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TV-Tipp 7.6: "Marnie" und "Frenzy": Das Grauen der Frauen

Alfred Hitchcock ist immer sehenswert. Das ZDF zeigt gleich zwei Filme aus seinem Spätwerk: Bei "Marnie" und "Frenzy" müssen vor allem die Frauen dran glauben. Dennoch: unser TV-Tipp des Tages.

Mark (Sean Connery) versucht Marnie (Tippi Hedren) ein neues Leben aufzubauen.

Mark (Sean Connery) versucht Marnie (Tippi Hedren) ein neues Leben aufzubauen.

"Marnie" und "Frenzy"
0.05 Uhr, ZDF

THRILLER Egal wie oft man ihn gesehen hat, einen Film von Alfred Hitchcock wiederzusehen, lohnt sich jederzeit. Denn beim "Master of Suspense" geht es nie darum, 90 Minuten lang einer Auflösung entgegenzufiebern. Vielmehr spielt der Meister den gesamten Film über mit den Zuschauern. Er manipuliert, was das Zeug hält. Und auch die Inszenierung seiner weiblichen Helden war für Hitch ein Spiel - das im Laufe seines Lebens für die Schauspielerinnen immer ungünstiger ausfiel. Während er in den 40er und 50er Jahren Stars wie Ingrid Bergman und Grace Kelly mit verliebtem Blick betrachtete und als kühle Leinwandgöttin inszenierte, kam den Frauen spätestens ab den 60er Jahren vor allem die Opferrolle zu. In "Psycho" (1960) wurde Janet Leigh bereits nach einem Drittel des Films brutal erdolcht. Bei den Drehbarbeiten zu "Die Vögel" malträtierte der Regisseur seine Hauptdarstellerin Tippi Hedren bei den Dreharbeiten und setzte sie eine Woche lang den Attacken lebender Vögel aus - bis sie einen Nervenzusammenbruch erlitt.

1964 lässt er Hedren in “Marnie“ (0.05 Uhr), der Geschichte einer Kleptomanin, auf ihrer Hochzeitsreise von ihrem Ehemann vergewaltigen - den ausgerechnet Sean Connery spielt, der durch die ersten beiden James-Bond-Filme zum strahlenden Held geworden war. Eine derart brutale Szene hatte es damals im Film noch nicht gegeben. Immer offensichtlicher flossen Hitchcocks sexuelle Obsessionen - und wohl auch Frustrationen - in seine späten Filme ein. In "Frenzy" (2.10 Uhr) wurde er 1972 dann maßlos: In dem Thriller um einen Londoner Frauenmörder schaut die Kamera geradezu lustvoll zu, wenn der Täter seine ausschließlich weiblichen Opfer massakriert.

Beide Filme sind harter Tobak, und trotz der für die damalige Zeit ungewöhnlich brutalen Szenen ist es doch faszinierend zuzuschauen, wie Hitchcock seine negativen Energien kanalisiert und große Kunstwerke schafft. Wer diese beiden Filme in der Nacht zum Sonntag schadlos überstanden hat, auf den wartet ein vergleichsweise leichtes Dessert: Das ZDF zeigt um 4.00 Uhr "Cocktail für eine Leiche" aus dem Jahr 1948. Der Film kommt ohne übertriebene Gewalt aus und hat einen weiteren Vorteil: Hier wird keine Frau verletzt.

Ein TV-Tipp von Carsten Heidböhmer, Kulturredakteur