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Vorwürfe gegen "Wetten, dass.. ?": Rassismus? Was für ein Quatsch!

Für die Stadtwette forderte Markus Lanz die Augsburger auf, sich Jim-Knopf-mäßig schwarz anzumalen. Wenn das Rassismus war, bekenne ich mich schuldig. Die Liste meiner Verfehlungen ist lang.

Von Daniel Bakir

Ist das etwa Rassismus? Jim Knöpfe bei "Wetten, dass.. ?" in Augsburg

Ist das etwa Rassismus? Jim Knöpfe bei "Wetten, dass.. ?" in Augsburg

Die Adventsausgabe von "Wetten, dass.. ?" hätte so besinnlich werden können. Die streberhaften Lateinschüler, ABBA und ein Boris Becker, der nicht halb so peinlich war wie seine Twitter-Identität. Alles schön kuschelig. Doch dann gab es da noch die Stadtwette: Moderator Markus Lanz forderte die Augsburger auf, sich als Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer zu verkleiden: "Jim Knopf muss natürlich schwarz sein, mit Schuhcreme, Kohle, was auch immer", forderte Lanz. Irgendwie logisch, wie soll man Jim Knopf sonst erkennen? Das sahen einige Kommentatoren im Netz aber ganz anders. Sie schimpften über "gebührenfinanzierten Rassismus" und warfen Lanz vor, die Leute zum "Blackfacing" anzustiften.

Sie fühlten sich an jene rassistische Theatertradition erinnert, die im 19. Jahrhundert vor allem in den USA verbreitet war, und in der weiße Schauspieler Schwarze mit Schminke und grotesker Maskerade lächerlich machten. Ist Markus Lanz also ein Rassist? Sind die 100 Augsburger, die als Lukas und Jim verkleidet auf die Bühne kamen alle Rassisten?

Wenn das so ist, dann bin ich auch einer. Ich habe mich zwar noch nie als Schwarzer verkleidet, aber dafür als Mexikaner und Chinese, als Cowboy und Indianer. Was daran liegt, dass ich aus Köln komme und seit vielen Jahren Karneval feiere. Und fragen Sie mal im Rheinland rum, ob Verkleiden rassistisch sein kann. Da versteht man die Frage schon nicht. Verkleiden bedeutet dort, dass man jemanden darstellt, der man nicht ist, mit dem Ziel, dass alle in einem fröhlich-bunten Durcheinander viel Spaß miteinander haben. Es verkleiden sich übrigens zur allgemeinen Belustigung auch immer mal wieder Männer als Frauen und umgekehrt, ohne dass sich das eine oder andere Geschlecht diskriminiert fühlt.

Die Stadtwette steht in der Kritik, rassistisch gewesen zu sein? Das ist ...

Ich jedenfalls habe bisher noch mit keiner meiner Verkleidungen eine Rassismus-Debatte ausgelöst. Was möglicherweise daran liegt, dass ich nicht im Fernsehen auftrete, wo mich Tausende Shitstormbereite Twitterer sehen können. Wahrscheinlich aber auch daran, dass ich nichts gegen Mexikaner und Chinesen habe und mit meiner Verkleidung niemanden verunglimpfe, sondern die bunte Vielfalt feiere. Es ist übrigens eher unüblich, sich als jemand zu verkleiden, den man Scheiße findet. Die meisten wählen eine Rolle, die sie gut finden oder irgendeine Art persönlichen Helden. Und genau so ist auch die Jim-Knopf-Aktion bei "Wetten, dass.. ?" zu bewerten. Jim Knopf ist schließlich kein Idiot oder Zerrbild, sondern der Held, der mit Lukas dem Lokomotivführer all die Abenteuer besteht, für die ihn seine Leser lieben.

Natürlich ist es legitim, in jedem Fall neu zu diskutieren, ob die Grenze zum Rassismus überschritten ist. In den Niederlanden etwa läuft seit einigen Jahren eine heiße Debatte, ob der "zwarte Piet", der traditionelle schwarze Begleiter des Nikolaus, Ausdruck von Rassismus ist. Über die Jim-Knopf-Verkleidung regt sich offensichtlich aber nur eine kleine Minderheit auf. Mehr als 80 Prozent der stern.de-Nutzer halten die Kritik, die Stadtwette sei rassistisch gewesen, für überzogen. Ich auch.

Unter diesem nicht rassistisch gemeinten Sombrero steckt der Autor dieses Textes

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