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Royale Verwandlung Herzogin Kates Biederkeit war ein cleverer Schachzug auf dem Weg zum Thron

Herzogin Kate
Herzogin Kate ist die Hoffnungsträgerin der britischen Monarchie
© Doug Peters / Imago Images
Hübsch, nett, unscheinbar – so hatte ich Herzogin Kate abgespeichert. Doch in den vergangenen Monaten hat sich die künftige Königin verwandelt. Gott sei Dank.

An Heiligabend läuft "Royal Carols – Together at Christmas", ein Konzert ausgerichtet von Herzogin Kate, über die Fernsehbildschirme auf der Insel. Zu sehen ist die Herzogin von Cambridge, als sie Sänger Tom Walker am Piano begleitet. Sie wirkt konzentriert, aber sie lächelt.

Eine Szene, die es vor zehn Jahren nie gegeben hätte. Und die ich ihr, als Beobachterin, nicht zugetraut habe.

Ich gebe zu: Ich war nie ein Kate-Fan. Biederer Style, zurückhaltendes Wesen, (scheinbar) keine eigene Meinung – all das wirkte auf mich wie aus der Zeit gefallen. Eine moderne royale Lady stelle ich mir wie Königin Máxima der Niederlande oder Königin Letizia von Spanien vor: meinungsstark, souverän vor der Kamera, klare Agenda. Kate ist perfekt, aber Perfektion ist langweilig. 

Risse in der Perfektion: Herzogin Kate erlaubt sich, ihre menschliche Seite zu zeigen

Ihre Auftritte absolviert Kate, die sich auch Prinzessin William von Wales nennen darf, in der Vergangenheit makellos. Sie zeigt sich zugewandt, seriös und empathisch. Aber nie zu neugierig oder gar aktivistisch. Öffentliche Reden sind von der dreifachen Mutter rar gesät. Interviews noch seltener. Es ist vor allem Prinz William, der das Sprachrohr des Paares ist. Kate steht an seiner Seite, lächelt, schweigt. Würde sie sich nicht bewegen, wäre sie eine hübsche Statue.

Aber es gibt auch Brüche in der perfekten Fassade. Denn Kate ist vor allem eins: Mama. Zeigt sie sich mit ihren drei Kindern, offenbart sich die private Seite der glamourösen Herzogin. Sie ist lustig, spontan, aber auch streng. Als Nesthäkchen Louis am Rande eines Polo-Turniers wegläuft, rennt sie kurzerhand hinterher. Prinz George bekommt dagegen eine Standpauke, als er bei der Hochzeit seiner Tante Pippa Quatsch macht. Doch im "Beruf" zaudert die Millionärstochter lange.

Kate Middleton – die Millionärstochter wählt ihre Zukunft

Einige Jahre ist nicht klar, welcher Themen sich die Herzogin von Cambridge annehmen wird. Es heißt bei vielen britischen Royal-Experten, dass sie sich in Ruhe und in der Tiefe informieren wollte. Zu wichtig ist die Wahl, die ihre Zukunft im Königshaus bestimmen wird. Sie entscheidet sich für die Entstigmatisierung von mentalen Problemen und frühkindliche Entwicklung.

Ihr Engagement – auch wenn es direkt von Herzen kommt – bleibt anfangs gewohnt zurückhaltend und distanziert. Und dann kommt der Motor Meghan Markle. Resümierend lässt sich sagen, dass Prinz Harrys Frau etwas Bewegung in die verstaubte Monarchie gebracht hat. Auch in Kate.

Die "Konkurrenz" sorgt dafür, dass sie mutiger wird. 2019 gibt sie ihr erstes TV-Interview nach der Verlobung neun Jahre (!) zuvor. Mit CNN-Reporter Max Foster spricht sie am letzten Tag ihrer Reise mit William nach Pakistan über die dortigen SOS-Kinderdörfer. Nervös, aber mit Nachdruck. Sie positioniert ihre Herzensangelegenheit im Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Mit mehr Selbstvertrauen und größerer Präsenz startet die Herzogin von Cambridge in ihr wichtigstes Lebensjahrzehnt

Vor der Kamera zu sprechen, wird wohl nicht mehr die Lieblingsaufgabe der attraktiven Brünetten. Aber sie traut sich mehr zu, hat – nicht erst durch Meghan – realisiert, dass die Medien und ein souveräner Umgang mit ihnen zum royalen Auftreten heutzutage dazugehört. 

Kate beweist Cleverness, dass sie sich trotz anfänglicher Kritik, sie arbeite zu wenig, Zeit genommen hat, um ihre Projekte sorgfältig auszuwählen und vorzubereiten. Jetzt zahlt es sich aus, denn ihr Engagement mit der Initiative "Early Years" ist langfristig angelegt und soll einen echten Effekt haben. Sie wird Kates Profil schärfen, wenn sie im kommenden Lebensjahrzehnt in die Fußstapfen der Schwiegermutter tritt, die sie nie getroffen hat. Denn nach Diana wird sie höchstwahrscheinlich die nächste Frau sein, die den Titel Prinzessin von Wales führt. Kate und William erinnern immer wieder an seine verstorbene Mutter, aber mit Feingefühl und viel Ehrerbietung. Und vor allem: ohne Druck auf Kate auszuüben, sich mit Diana messen zu müssen. 

Es ist bewundernswert, wie die introvertierte Kate mit und an ihren Aufgaben gewachsen ist. Dabei ist der Rückhalt von William und ihrer Familie nicht zu geringzuschätzen. Der Prinz kennt den royalen Zirkus, das Spiel mit den Medien und die Privilegien und Einschränkungen, die mit einem Leben als Royal kommen. Die Middletons wiederum bieten ihrer ältesten Tochter einen Zufluchtsort weitab der Palastmauern. 

Ja, Kate wird niemals eine extravagante und extrovertierte Frau sein. Meine veränderte Meinung von ihr hängt sicherlich auch damit zusammen, dass sie sich immer wohler bei großen Events und vor den Kameras fühlt. Mit 40 ist Kate angekommen. Unaufgeregt, bestens vorbereitet und charmant. Womöglich ist das auch genau richtig so.


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