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Interview

Daniel Biasini: "Romy hätte ihrer Mutter niemals eine Liaison mit Hitler verziehen"

Glaubte Romy Schneider, ihre Mutter habe ein Verhältnis mit Adolf Hitler gehabt? Das behauptet zumindest Alice Schwarzer in einer TV-Doku. Im stern-Interview widerspricht Romys Ex-Mann Daniel Biasini vehement.

Romy Schneider und Daniel Biasini

Romy Schneider und Daniel Biasini besuchten 1978 den Deutschen Filmball in München. Das Paar war von 1975 bis 1981 verheiratet und hat eine gemeinsame Tochter.

Picture Alliance

Es waren brisante Details, die Alice Schwarzer in der TV-Doku "Ein Abend mit Romy" verriet, die am 16. September auf Arte ausgestrahlt wurde. Romy Schneider, sagt Schwarzer da, habe ihr 1976 gesagt: "Meine Mutter hat mit Hitler geschlafen. Sie hatte eine Affäre mit Hitler."  

Sie selbst halte das eher für unwahrscheinlich, relativiert Schwarzer das sogleich. Doch das Ungeheuerliche stand da schon im Raum. Die bekannte Schauspielerin Magda Schneider soll eine Affäre mit Adolf Hitler gehabt haben? Einen Beleg dafür, dass Romy Schneider das behauptet habe, liefert die Doku jedoch nicht. Zwar werden viele Passagen der Tonbänder vorgespielt, doch die skandalträchtige Passage ist nicht dabei. Schwarzers Erklärung: Romy habe sie gebeten, das Tonband abzustellen. Erst dann habe sie von ihrer Vermutung gesprochen. 

Daniel Biasini war von 1975 bis 1981 mit Romy Schneider verheiratet - und hält die Behauptungen für falsch. 

Herr Biasini, Alice Schwarzer behauptet in einer TV-Doku, Romy Schneider habe ihr gesagt: "Meine Mutter hat mit Adolf Hitler geschlafen." Wie denken Sie darüber?
Ich sage, ich wiederhole und ich versichere, dass diese Behauptung von Alice Schwarzer falsch ist, unwahr, grotesk und niederträchtig. Wie die meisten habe ich die Arte-Dokumentation mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. In einem bestimmten Moment verlangt Romy, die Aufzeichnung anzuhalten. Aus welchem Grund? Wir wissen es nicht! Und was hat sie gesagt? Das ist ein Rätsel. Aber Alice Schwarzer enthüllt den Inhalt in der Boulevardpresse. An diesem Punkt hat Schwarzer ihren Tonfall geändert und gesagt, ich zitiere: "Es war eine Fantasievorstellung von Romy, dass ihre Mutter ein Verhältnis mit Adolf Hitler gehabt hat." Das ist weit davon entfernt, eine Enthüllung seitens Romy zu sein - es ist eine Interpretation von Alice Schwarzer, die Sigmund Freud spielt, leider ohne Talent. Sie interpretiert Romys Worte nach ihrem Belieben, bis sie zu ihrer These passen und die sie dann als ihre Wahrheit ausgibt.

Können Sie ausschließen, dass Romy Schneider diese Sätze gesagt hat?
Absolut! Total! Wir haben zu dieser Zeit viel miteinander geredet, sie und ich. Und zu keiner Zeit hat sie in den zehn gemeinsamen Jahren so etwas offenbart. Es gab nicht den geringsten Zweifel oder Verdacht, geschweige denn eine verborgene Fantasievorstellung, dass ein "besonderes" Verhältnis zwischen ihrer Mutter und Hitler bestanden habe, geschweige denn mit anderen wie Goebbels oder Bormann.
Bei meinem ersten Aufenthalt in Berchtesgaden sind wir zusammen mit Magda Schneider auf den Berghof am Obersalzberg gestiegen, nur wir drei. Sie können sich vorstellen, dass die Frage damals auf meinen Lippen brannte, ob Magda schon einmal hier war. Ja, gestand sie. Auf Einladung von Eva Braun sei sie zusammen mit anderen Frauen zum Nachmittagstee dorthin gekommen. Das bestätigen die Bilder, auf denen zu sehen ist, wie sie zusammen mit anderen Frauen den Berghof verlässt. Der Film wurde von Eva Braun gemacht. Wie oft ist sie dorthin gegangen? Ein einziges Mal, hat sie mir versichert. Die einzige Frage, die ich zu stellen vergaß, war nach dem genauen Datum. War es in den Dreißiger Jahren oder während des Krieges? Bis heute ist das nicht bekannt.
Um auf Romy zurückzukommen: Ich kannte sie mit ihrer Offenheit, ihrer Aufrichtigkeit, ihrer intellektuellen Ehrlichkeit, ihrer Rechtschaffenheit, ihrer Strenge und ihrem Schuldbewusstsein in Bezug auf die Geschichte, die sie mit der deutschen Nachkriegsgeneration teilte. Sie hätte NIEMALS, ich wiederhole, NIEMALS ihrer Mutter eine Liaison mit dem größten Verbrecher in der Geschichte verziehen. Sie hätte jeden Kontakt abgebrochen. Und auch ich hätte mich geweigert, sie zu treffen. Dem war aber nicht so.

Haben Sie Beweise, dass Alice Schwarzers Behauptungen falsch sind?
Noch mal: absolut!
1. Man muss sich nur die von Historikern verfassten Biografien über Adolf Hitler anschauen (und nicht von Journalisten auf der Suche nach einem Scoop). Dann die vielen darin zitierten Bücher, die geschrieben wurden. Ein Thema, das in allen Varianten und mithilfe einer Vielzahl von Zeugen untersucht wurde. In dieser Masse an Dokumenten gab es nirgends einen Beleg für eine Liebesbeziehung Hitlers mit einer so bekannten Schauspielerin wie Magda Schneider.
2. Die persönlichen Beweise, dich ich gerade angeführt habe, habe ich aus erster Hand in direktem Kontakt mit der beschuldigten Protagonistin erhalten.
3. Der beste Beweis kommt von Alice Schwarzer selbst, die die Behauptung zurückzieht, indem sie sagt, dass es sich dabei um Einbildung von Romy handelt. Wir sind, wieder einmal, von einer Enthüllung weit entfernt.

Haben Sie Alice Schwarzer persönlich kennengelernt?
Niemals. Während mich die meisten Romy-Biografen kontaktiert haben, hat es Alice Schwarzer nicht für nötig befunden mich anzurufen, um die letzten zehn Jahre von Romys kurzem Leben zu rekonstruieren. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass sie nach Paris gekommen ist, um mit Claude Sautet, Jean-Louis Livi, Michelle de Broca, Raymond Danon, Albina du Boisrouvrais, Jean-Claude Brialy oder Alain Delon zu sprechen – alles wichtige Weggefährten. Nicht zu vergessen ihre Haushälterin Olga und Nadou, die Nanny von unserer gemeinsamen Tochter Sarah. Alles enge Gefährten von Romy, die uns in den letzten zehn Jahren ihres Lebens bis zu ihrem Tod nahe standen.

Nicht nur Alice Schwarzer – auch Michael Jürgs und Jürgen Trimborn haben in ihren Büchern behauptet, dass Magda Schneider mit Adolf Hitler sympathisiert hat. Wie ist Ihre Meinung dazu?
Wenn Sie Biografien über Romy verkaufen wollen, ist es immer gut, der armen Magda etwas anzuhängen, die nicht mehr da ist, um sich zu verteidigen. Die Verbindung ist so einfach, sie hat in Berchtesgaden gewohnt. Hat man sie bei Parteiveranstaltungen gesehen, mit einer Hakenkreuzfahne in ihrer Hand? Niemals! War sie Mitglied der NSDAP? Definitiv nicht. Haben wir außer dem einen Film einen Beleg für diese Idylle? Keinen. Nur zur Erinnerung: Wie viele Millionen Deutsche haben während dieser Zeit mit der Partei sympathisiert? Möge jeder vor seiner eigenen Tür kehren, bevor er solche Anschuldigungen macht.

Wie war das Verhältnis zwischen Romy Schneider und ihrer Mutter in den 1970er Jahren?
Dazu komme ich jetzt: Das Verhältnis war gut, exzellent, glänzend. Entweder sind wir mit der Familie nach Berchtesgaden gefahren, wo wir Romys Bruder Wolfi getroffen haben, oder Magda ist nach Paris gekommen. Wir haben sie dann mit ins Lido genommen und haben im Maxim gespeist. Und wir haben ein zwei Mal im Monat miteinander telefoniert. Romy wurde manchmal etwas lauter, aber das geschah immer mit Wohlwollen. Ich habe mehrmals gesagt, dass Romy zwei Leidenschaften hat: ihren Beruf und ihre Familie.

Wie war Ihr Verhältnis zu Magda Schneider?
Zunächst haben wir uns gegenseitig abgetastet. Doch das änderte sich schnell: Als sie sah, wie glücklich ihre Tochter war und dass ich kein Interesse an ihrer Berühmtheit hatte, wurde ich akzeptiert. Wir haben gute Tage zusammen erlebt. Es war eine glückliche Zeit, in der uns das Leben verwöhnt hat. Nach dem Tod von David und Romy stand mir Magdas Tür jederzeit offen. Ich habe sie zusammen mit unserer Tochter Sarah besucht, doch Kummer und Traurigkeit überwogen die Wiedersehensfreude.

Alice Schwarzer wollte sich auf stern-Anfrage zu den Vorwürfen gegen sie nicht äußern und verweist auf ihr 1998 in Deutschland erschienenes Buch "Romy Schneider: Mythos und Leben", das im September 2018 unverändert, aber ergänzt durch ein aktuelles Vorwort wiederaufgelegt wurde und in Frankreich erstmals erschienen ist.