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Frühere Epstein-Vertraute Ghislaine Maxwell vor Gericht: Darum geht es in der ersten Anhörung


Seit ihrer Festnahme sitzt Ghislaine Maxwell in Untersuchungshaft. Die 58-Jährige soll bei den Verbrechen von Jeffrey Epstein eine entscheidende Rolle gespielt haben. Nun muss Maxwell erstmals vor Gericht erscheinen.

Es gibt wohl kaum eine Anhörung, die in jüngster Zeit mit größerer Spannung erwartet wurde: Um 13 Uhr Ortszeit (19 Uhr MEZ) wird Ghislaine Maxwell erstmals vor einem New Yorker Gericht erscheinen. Die frühere Vertraute des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein war Anfang Juli im US-Bundesstaat New Hampshire festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Maxwell gehörte laut Staatsanwaltschaft zu Epsteins "engsten Verbündeten" und spielte eine "entscheidende Rolle" bei seinen kriminellen Machenschaften.

Zu ihrer ersten Gerichtsanhörung wird sie aufgrund der Corona-Maßnahmen nicht persönlich erscheinen, sondern soll per Videostream aus ihrer Zelle in den Gerichtssaal geschaltet werden. Richterin Alison Nathan will ihr dann offiziell die Anklage vorlesen, die sich auf sechs Punkte bezieht, darunter Verführung Minderjähriger zu illegalen Sexhandlungen und Meineid.

Die Fälle sollen sich laut Staatsanwaltschaft in den Jahren 1994 bis 1997 ereignet haben. Der Missbrauch von Frauen und Mädchen, von denen eines nur 14 Jahre alt gewesen sein soll, habe hauptsächlich in Epsteins Anwesen in New York, Palm Beach und Santa Fe, sowie in Maxwells Wohnsitz in London stattgefunden. Auf jede der Anschuldigungen stehen jeweils Höchststrafen von fünf bis zehn Jahren, insgesamt drohen Maxwell bis zu 35 Jahre Haft. Der eigentliche Prozess wird wohl erst im kommenden Jahr beginnen.

Kommt Ghislaine Maxwell auf Kaution frei?

Bei der Anhörung geht es unter anderem darum, ob Ghislaine Maxwell gegen Zahlung einer Kaution von fünf Millionen Dollar aus der Untersuchungshaft entlassen wird, was ihre Anwälte fordern. Sie bieten als Sicherheit sechs Geschäftspartner, die für die Summe bürgen, sowie ein Anwesen in Großbritannien im Wert von 3,75 Millionen Dollar. Zudem soll die 58-Jährige ihre Pässe abgeben und sich mit einer Fußfessel in eine New Yorker Wohnung zurückziehen.

Ghislaine Maxwell
Ghislaine Maxwell im Oktober 2016 bei einem Event in New York
© Sylvain Gaboury/Patrick McMullan / Getty Images

Maxwell besitzt einen britischen, einen französischen und einen US-Pass. Die Staatsanwaltschaft hat Sorge, dass sie sich nach Frankreich absetzen könnte und ein zweiter Fall Polanski droht, denn das europäische Land liefert grundsätzlich keine Staatsbürger aus. Regisseur Roman Polanski war 1977 nach Frankreich geflohen, nachdem ihm in den USA eine Haftstrafe wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen bevorstand.

Um zu untermauern, dass bei Ghislaine Maxwell ebenfalls eine große Fluchtgefahr bestehe, haben die Staatsanwälte eine Antrag eingereicht, in dem sie mehr Details zu Maxwells Festnahme am 2. Juli bekannt geben. Demnach soll sich die 58-Jährige gegen die Festnahme durch das FBI gewehrt haben. "Die Agenten sahen, wie die Angeklagte die Anweisung zum Öffnen der Tür ignorierte und stattdessen versuchte, in einen anderen Raum des Hauses zu fliehen, wobei sie schnell eine Tür hinter sich schloss", heißt es in dem Schreiben. Die Ermittler mussten die Tür eintreten, um sie festzunehmen. 

Zudem sei ein in Alufolie gewickeltes Mobiltelefon gefunden worden. So habe Maxwell verhindern wollen, dass die Strafverfolgungsbehörden sie orten können. Außerdem vermuten die Staatsanwälte, dass die frühere Epstein-Komplizin im Ausland mehrere Bankkonten mit einem Millionenguthaben besitzt.

Dass Ghislaine Maxwell nach ihrer ersten Anhörung gegen Kaution auf freien Fuß kommt, wollen die Staatsanwälte mit aller Macht verhindern.

Quellen: "New York Times", "Forbes"

jum

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