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Tod einer Ikone: Christine Keeler - die schönste Frau Londons, die als "Hure der Nation" endete

Christine Keeler verkörperte die sexy Sixties wie keine andere. Ihre Affären brachten eine Regierung ins Wanken. Sie zerstörte die Illusion der anständigen, guten Gesellschaft – doch später musste sie als Geächtete ein Leben in Schande führen.

Der Murray Club in war Ende der 50er-Jahre eine Institution. 60.000 Personen der Gesellschaft waren Mitglieder des Clubs. Nur schwer gelangte man auf die exklusive Liste. Angehörige der königlichen Familie, Politiker und Filmstars protegierten das Murray's. Es war ein klassischer Nachtclub der Zeit mit Tischchen, einer Bühne und einer Unzahl von Tänzerinnen - 110 Gäste fanden Platz und sie wurden von 100 Bediensteten verwöhnt. 

Sie galt als die Frau mir dem größten Sex-Appeal - doch ihre Affären waren allesamt nur lauwarm und ohne Leidenschaft.

Sie galt als die Frau mir dem größten Sex-Appeal - doch ihre Affären waren allesamt nur lauwarm und ohne Leidenschaft.

Der Schmutz der Oberen Zehntausend

Zu ihnen gehörte 1959 , eine 17-Jährige Blondine von damals überirdischer Schönheit. Wenige Jahre später wankte wegen Christine die Regierung des Königreichs. Sie löste einen Skandal aus, der die britische Gesellschaft bis ins Mark erschütterte. Die abgeschottete Welt der Upper-Class offenbarte erstmals ihre schmutzigen Geheimnisse. Respekt und Ansehen der Oberen Zehntausend konnten sich von diesem Schlag nie wieder erholen. Seitdem ergötzen sich die Briten regelmäßig über die Fehltritte der Oberen.

Christine Keeler war das Gesicht des Swinging . Auf den alten Fotos sieht sie auch heute noch unbeschwert und blendend aus. Ihre kühle Sinnlichkeit stand dabei in einem geradezu grotesken Missverhältnis zu den unförmigen Körpern ihrer älteren Liebhaber. Mächtige Männer - aber neben ihr auch unzweifelhaft Figuren der Vergangenheit. Auf den Fotos der Zeit verkörperte Christine Keeler wie der Triumph des Neuen über die Relikte der Nachkriegszeit. Und sie genoss diese Pose und den Ruhm dieser wenigen Jahren. Ein Ruhm, der später einen Schatten über ihr ganzes Leben legte.

Die Illusion der Befreiung

Das junge Mädchen, das den alten Säcken auf der Nase herumtanzte - an dieser Vorstellung ergötzte sich die Zeit. Tatsächlich aber wurde Keeler von den alten Männern nur benutzt, missbraucht und später weggeworfen. Schon ihre Kindheit war arm und hart. Ein Stiefvater, der sie befummelte, keinen Schulabschluss und eine fehlgeschlagene Abtreibung, die zu einer Frühgeburt und dem des Babys führte.


Mit diesem psychischen Gepäck aus der kohleschwarzen, bitterarmen Nachkriegszeit tauchte Keeler in die Glitzerwelt des Clublebens ein. Sie tanzte "oben ohne" vor den Größen ihrer Zeit - vor Winston Churchill, Frank Sinatra und Elisabeth Taylor. Aber nicht nur ihre Jugend machte sie zu einem Star der Nacht, Keeler besaß einen Mentor mit Verbindungen. Stephen Ward, 30 Jahre älter, Arzt und Künstler wurde zu ihrem väterlichen Freund. Eine düstere Vaterfigur. Ward soll Keeler und andere Tänzerinnen nie angerührt haben, aber ein unheimliches Vergnügen daran gefunden haben, junge Mädchen zu verderben. "Ich war es gewohnt, dass Männer mich wollten", sagte Keeler in einem Filminterview später. "Früher oder später wollten alle, dass ich mich ausziehe. Der Unterschied war, dass Stephen es erregte, wenn ich mit anderen Männern schlief – mit mächtigen Männern."

