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Windsors Das Leiden der Royals – Privatsekretärin von Wallis Simpson spricht über ihren Schmerz im Exil

Wallis wusste sich zu inszenieren und war brillant.
Wallis wusste sich zu inszenieren und war brillant.
© Picture Alliance
Johanna Schutz war die Ersatztochter der Windsors. Erstmals spricht sie über das Leben mit dem Paar, das wegen der Liebe auf den Thron verzichtete: "Ich habe ihren Schmerz und ihr Opfer jeden Tag mit angesehen."

Ein Royal geht ins Exil, der Liebe wegen. So könnte man der Megxit von Harry und Meghan zusammenfassen und Trost darin finden, dass so etwas im britischen Königshaus schon mal passiert ist. Edward VIII. verzichtete auf den Thron – aus Liebe zu Wallis Simpson. Damals hätten die Briten die geschiedene Bürgerliche nie als Königin akzeptiert und heute soll die Boulevard-Presse Meghan wegen ihrer Hautfarbe vertrieben haben.

Das ist der Stoff, aus dem die Tränen sind. Und reich an Tränen und Leid war das Leben von Wallis, obwohl oder weil der Geliebte wegen ihr auf alles verzichtet hat. Das sagt zumindest die ehemalige Privatsekretärin der Windsors, Johanna Schutz. Ihr Leben lang blieb sie dem unglücklichen Paar und vor allem Wallis treu, nie hat sie ein Interview gegeben. Und wollte immer die Geheimnisse des Paares bewahren.

Bilder dieser großen Liebe finden Sie in unser Fotostrecke:

Doch Anna Pasternak, der Biografin von Wallis Simpson, vertraute sie sich an. Pasternak habe Wallis Simpson verstanden, urteilte Schutz und sprach mit ihr. Acht Jahre lang war sie Privatsekretärin der Herzogin. Über dieses Gespräch berichtete die Biografin im britischen "Telegraph".

Eine faszinierende Frau

Zu den Windsors kam Schutz 1969, gerade 26 Jahre alt. Für das Vorstellungsgespräch kaufte sie sich eine Perücke in der Galerie Lafayette, um ihre eigene unbändige Mähne zu verstecken. "Ich wusste, dass die beiden so stilvoll waren. Ich dachte, wenn ich schrecklich aussehe, würden sie mich nicht einstellen." Den Kontakt zu dem berühmten Paar hatte ihre Schwester hergestellt, sie arbeitete für einen reichen Bolivianer, einen Bekannten der Windsors.

Schon beim ersten Besuch schwärmte Johanna für Wallis. "Sie hatte einen hypnotischen Charme." Johanna spürte sofort den subtilen Reiz von Wallis, der so viele Männer in ihren Bann geschlagen hatte, obwohl Wallis Simpson eher herb aussah und keineswegs den Idealen ihrer Zeit entsprach. "Sie war nicht schön, aber sie hatte so faszinierende blaue Augen. Der Herzog war höflich und liebenswürdig, aber es war die Herzogin, die brillant war." Sie habe sofort verstanden, warum der Herzog ihr verfallen war. Und auf ihre Art verfiel auch Johanna der Herzogin. Die Zeit, in der Wallis die wildesten erotischen Abenteuer nachgesagt wurden, waren lange vorbei. In den 1930er war sich das FBI sicher, dass sie eine Affäre mit Hitlers Außenminister, Joachim von Ribbentrop, hatte.

Als Johanna zu den Windsors kam, war der Herzog bereits ein alter Mann von 76 Jahren, geplagt von gesundheitlichen Problemen. Die junge Frau war fasziniert, von der Liebe, die die beiden verband. Ob Wallis ging und ob sie wiederkam, stets versicherte der Herzog ihr seiner Liebe. "Diese Liebe zu ihr hielt bis zu seinem letzten Atemzug an. Das hat mich tief beeindruckt".

