VG-Wort Pixel

Es ging um Corona-Todesrate Zoff mit Moderator bei Live-Interview: Britische Arbeitsministerin schaltet Kamera ab

Die britische Arbeitsministerin Thérèse Coffey
Die britische Arbeitsministerin Thérèse Coffey, hier auf dem Weg zu einer Kabinettsbesprechung, geriet während eines Live-Interviews mit dem Moderator Piers Morgan aneinander (Archivbild)
© Avalon / Picture Alliance
Die britische Arbeitsministerin Thérèse Coffey hat ein Live-Interview in der TV-Sendung "Good Morning Britain" abgebrochen. Angeblich aus Zeitgründen. Doch ihr hektischer Abgang erweckte den Eindruck, als wolle sie den unbequemen Nachfragen des Moderators entgehen.

In "Good Morning Britain" wurde Thérèse Coffey per Videoschalte zu einem Live-Interview gebeten. Doch das brach die britische Arbeitsministerin abrupt ab, schaltete ihre Kamera aus und hinterließ einen verdutzten Moderator. 

Was war passiert? In dem Interview ging es um die vielen Corona-Toten, die Großbritannien zu beklagen hat. Angesprochen auf ein mögliches Versagen der Regierung erklärte Coffey, dass man später wohl eine Vielzahl von Gründen für die Todesfälle feststellen werde, wie in einigen Fällen das Alter der Bevölkerung oder auch Fettleibigkeit. Piers Morgan bedankte sich zunächst, dass sie Gründe genannt hatte "Ich applaudiere Ihnen dafür". Und auch Co-Moderatorin Susanne Reid stellte fest: "Das ist das erste Mal, dass wir einen Regierungsminister hören, der sich auf ein paar Erklärungen einigt".

Thérèse Coffey wirft Piers Morgan Beleidigung vor

Piers Morgan fasste schließlich noch einmal zusammen: "Also haben Sie uns jetzt zwei Gründe gegeben, die alternde Bevölkerung und die Fettleibigkeit", kommentierte Morgan. "Also sagen Sie jetzt, dass der Grund dafür, dass wir die schlimmste Sterberate der Welt haben, die Bevölkerung ist? Die Leute sind zu alt und sie sind zu fett?"

Doch die Begrifflichkeiten passten Coffey offenbar nicht, nannte den Moderator "beleidigend". Als sie fortfahren wollte, grätschte Morgan der Ministerin ins Wort, fragte, was genau sie denn als "beleidigend" empfand. "Das haben Sie doch gerade gesagt", kommentiert er. Doch Coffey ging nicht auf die Frage ein und schob stattdessen hinterher:  "Ich muss auch darauf hinweisen, dass Sie dieses Interview spät begonnen haben, leider muss ich auch zu anderen Sendern gehen, und ich wünschte, wir hätten mehr Zeit gehabt, als ich um 8.15 Uhr beginnen sollte."

Daraufhin konterte der Moderator: "Ich habe Sie seit Mai nicht mehr interviewt, Sie können also jederzeit wiederkommen. Sie waren es also, die die Sendung boykottiert hat, also spielen Sie bitte nicht die 'Sie haben mir nicht genug Zeit gegeben'-Karte, denn wir haben Ihnen acht Monate gegeben und Sie sind nicht erschienen".

"Es tut mir leid, aber ich muss jetzt zu einem anderen Sender", erklärte Coffey erneut. "Sie wollen also nicht erklären, warum sie denken, dass ich beleidigend war?", wollte Morgan wissen, doch dann knipste sie mit einem "Danke, bye, bye" ihre Zoom-Kamera aus. Zurück blieb ein ziemlich sprachloser Moderator: "Wow...ok...danke Frau Coffey."

Sticheleien nach Interview auf Twitter

Auf Twitter erklärte die Ministerin später, sie sei bereit gewesen, wie besprochen um 8.15 Uhr auf Sendung zu sein. Als sich der Start jedoch verzögert habe, hätte sie dem Produzenten mitgeteilt, dass sie vor 8.30 Uhr zu einem anderen Termin müsse. Daraufhin schrieb Piers Morgan: "Sie schoben die schockierende Coronavirus-Todesrate in Großbritannien auf das Alter und die Fettleibigkeit der Bevölkerung, nicht auf irgendetwas, was die Regierung im Umgang mit der Pandemie falsch gemacht hätte. Dann nannten Sie mich 'beleidigend', weil ich Sie mit Ihren eigenen Worten herausforderte und stürmten davon, anstatt mir zu antworten."

In Großbritannien sind seit Beginn der Pandemie mehr als 100.000 Menschen im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben. Bis Mitte Januar war bei fast 99.000 Menschen in England und Wales Covid-19 auf dem Totenschein verzeichnet, wie die britische Statistikbehörde am Dienstag mitteilte. Seitdem kamen nach offiziellen Zahlen der Regierung mehrere Tausend weitere Todesfälle in ganz Großbritannien hinzu. Nach einem massiven Anstieg der Fallzahlen im Zusammenhang mit der neuen Variante B.1.1.7 im Dezember verzeichnete das Land die weltweit höchste tägliche Covid-Todesrate. Der britischen Regierung wird vorgeworfen, wiederholt zu spät und falsch auf die Pandemie reagiert zu haben. Krankenhäuser stehen massiv unter Druck, derzeit werden mehr Covid-19-Patienten künstlich beatmet als zu jedem anderen Zeitpunkt der Pandemie.

Quellen: "Good Morning Britain", Twitter, DPA

jek

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker