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Comedy Central: Schelte, Hohn und Spott für Charlie Sheen

Bei einem "Roast" für Comedy Central wurde Charlie Sheen von den lieben Kollegen ordentlich durch den Kakao gezogen. Selbst Captain Kirk und Mike Tyson schalteten sich ein. Sheen nahm es mit Humor und genoss selbst die ganz derben Witze mit einem süffisanten Lachen auf den Lippen.

Von Frank Siering, Los Angeles

In Hollywood gibt es eine Grundregel: Richtig berühmt ist ein Schauspieler erst dann, wenn er sich freiwillig und öffentlich von den Kollegen durch den Kakao ziehen lässt. Dean Martin, Jerry Lewis und Sammy Davis Jr. haben dafür einst den "Comedy Roast" erfunden und berühmt gemacht.

Jetzt war Charlie Sheen dran. Der gefeuerte "Two and a Half Men"-Star ließ sich im kalifornischen Culver City von einigen illustren Kollegen während eines "Grills" vorführen.

Und wie! Witze, die weit unter die Gürtellinie gingen und doch der Wahrheit sehr nahe kamen, flogen dem 46-jährigen Sheen gleich reihenweise um die Ohren. Der saß mitten auf der Bühne, ließ das Prozedere über sich ergehen und grinste dabei vor sich hin.

Komiker Jeffrey Ross, der sich als Gaddafi verkleidet hatte, machte den Anfang. Ob Charlie denn schon wisse, dass der ehemalige Al Gore jetzt eine Dokumentation über den Schauspieler drehen wolle? "Weil die jüngste Kernschmelze von Sheen so schlimm war", fuhr Ross fort. Und setzte gleich noch einen drauf: "Deine Kinder kriegen dich dieser Tage nur noch zu sehen, wenn sie den Fernseher anschalten und Wiederholungen deiner Show sehen."

Keine Tabus

Dass beim "Roast" oftmals die Dinge angesprochen werden, die in den medialen Diskussionen verharmlost werden, ist bekannt. So wurde auch Sheens Drogenvergangenheit genüßlich in diversen Witzen verarbeitet. "Wieviel Kokain kann Charlie Sheen schnupfen?", fragte Komiker John Lovitz. "Genug, um zweieinhalb Männer zu killen". Eine Anspielung auf Sheens Rauswurf aus der Serie "Two and a Half Man".

Das saß. Sheen, er saß in einem schwarzen Anzug und roter Krawatte mittlerweile zu Tränen gerührt auf seinem "Thron", klatschte genüßlich in die Hände. Auch dann als "Captain Kirk"-Schauspieler William Shatner, der in den USA als Werbefigur für das Online-Reisebüro "Priceline" bekannt ist, seinem Kollegen Sheen nahelegte, "die nächste Reise in die Reha-Klinik doch bitteschön über Priceline" zu buchen.

Sogar die seriöse Kate Walsh, bestens bekannt für ihre Rolle in "Grey's Anatomy", rupfte an Charlie Sheen herum. "Es ist schon erstaunlich", sagte sie, "all die Jahre hast du deine Lunge, deine Niere und deine Leber missbraucht ­ und das einzige, was sie dir weggenommen haben, sind deine Kinder."

Auch sein TV-Nachfolger Ashton Kutcher wurde Sheen unter die Nase gerieben. Amy Schumer riss den wohl fiesesten Witz des Abends. Richtung Charlie brüllte sie los: "Du bist so ein bisschen wie Bruce Willis. Du warst ein Star in den 80er Jahren und dann wurdest du durch Ashton Kutcher ausgetauscht." Kutcher ist bekanntlich mit Willis-Ex-Frau Moore verheiratet.

Mike Tyson schlägt daneben

Kurios der Auftritt von Ex-Boxer Mike Tyson. Nicht unbedingt für seinen Humor, sondern eher für seine brutalen Schläge ins Gesicht seiner Gegner bekannt. "Ich bin der größte Poet aller Zeiten. Ich werde deine Kinder essen", sagte er Richtung Sheen. Das Publikum legte die Stirn in Falten, William Shatner rettete die Situation, indem er ans Mikro sprang und nach einem "Übersetzer für Herrn Tyson" fragte.

Witziger war da schon der Auftritt von Jackass-Darsteller Steve-O. Er wollte so lange in die Faust von Tyson laufen, bis er sich ein blaues Auge eingefangen hatte. Tysons Kommentar: "Okay, aber bitte nicht hinterher die Polizei rufen."

Unter den Augen von Sheens Ex-Frau Brooke Mueller, in jüngster Zeit soll sich das Paar wieder etwas angenähert haben, wurden natürlich auch Sheens diverse Freundinnen, die er häufig als "Göttinnen" bezeichnet hat, schnell zur Zielscheibe für die vielen Komiker. Schon vor der Veranstaltung liefen spärrlich bekleidete Frauen über den roten Teppich als römische Göttinnen verkleidet.

Sheen setzt noch einen drauf

Und Sheen selbst? ­Er kam schließlich auch zu Wort: "Was für eine Nacht", so Sheen im Anschluss an den "Roast". "Bis heute Abend habe ich niemals richtig begriffen, wie dreckig es mir wirklich ging. Ich dachte die ganze Zeit, dass ich nur Spaß hatte."

Und dann, im klassischen Sheen-Stil, schoss er zurück. "Ihr könnt mir nicht wehtun. Keiner kann mir wehtun. Drogen konnten mich nicht umbringen, Sex auch nicht. Und die Presse sowieso nicht. Auch ,Two and a Half Men' hat mich nicht fertig gemacht. Glaubt ihr wirklich, ein paar Witzte können mich killen?"

Sheen hatte als Leidtragender auch das letzte Wort an diesem Abend. "Der Gang durch euer Fegefeuer ist vielleicht vorbei, aber ich bin Charlie Sheen. In mir brennt das ewige Feuer. Ich muss mich nur immer wieder daran erinnern, dass ich mit diesem Feuer nicht zu nah an die Crack Pfeife komme."