Eine erdrückende Liebe

Johanna Schutz lebte eng mit den Windsors zusammen, in gewisser Weise nahm sie die Rolle der Tochter ein, die dem Paar versagt geblieben war. Nach dem Tod des Herzogs 1972 wurde die Bindung zu Wallis noch enger. "Ich konnte den Herzog nicht ersetzen, aber ich konnte die Herzogin unterstützen, was mir eine Freude war", sagte sie. "Die Herzogin hatte den besten Koch in Paris, das beste Essen und den besten Wein. Sie war die perfekteste und interessanteste Gastgeberin. Ich hatte eine wunderbare Zeit."

Wallis soll unter der Anbetung durch ihren Mann gelitten haben und wehrte sich. Doch Johanna Schutz beteuert, es habe nie die hässlichen Szenen gegeben, über die die Presse berichtet hat. Wallis soll Edward gedemütigt und geschlagen haben, hieß es damals. "Manchmal stieß sie ihn weg, weil sie von ihm erstickt wurde", gibt Johanna zu. Einerseits war die beiden ein strahlendes Paar, anderseits lebte Wallis Simpson in einem emotionalen Gefängnis. Sie könne verstehen, warum Wallis Simpson Edward zuerst nicht heiraten wollte. "Er hat ihr eine Falle gestellt, keine Frage."

Ende ohne Würde

Edward folgte seiner Liebe, deren Flamme nie erloschj, aber die Erinnerung an all das, was er aufgab, verzehrte ihn. Stets musste Wallis ihn besänftigen. "Ich habe ihren Schmerz und ihr Opfer jeden Tag mit angesehen." Edward selbst litt auch im Alter unter dem Verlust seiner Position und hegte einen stetigen Groll gegen die königliche Familie.

Wallis Simpson kleidete diese bittere Erkenntnis in ein Bonmot. In einer Variation von "you can’t have your cake and eat it" (Du kannst nicht deinen Kuchen behalten und ihn essen) formulierte sie charmant: "You can’t abdicate and eat it." Was in etwa bedeutet: "Du kannst nicht abdanken und die Privilegien behalten." Ein scheinbar leichthin gesagter Satz, der das Drama ihres Lebens zusammenfasste. Erst der Besuch der Königin zehn Tage vor dem Tod des Herzogs soll den alten Schmerz etwas gelindert haben, so Johanna. "Dieser Besuch war heilsam. Er war sehr wichtig, weil der Herzog immer sagte, wie sehr er die Königin liebte."

Nach dem Tod des Herzogs nahmen die Dinge einen fatalen Lauf, zur angestrebten Versöhnung kam es nie. Doch glaubt man Johanna, war das nicht die Schuld von Wallis – und auch nicht die der Royals. Eigentlich wollten die Windsors, dass all ihr Besitz nach Britannien zurückkehren würde. "Ich hatte eine Kopie des Testaments."

Doch dazu kam es nicht. Die Anwältin von Wallis, Maître Suzanne Blum, habe eine unheilvolle Macht über die Herzogin gewonnen und soll ihre Angst vor Armut geschickt geschürzt haben.

Blum sorgte dafür, dass der Besitz zu einem großen Teil an das Pasteur-Institut ging. Selbst die intimen und leidenschaftlichen Liebesbriefe des Paares machte die Anwältin zu Geld.

In Großbritannien hat der Verkauf der königlichen Juwelen zugunsten eines französischen Instituts eine ungeheure Wut gegen Wallis entfacht.

Schutz beteuert, dass die Herzogin damals schon vollkommen hilflos gewesen sein. Die Anwältin soll sie eingesperrt haben, sie von ihren Freunden isoliert und dafür gesorgt haben, dass die schwer kranke Frau kein neues Testament machen konnte. Für Blum wollte Schutz nicht arbeiten. 1978 beendete sie ihr Dienst. Wallis lebte noch acht Jahre. Krank und unfähig ihre Umgebung bewusst wahrzunehmen. "Sie hat so viel gelitten. Es war herzzerreißend für mich", sagte Schutz. Einen Vergleich zwischen Meghan, der ehemaligen Schauspielerin, und ihrer Herrin weist sie brüsk zurück: "Meghan kommt der Herzogin weder stilistisch noch von der Raffinesse her auch nur nahe."

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