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Charlie Sheen und seine Skandale: Ein unverwüstlicher Wüstling?

Nach einer Serie verbaler Ausfälle und wilder Eskapaden ist es für US-Schauspieler Charlie Sheen endgültig aus mit seiner höchst lukrativen Fernsehrolle: Das Filmstudio Warner Bros. erklärte, der Vertrag mit Sheen für die erfolgreiche Serie "Two and a Half Men" sei "mit sofortiger Wirkung" gekündigt worden.

War's das wohl? Immer wilder wurden zuletzt die Eskapaden von Hollywood-Star Charlie Sheen, immer schriller seine verbalen Rüpeleien. Nun ist er seinen profitablen Job los: Der Sender CBS kündigte endgültig den Vertrag über seine Rolle in der TV-Serie "Two and a Half Men". Das Kündigungsschreiben liest sich wie eine Klageschrift, es bescheinigt Sheen "selbstzerstörerisches, gefährliches Verhalten". Der Star ist am Ende, könnte man meinen. Doch Hollywood-Experten warnen vor vorschnellen Schlüssen: Sheen könnte eine Karriere eigenen Typs verfolgen - die des coolen Wüstling.

"Charlie Sheen ist talentiert, lustig, provokativ", sagt der PR-Experte Jerome Cleary aus Hollywood. "Die Tür steht für ihn weit offen." Die Kündigung und die Skandale seien für Sheen überhaupt kein Problem, "weil das Publikum die Geschichte einfach liebt". Sheen hat eine riesige Fangemeinde. Mehr als zwei Millionen Menschen verfolgen inzwischen seine Wortmeldungen über den Kurznachrichtendienst Twitter. Daneben meldet sich Sheen regelmäßig auf der Website Ustream.com mit einer Online-Talkshow namens "Sheen's Korner", die er direkt von zu Hause in Los Angeles sendet.

"Charlie steht mittendrin, bei ihm ist was los, und ich würde ihm raten, Twitter und Ustream sogar noch mehr zu nutzen", sagt Cleary. "Wenn ich Charlie Sheen wäre, würde ich sofort einen Vertrag über eine Reality-Show im Fernsehen abschließen und noch diese Woche mit den Dreharbeiten beginnen." Der PR-Experte prophezeit, dass das Publikum den schlingernden Star bald in einer neuen Fernsehsendung verfolgen kann.

Freilich lassen die Umstände von Sheens Abgang bei CBS vermuten, dass er für künftige Auftraggeber kein einfacher Partner sein wird. In dem Kündigungsschreiben an Sheens Anwälte beklagt das Studio Warner Bros "das öffentliche Spektakel seines selbst verschuldeten Kollapses". Weiter heißt es: "Durch seine alarmierenden Ausbrüche weiß nun die ganze Welt, wie es um Herrn Sheen steht." Der Schauspieler scheine "sehr krank zu sein".

Sheen nahm den Ball auf und schoss umgehend zurück. "Das ist eine sehr gute Nachricht", erklärte er zu der Kündigung - und stellte eine Klage auf weitere Zahlung seiner Gage von zwei Millionen Dollar pro vereinbarter Folge in Aussicht. Nun könne er einfach die Millionen einstreichen, ohne seinen Produzenten sehen und "dämliche Hemden" tragen zu müssen, schrieb er in Anspielung auf sein Outfit in "Two and a Half Men". Sheen sieht sich als Gewinnertyp. Kritiker seien einfach nur eifersüchtige Verlierer, die auf sein Leben mit Geld, Frauen und Drogen neidisch seien.

Das Spektakel wird also erstmal weitergehen, vielleicht sogar vor Gericht. Für Sheen ist das eine Chance, bietet ihm die Entwicklung doch Zugang zu einem der wertvollsten Güter in der Unterhaltungsbranche: der Aufmerksamkeit des Publikums. "Charlie will seinen gegenwärtigen Ruhm und all die Aufmerksamkeit zu Geld machen, weil die Zukunft unsicher ist und weil er keinen Job hat", sagt der Hollywood-PR-Experte Dan Shawbel. "Mit seinen Twitter-Botschaften, der Sendung auf Ustream.com und anderen Online-Aktivitäten wird er Profit aus seiner persönlichen Marke ziehen."

Zunächst war vermutet worden, Sheen wolle durch seine Ausfälle um ein höheres Gehalt für die Rolle in "Two and a Half Men" pokern, die ihn ohnehin schon zum bestbezahlten TV-Schauspieler der USA hatte werden lassen. Daraus wird nun nichts mehr werden. Branchenexperten weisen aber darauf hin, dass sich für Sheen ganz neue Einnahmequellen auftun - etwa durch Werbung auf seinem enorm populären Twitter-Account. Die Ausbreitung sozialer Online-Medien bietet Stars inzwischen die Möglichkeit, direkt zu ihren Fans sprechen und so ihren Wert zu erhalten.

Michael Thurston, AFP / AFP