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Meinung

Megxit: Die Queen lässt Harry und Meghan los - aber nicht vom Haken

Harry und Meghan haben sich von den royalen Fesseln befreit. Geben mussten sie dafür nur ihren Titel "Königliche Hoheit". Doch so einfach ist es keineswegs. Die offiziellen Statements zeigen: Die Queen lässt die "Sussexes" nicht vom Haken.

Nun sind sie also wirklich raus aus der königlichen Familie. Harry und Meghan müssen quasi bei der Ausreise ihre Krönchen abgeben und dürfen die Queen und damit auch Harrys Heimatland nicht mehr offiziell repräsentieren. "Harry und Meghan, Herzog und Herzogin von Sussex", werden sie sich künftig nur noch nennen dürfen, ohne das königliche Gütesiegel "HRH" vor dem Namen, keiner muss mehr vor ihnen knicksen oder einen Diener machen. Die Plätze Nummer sechs und sieben in der britischen Thronfolge für Harry und Archie bleiben aber zunächst erhalten.

Aber es ist noch kein Scheidungsurteil, sondern erstmal eine Trennung auf Probe, die offiziell im Frühling beginnt. Nach einem Jahr wird Elisabeth II. sich mit ihren beiden Thronfolgern, den Prinzen Charles und William, dazu mit Harry nochmal ganz pragmatisch hinsetzen und Revue passieren lassen, wie es bisher so gelaufen ist. Denn auch, wenn man auf den ersten Blick glauben könnte, dass die aufmüpfigen Sussexes alles bekommen haben, was sie wollten, der Knackpunkt in der gestern Abend veröffentlichten königlichen Verlautbarung liegt in dem Satz, es gelte, die "Werte der Monarchin hoch zu halten".

Keineswegs freie Hand für Harry und Meghan

Das heißt konkret: Keine lukrativen Markenbotschafterrollen mit irgendwelchen Mode- oder Lifestylefirmen für Meghan, keine großen Deals, die es erlauben würden, das Label "SussexRoyal" in großem Stil zu monetarisieren. Erlaubt sind dagegen Fundraising-Aktivitäten rund um die Wohltätigkeitsprojekte, die Harry und Meghan sich selbst aufgebaut oder ausgesucht haben, wie die "Invictus Games" mit invaliden Kriegsveteranen, "Sentebale", ein Projekt des Prinzen, das sich für Aids-Waisen im afrikanischen Lesotho einsetzt, oder Frauenprojekte wie Meghans "Smart Works"-Initiative.

Auch hatte sie erst im Januar  2019 die Schirmherrschaft für das National Theatre in London von Königin Elisabeth übernommen. Ob sie diese Funktion weiter ausfüllen kann und will, wird sich wohl im Laufe dieses Jahres zeigen. Beide bleiben im Vorstand der Königlichen  Commonwealth Stiftung, den Posten als Commonwealth Jugend-Botschafter muss Harry aber abgeben, weil er ja seine Großmutter künftig nicht mehr öffentlich vertreten darf.

Daher tritt er auch von allen seinen militärischen Posten und Ehrentiteln zurück.

"Progressive Rolle im Königshaus" nicht zugestanden

Anders als geplant, können die beiden nun nicht so leicht ein substanzielles Vermögen machen, um auf hohem Niveau finanziell unabhängig zu werden, und eine "progressive Rolle innerhalb des Königshauses" wird ihnen auch nicht zugestanden, wie noch in ihrem ersten Statement vor zehn Tagen auf den digitalen SussexRoyal-Plattformen angekündigt. Angebote wie das vom Streaming-Dienst-Netflix über eine Zusammenarbeit werden die abtrünnigen Royals ablehnen müssen, wenn sie keinen Ärger mit dem Buckingham-Palast bekommen wollen.

Dass Meghan noch im Dezember für die Filmfirma Disney Sprecher-Aufnahmen für einen Naturfilm gemacht hatte, war schon hart an der Grenze dessen, was die Königin bereit war, von einem Familienmitglied zu akzeptieren. Und dass Harry demnächst für Apple TV in Zusammenarbeit mit US-Talkshow-Star Oprah Winfrey - einer langjährigen Freundin von Meghan - als Produzent für eine TV-Dokumentation über vom Aussterben bedrohte Elefanten fungieren wird, fällt auch in eine Grauzone.

Prinz Charles wird wohl Unterhalt privat zahlen

Dafür wird es weiterhin Unterhaltszahlungen in unbekannter Höhe geben, nicht vom britischen Steuerzahler, aber vom Prinzen von Wales, die dieser wahrscheinlich aus seiner Privatschatulle entnimmt, um seinem jüngeren Sohn und dessen Familie ein standesgemäßes Leben zu sichern. Die Renovierungskosten für den Wohnsitz Frogmore Cottage (den sie offenbar behalten möchten für ihre künftig immer seltener werdenden England-Aufenthalte) in Höhe von fast 2,5 Millionen Euro wird das junge Paar dem britischen Staat allerdings erstatten müssen. Außerdem sollen sie künftig ortsübliche Miete und Unterhaltungskosten für das Herrenhaus im Windsor Great Park an ihre Vermieterin, die Monarchin, zahlen.

Ungeklärt ist weiterhin, wer die Security-Kosten in geschätzten 2 Millionen Euro Höhe jährlich übernimmt, denn auch in Kanada gibt es sowohl rücksichtslose Paparazzi als auch gefährliche Verrückte, die die junge Familie verfolgen und bedrohen könnten, daran ändert der herabgestufte königliche Status nichts. Verhandlungen dazu laufen sowohl bei der kanadischen als auch bei der britischen Regierung. Man kann sich von seinen öffentlichen Pflichten zurückziehen, doch damit schwindet nicht automatisch die Prominenz und das öffentliche Interesse, es wäre naiv, etwas anderes anzunehmen.

Funktioniert das alles für Harry?

Nach aktuellen Bildern von Meghan aus Kanada zu schließen, wo sie in den letzten Tagen einige Frauen-Hilfsprojekte besucht hat, könnte sie unter diesen neuen Vorzeichen tatsächlich aufblühen. Ob das auch für ihren Mann funktioniert, der ihretwegen seine geliebte Großmutter massiv vor den Kopf gestoßen und sich von Krone und Vaterland getrennt hat, bleibt abzuwarten.

Vielleicht sollte sie ihn in den nächsten Monaten dann einfach mal fragen, ob er "ok" ist ...

  • Catrin Bartenbach
    Catrin Bartenbach