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«Netzwerk der Seelen»: Promi-Geburtstag vom 12. Januar 2018: Haruki Murakami

Tokio - Man stelle sich ein Wohnhaus mit einem Keller vor, erzählt Haruki Murakami. Im Erdgeschoss und ersten Stock wohnten die Menschen, während im Keller darunter die Reste ihrer Erinnerungen lägen. Unter dem Keller aber befinde sich eine finstere, bodenlose Welt. Er habe einen Gang dorthin gefunden und fange Geschichten aus der Tiefe ein und mache daraus Romane.

Haruki Murakami

Der japanische Schriftsteller Haruki Murakami 2011 in Barcelona. Foto: Jordi Bedmar

Man stelle sich ein Wohnhaus mit einem Keller vor, erzählt . Im Erdgeschoss und ersten Stock wohnten die Menschen, während im Keller darunter die Reste ihrer Erinnerungen lägen. Unter dem Keller aber befinde sich eine finstere, bodenlose Welt. Er habe einen Gang dorthin gefunden und fange Geschichten aus der Tiefe ein und mache daraus Romane.

So beschrieb der japanische Literaturstar, der an diesem Freitag 69 Jahre alt wird, im Mai 2013 an der Universität bei einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte seine Arbeit als Autor. Durch das Schreiben solcher Geschichten wolle er ein «Netzwerk der Seelen» schaffen.

Es sind einzigartige Welten, die der japanische Erfolgsautor in
diesen Geschichten erschafft. Welten voller übernatürlicher
Ereignisse und innerer Abgründe, stoischer wie auch merkwürdiger Charaktere. «Ich freue mich mehr, wenn ein Leser mir sagt, er konnte nicht aufhören zu lachen, als dass er mir sagt, mein Buch habe ihn zu Tränen gerührt», erzählte Murakami in Kyoto. Während Trauer etwas Persönliches sei, öffne das Lachen die Herzen der Menschen. «Daher
versuche ich, Humor in meine Werke zu streuen», so der Japaner.

Murakami gilt als einer der populärsten und einflussreichsten
japanischen Autoren seiner Generation und wird seit Jahren immer wieder als Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt. Doch der im Westen zur Kultfigur avancierte Autor und erfolgreiche Übersetzer amerikanischer setzt sich auch außerhalb der Literatur immer mehr mit der Gegenwart seiner eigenen Heimat auseinander. So
beeindruckte er zum Beispiel anlässlich einer Preisverleihung in Spanien viele mit einer Rede zur Atomkatastrophe in Fukushima, in der er sich mit deutlichen Worten gegen die Atomenergie aussprach.

Zu seinen zahlreichen Werken, die in mehr als 40 Sprachen
übersetzt und zum Teil als Filme oder Bühnenstücke adaptiert wurden, gehören die Romane «Wilde Schafsjagd», für den er den Noma Literary Prize für Nachwuchsautoren gewann, und «Mr. Aufziehvogel», in dem er einen Individualisten und Grübler auf der Suche nach Verlorenem und
der eigenen Identität porträtierte. Zu seinen jüngsten Erfolgen zählt seine Trilogie «1Q84» von 2009, sein erster Roman seit fünf Jahren.

Auch sein 2014 erschienen Roman «Farbloser Tsukuru Tazaki und seine Jahre des Pilgerns» wurde prompt zum Bestseller, für den die Fans die Nacht über anstanden. Seinen Erfolg in Europa und Amerika erklären sich Experten unter anderem mit der westlichen Orientierung Murakamis. Für die traditionelle japanische Literaturszene ist sein Stil jedoch eine Herausforderung.

dpa