf ihren Mann eindrischt. Godzilla tobt sich ordentlich aus. Und am Ende, nach der Katastrophe, ist es wieder so, als sei das Ungeheuer nie da gewesen.

Dass dieses Kammerspiel im Kino so gut funktioniert, liegt vor allem auch an den Schauspielern. Das Spiel aller vier ist zum Niederknien, wenn auch Nancy und Alan in ihrem unterhaltsamen Zynismus mehr Sympathiepunkte sammeln. Aber auch das zeigt ja nur, wie schlecht es um uns steht - wenn man uns lässt.

Chapeau, Monsieur Polanski!

Ein TV-Tipp von Sophie Albers, Kulturredakteurin beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Ganz oben links"
21.55 Uhr, Arte
KRIMIKOMÖDIE Er war nicht gekommen, um zu bleiben. Bei einer Wohnungspfändung landet Gerichtsvollzieher François als Geisel in der Badewanne des Mieters. - Französische Satire über 9/11-Ängste, die praktischen Folgen der Sozialpolitik und die Macht der Presse. (bis 23.10)

"Eine neue Chance"
23.40 Uhr, MDR

DRAMA Eine trauernde Witwe (Halle Berry) und der Junkiefreund (Benicio Del Toro) ihres Mannes geben einander Halt… Susanne Bier, dänische Regisseurin der Dogma-Schule, inszenierte keine Herzschmerz-Romanze, sondern eine kitschfreie Studie über Abhängigkeiten. (bis 1.30)