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Akademie der Künste: Promi-Geburtstag vom 14. Juni 2018: Jeanine Meerapfel

Ihre Eltern mussten als Juden vor den Nazis fliehen. Sie selbst wuchs im politisch unruhigen Argentinien auf. Diese Erfahrungen bestimmen das Leben von Filmemacherin Jeanine Meerapfel.

Jeanine Meerapfel

Aufklärung ohne Hammer: Jeanine Meerapfel wird 75. Foto: Britta Pedersen

Sie ist in der mehr als 300-jährigen Geschichte der Berliner Akademie der Künste die erste Frau an der Spitze. Seit drei Jahren leitet Jeanine Meerapfel die internationale Künstlergemeinschaft.

Vor wenigen Wochen wurde sie erneut mit breiter Zustimmung in das Führungsamt gewählt. «Ich habe mir das schon sehr überlegt. Schließlich bin ich Filmemacherin, nicht Präsidentin von Beruf», sagt die gebürtige Argentinierin, die heute ihren 75. Geburtstag feiert.

Es sind unspektakuläre, oft poetische Filme, die Jeanine Meerapfel macht. Immer wieder geht es um die Frage von Heimatlosigkeit, Entwurzelung und der Suche nach der eigenen Geschichte, der eigenen Identität. In politischen Dokumentationen setzt sie sich wiederholt auch mit der dunklen Zeit der in ihrem Heimatland auseinander.

Meerapfel sei nie im Mainstream mitgeschwommen, sie lege es «weder auf Agitation noch auf Überwältigung» an, urteilte die « » einmal. Sie selbst sagt: «Ich glaube, die Zuschauer mögen es, wenn sie mitdenken können und etwas mit entdecken - vielleicht auch bei sich selbst. Jedenfalls habe ich meine Arbeit immer so verstanden.»

Aus Anlass ihres Geburtstags läuft in (Bundesplatz Kino) eine Werkschau ihrer wichtigsten Arbeiten - angefangen bei dem in Cannes ausgezeichneten Spielfilmdebüt «Malou» (1981) etwa über die Politdramen «La Amiga» und «Amigomio» bis zu ihrem jüngsten Werk «Der deutsche Freund» (2012), in dem ein junger Deutscher durch die SS-Vergangenheit seines Vaters aus der Bahn geworfen wird.

Ihre eigenen Lebensthemen klingen in vielen Filmen mit an. Die jüdischen Eltern - der Vater Deutscher, die Mutter Französin - hatten 1937 vor dem Hitler-Regime zunächst nach Holland, später nach fliehen müssen, wo sie 1943 zur Welt kam. Ein DAAD-Stipendium brachte die gelernte Journalistin 1964 nach Deutschland. An der Filmhochschule Ulm entdeckte sie bei Lehrern wie Alexander Kluge und Edgar Reitz ihr Herz für den Film. Und blieb.

«Ich brauche Menschen, um mich zu Hause zu fühlen», sagt Meerapfel, die sechs Sprachen spricht. «Heimat ist für mich ein trügerischer Begriff, weil er uns eine Gemütlichkeit vorgaukelt, die es heute auf der Welt nicht mehr gibt.»

Und so ist sie denn eher eine Weltbürgerin, die die internationalen Krisen, die Gefahren für Menschenrechte und Demokratie, den wieder erstarkenden Antisemitismus und Rassismus mit Sorge und Wachsamkeit begleitet. Nach fast zwei Jahrzehnten als Professorin an der von ihr mitgegründeten Kunsthochschule für Medien in Köln war es 2015 nochmal ein großer Schritt, sich auf die Führung der Akademie einzulassen.

Anders als ihr langjähriger Vorgänger, der Plakatkünstler und Politaktivist Klaus Staeck (80), setzt Meerapfel eher auf die leisen Töne. Nach Einschätzung von Beobachtern ist die Künstlergemeinschaft mit der neuen Präsidentin seltener zu hören. «Ich glaube nicht, dass man Aufklärung mit dem Hammer betreiben kann», sagt sie. «Wenn jeder immer nur schreit, wird es laut und lauter, bis am Ende niemand mehr etwas versteht.»

Angst vor dem Alter hat Meerapfel trotz der 75 Jahre nicht. Sie hält sich mit Gymnastik, Schwimmen und Tango-Tanzen fit. «Es ist eher Verwunderung: Was, so alt bist du schon?», sagt sie. «Natürlich fragt man sich, wie es einmal sein wird. Aber ich halte mich nicht sehr damit auf. Ich möchte mir nicht so viel Zeit damit nehmen.»

dpa