Eine klassische Mätresse 

Keeler war keine Prostituierte, aber sie genoss es, sich von reichen Männern aushalten zu lassen. Das Kind aus ärmsten Verhältnissen liebte teure Wohnungen, Kleider, Pelze und bezahlte dafür mit ihrem Körper, ohne große Illusionen. Einer ihrer Liebhaber besuchte sie jeden Tag, dann zog er sie aus. "Und dann hatten wir Sex ", sagte Keeler später. "Er hätte auch einen Zahnarzttermin haben können. Das war keine Romanze."

Das Leben als Party-Girl erreichte seinen Höhepunkt als Keeler mit zwei Männern zugleich verkehrte. Mit John Profumo, dem britischen Kriegsminister, und Yevgeni Ivanov, Attaché der sowjetischen Botschaft und Spion. Eine explosive Mischung auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges. Später erinnerte sich Keeler an keine Leidenschaft. "Ich erinnere mich nicht besonders an den Sex mit John, außer, dass wir es zuerst immer heimlich gemacht haben. Es war immer ganz angenehm und vorüber, bevor ich es bemerkte. Unglaublich, dass diese Sache zu so einer Tragödie geführt hat. Die ganzen Swinging Sixties! Es war gar nicht so besonders." Ähnlich trocken soll sich Profumo später erinnert haben. Freunden sagte er, Keeler sei dem Sex aufgeschlossen gegenüber gewesen, aber vollkommen ungebildet und habe sich nur für Frisuren und Parfüms interessiert.

Die Presse jagte Christine Keeler - doch eine Zeitlang lebte sie von dem Ruhm.

Die Presse jagte Christine Keeler - doch eine Zeitlang lebte sie von dem Ruhm.


Eine Affäre ohne jeden Sex-Appeal

Eine nüchterne Bilanz der Affäre. Doch als sie ruchbar wurde, war der Skandal ungeheuerlich. Die Kombination von verbotenem Sex und der Bedrohung nationalen Sicherheit erschütterte die Regierung und ließ die Presse Amok laufen. Später wurde Ward beschuldigt, diese Verhältnisse gefördert zu haben, um Geld erpressen zu können. Die Rache des Establishments führte zu einem Prozess wegen Förderung von Prostitution. Die Anschuldigungen waren einfach falsch, Beweise wurden manipuliert, Zeugen eingeschüchtert. In der Nacht vor dem Urteil brachte Ward sich um, doch die 20jährige Keeler wurde zu neun Monaten Haft verurteilt.

Später bekam sie ihr Leben nie wieder in den Griff. Als Model fand sie keine Arbeit. Zwei Ehen scheiterten. Nachdem auch die Medien das Interesse an ihr verloren hatten, verarmte Keeler. Sie konnte nicht einmal in einer Schulküche arbeiten. Als man herausfand, wer sie war, wurde sie sofort gefeuert. "Ich habe die ganze Schande und Schuld abbekommen. Ich musste die Sünden einer ganzen Generation auf mich nehmen." Nicht einmal ihre Kinder, hätten mit der "verdammten Hure" - so Keeler - etwas zu tun haben wollen. Nur ihr damaliger Anwalt Jeremy Hutchinson hat stets respektvoll und voller Verständnis über Keeler gesprochen. Der Star-Jurist starb wenige Tage vor seiner Mandantin.

Christine Keeler glaubte, sie sei ihr ganzes Leben lang unfähig gewesen jemanden zu lieben. Der einzige Mensch, der ihr nahe war, war ihr finsterer Vaterersatz Ward. "Wenn Stephen Ward noch leben würde, wäre ich bei ihm. Aber das wäre keine körperliche Beziehung."

So starb Christine Keeler mit 75 Jahren von den Menschen, den Mächtigen und ihrer Schönheit verlassen. 


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