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Jodie Fosters Golden-Globes-Rede: Tränen nach dem Fast-Outing

Gäbe es einen Golden Globe für die bewegendste Rede, hätte Jodie Foster neben dem Preis fürs Lebenswerk auch den im Arm gehalten. Die 50-Jährige rührte das Publikum zu Tränen.

Von Sophie Albers

Kraftstrotzend, sehr wach und sehr gut gelaunt hat Jodie Foster Sonntagnacht die Bühne der Golden Globes erklommen, sich von "Ironman" Robert Downey Jr. den Cecile-B.-DeMille-Preis fürs Lebenswerk überreichen lassen und mit ihrer Dankesrede mal eben das Star-gespickte Publikum erobert. Lachen und Weinen lagen plötzlich sehr nahe beieinander.

Was mit einem Witz übers Alter begann - schließlich scheint 50 so jung fürs Lebenswerk - wurde zu einem formvollendeten, allumfassenden Danke für eine Karriere, die schon 47 Jahre zählt. Foster war ein Kleinkind, als sie das erste Mal vor der Kamera lächelte. Dass sie bis heute erfolgreich, offensichtlich unbeschadet und als Herrin ihrer Selbst in Hollywood unterwegs ist, macht sie zu einer raren Überlebenden des gefrässigen Starsystems.

"Ich bin Single!"

Fosters nächster Witz, der großräumig zum Aufhänger der Berichterstattung wurde, war ein girlandenmäßig verschlungenes Quasi-Outing. Weil sie sich schon vor 1000 Jahren, "in der Steinzeit", als homosexuell geoutet habe, werde sie das an diesem Abend nicht tun, so die Schauspielerin, die mit Filmen wie "Taxi Driver" berühmt geworden ist und zuletzt im genialen "Der Gott des Gemetzels" zu sehen war.

Lieber sprach sie über den Respekt der Privatsphäre, die für Menschen wie sie, die fast ihr ganzes Leben im Scheinwerferlicht verbracht haben, so wichtig sei. Verpassen würde das Publikum auch nichts, beruhigte sie die Zuhörer: "Meine Realityshow wäre so langweilig! Ich müsste Daniel Craig den Hintern versohlen, um auf Sendung zu bleiben", scherzte sie. "Eines Tages werden die Menschen zurückblicken und sagen, wie schön das Private doch war."

Tränen liefen schließlich, als Foster sich bei ihrer Familie bedankte, zu der sie auch alte Wegbegleiter zählt, wie ihre Agentin, mit der sie bereits 38 Jahre zusammenarbeite. Auch ihrer Ex-Partnerin Cydney Bernard zollte sie Respekt, bejubelte die gemeinsamen Söhne, die im Publikum strahlten und dankte schließlich ihrer Mutter, die an diesem Abend vieles nicht verstehen werde, die jedoch nur einen Satz verstehen müsse: dass ihre Tochter sie liebe. Sie sei eine großartige Mutter gewesen.

Karriere-Ende?

Für ein wenig Angstschweiß sorgten Fosters Ausführungen darüber, dass sie etwas "verpeilt" sei, weil dieser Abend das Ende von etwas Altem und den Beginn von etwas Neuem bedeute. Man müsse Veränderungen lieben, so die Schauspielerin. Von nun an werde sie in anderer Funktion zu ihrem Publikum sprechen. Sofort machte nach der Rede das Gerücht die Runde, dass Foster ihre Karriere aufgeben wolle. Doch klärte sie die aufgeregten Reportern backstage lachend auf: Nein, sie habe nicht vor, in Rente zu gehen. Von der Filmemacherei könne man sie nicht wegzerren. Am liebsten würde sie morgen schon wieder Regie führen, zitiert "ABC News" die 50-Jährige.

Sie wolle etwas zurücklassen, hatte Foster schon in der Rede gesagt. "Menschen berühren, indem man selbst berührt ist", beschrieb sie es und endete mit einem gleißenden "Auf die nächsten 50!", bevor sie die Bühne verließ.