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US-Einreiseverbot: So leidet Enissa Amani unter Donald Trumps Dekret

Sie lebt in Deutschland seit sie ein Jahr alt ist. Obwohl Enissa Amani den deutschen Pass besitzt, ist die Komikerin von Donald Trums Einreiseverbot betroffen. In einem bewegenden Facebook-Posting erzählt sie ihre Geschichte.

Enissa Amani

Die Komikerin Enissa Amani wurde 1985 in Teheran geboren.

Er ist erst seit wenigen Tagen im Amt, doch die verheerenden Auswirkungen von Donald Trumps Politik treten schon jetzt deutlich zutage. Insbesondere das von dem US-Präsidenten unterzeichnete Einreisedekret gegen Bürger verschiedener islamischer Staaten betrifft auch hierzulande viele Menschen. Wie ungerecht und absurd die Regelung ist, hat die Komikerin in einem bewegenden Facebook-Posting aufgeschrieben. Amani wurde 1985 in Teheran geboren. Doch schon bald musste ihre Familie aus politischen Gründen die islamische Republik verlassen. So kam sie einjährig nach Deutschland, machte in Frankfurt Abitur und studierte Jura und Literatur.


Obwohl sie hier aufgewachsen ist und perfekt Deutsch spricht, konnte sie erst mit 18 Jahren die deutsche Staatsangehörigkeit beantragen. Bis dahin besaß sie einen sogenannten "Fremdenpass", in dem sie "staatenlos" eingestuft wurde. Vor allem auf Klassenfahrten sei ihr das Dokument immer peinlich gewesen: "Deutschland hatte uns aufgenommen, uns das Leben gerettet und war zu meiner Heimat geworden, nur dieses blöde Dokument schien trotzdem immer zu sagen, nein, du gehörst trotzdem nirgendwo wirklich hin", erinnert sich Amani auf Facebook.

Der Erhalt der deutschen Staatsangehörigkeit schien Enissa Amanis Schwebezustand beendet zu haben. Doch kurz darauf erfuhr sie, dass jedes fremde Land nach eigenen Gesetzen und abhängig von den jeweiligen diplomatischen Beziehungen entscheiden könne, ob Amani Deutsche oder Iranerin sei. Denn der Iran gehört zu den wenigen Ländern auf der Welt, die ihre Bürger niemals aus der Staatsbürgerschaft entlassen.

Enissa Amani ist von Donald Trumps Dekret betroffen

Damit fällt die 31-Jährige auch unter Trumps Einreiseverbot. Für Amani hat das konkrete berufliche Konsequenzen. Direkt an Trump gewendet schrieb sie: "Meine kleine Amerika Stand Up Tour im April, auf die ich so stolz war, ist nun geplatzt, weil Sie zwischen zwei Orange-Colorationen beschlossen haben, uns zur Gefahr zu erklären?", schreibt die Deutsch-Iranerin entsetzt auf . Und denkt dabei nicht nur an sich: "Scheiß auf den Stand Up. Was ist mit der Menschlichkeit? Millionen Iraner, Irakern, Libyer, Jemeniten, Syrer, Somalier und Sudanesen und auch alle, die eine zweite Staatsbürgerschaft besitzen, sind also pauschal eine Gefahr?"

Enissa Amani beschließt ihren eindringlichen Beitrag mit einem Appell an den US-Präsidenten: "Wir alle sehnen uns schmerzhaft nach politischen Figuren mit der Weisheit eines Gandhi, eines Martin Luther King, eines Mandelas, eines Lincoln oder eines Salah ad-Din und müssen uns jetzt mit Dir Affen rumschlagen - bitte, lass es einfach."


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