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Verhandlungstermin: Vom Dschungelcamp in den Gerichtssaal - Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink geht weiter

Wenn sie aus dem Dschungelcamp zurück kommt, wird Gina-Lisa Lohfink von der Realität eingeholt: Das Berliner Kammergericht hat für den 10. Februar einen Gerichtstermin angesetzt. Dabei geht es auch um die 20.000 Euro Geldstrafe.

Dschungelcamp 2017 - Gina-Lisa Lohfink

Im Dschungelcamp äußerte sich Gina-Lisa Lohfink bislang nur ausweichend zu ihrem Prozess.

Der meistdiskutierte Gerichtsprozess des vergangenen Jahres nimmt eine interessante Wendung. Gina-Lisa Lohfink, 30, derzeit als Kandidatin der RTL-Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" im australischen Dschungelcamp unter Dauerbeobachtung, geht in Revision. Wir erinnern uns: Lohfink wurde im August 2016 vor dem Amtsgericht Berlin Tiergarten zu einer Strafzahlung von 20.000 Euro verurteilt. Die Richterin ist überzeugt, Lohfink habe im Jahr 2012 zwei Männer fälschlich der Vergewaltigung verdächtigt.

Lohfinks Anwalt Burkhard Benecken ging im Herbst in Revision: Dabei wird eine Instanz übersprungen und gleich vor dem Kammergericht Berlin verhandelt - allerdings werden nicht etwa noch einmal Zeugen aufgerufen um Tatsachen festzustellen, sondern das Urteil wird auf Rechtsfehler geprüft. Meist wird das Verfahren nur schriftlich geführt.

Im Fall Gina-Lisa Lohfink ordnet das Kammergericht einen neuen Termin an

Doch in diesem Fall gibt es nun - für viele überraschend - einen Gerichtstermin: Am 10. Februar vor dem Kammergericht Berlin. Ein Grund für die Verhandlung könnte die große Öffentlichkeitswirkung gewesen sein, die der Gerichtsprozesses entwickelte. Möglicherweise möchte man Transparenz schaffen. Falls dem so ist, wäre das ein äußerst fairer Zug des Kammergerichts. 

Anwalt Benecken rügte in einem auf über 50 Seiten erläuterten Antrag auf Revision des Urteils "formelle wie materielle Rechtsverletzungen", unter anderem, dass mehrere Befangenheitsanträge der Strafverteidiger gegen die für den Fall zuständige Richterin abgelehnt wurden und dass Lohfink nach Auffassung ihres Anwaltsteams bei ihrer Vernehmung durch die Polizei den Vorwurf der Vergewaltigung gar nicht erhoben habe.

Es geht auch um die Geldstrafe von 20.000 Euro

Wichtiger Punkt: die Höhe der Geldstrafe. "Da wurde einfach ihr Einkommen auf Basis möglicher bevorstehender Einkünfte geschätzt, obwohl sie einen Einkommensnachweis vorgelegt hat", kritisiert Benecken.

Zumindest im letzten Punkt ist die Generalstaatsanwaltschaft der Revision beigetreten und fordert die "Aufhebung des Rechtsfolgenausspruches" - anders ausgedrückt: die Aufhebung der Geldstrafe von 20.000 Euro. Das Team Lohfink will naturgemäß mehr, nämlich die Aufhebung des Schuldspruchs wegen falscher Verdächtigung. Es gibt am 10. Februar offenbar einiges zu klären.

Lohfink äußert sich vor dem Einzug ins Dschungelcamp

Gina-Lisa Lohfink selbst ließ dem stern vor ihrem Einzug ins Dschungelcamp ausrichten: "Ohne Anwalt sage ich nichts mehr zu dem Prozess. Nur soviel - ich glaube nach wie vor an Gerechtigkeit und vertraue dem Kammergericht in Berlin." Ihr Anwalt Benecken erwartet sich von der Verhandlung vor allem "kühle Köpfe und Besonnenheit". Und weiter: "Wir hoffen auf eine gerechte Entscheidung, die die verheerende Signalwirkung des amtsgerichtlichen Urteils korrigiert."

Die Revisionsverhandlung am 10. Februar ist öffentlich. Dass Lohfink selbst zu dem Termin erscheint, ist nicht zwingend. "Auch, ob sie die Kraft haben wird, an der Revisionsverhandlung in Berlin teilzunehmen, ist noch unklar", erklärt Benecken. "Wir werden das in aller Ruhe nach ihrer Rückkehr aus dem Dschungel besprechen."

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