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Klassik und Filmmusik: Promi-Geburtstag vom 23. März 2019: Michael Nyman

Er ist der vielleicht populärste Avantgardist unter den klassischen Komponisten. Bekannt wurde Michael Nyman vor allem durch seine Filmmusik.

Michael Nyman

Michael Nyman wird 75. Foto: Estela Silva/LUSA

Welche Musik würde Michael Nyman mit auf die einsame Insel nehmen? Eine bunte Mischung ist es auf jeden Fall.

Der britische Komponist verriet der BBC, dass er Mozart und Gustav Mahler ebenso im Gepäck hätte wie Bob Dylan, Duane Eddy und natürlich den Barock-Komponisten Henry Purcell, an den Nyman mit seinen eigenen Arbeiten unmittelbar anknüpft.

Ähnlich vielschichtig wie seine Insel-Musik ist Michael Nymans Werk selbst: Auf der einen Seite stehen Opern, Kammermusik und Chorwerke, auf der anderen Seite ist der Musiker auch ein äußerst brillanter und populärer Filmkomponist. Heute wird er 75 Jahre alt.

Allein seine Musik zu Jane Campions Welterfolg «Das Piano» (1993) wurde rund 3 Millionen Mal verkauft. Das Drama sei für seine Entwicklung als Soundtrack-Komponist wichtig gewesen, sagte Nyman dem «Guardian»: «Durch 'Das Piano' habe ich mein Repertoire erweitert. Ich bin spontaner geworden.»

Und doch hadert der Brite mit seiner Karriere, fühlt sich ausgegrenzt und als klassischer Komponist nicht wirklich ernst genommen: Im BBC-Interview beklagte er die fehlende Akzeptanz durch das Musik-Establishment und macht dafür unter anderem seine Popularität als Filmkomponist verantwortlich. Er fühle sich wie einer «Twilight Zone», meint er.

Nyman wurde am 23. März 1944 im Osten von London geboren. Er besuchte die Royal Academy of Music und das King's College. Zuerst arbeitete er jahrelang als Musikkritiker und prägte dabei den Begriff «Minimal Music» - eine Kategorie, die er später in seinen eigenen Werken umsetzte.

In den 1970er Jahren wurde Nyman selbst kompositorisch tätig, schrieb zuerst allerdings nur für seine Band, mit der er seine eigene Klangmusik entfaltete. Bekannt machte ihn schließlich die markante und eingängige Musik für den Spielfilm «Der Kontrakt des Zeichners» (1982) von Peter Greenaway.

Mit ihm teilte sich Nyman die Leidenschaft für die akkumulative Wiederholung von Motivreihen. Die ideale Projektionsfläche für die Wiederholungsmuster seiner Minimal Music.

«Der Kontrakt des Zeichners» bildete den Auftakt zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit, die aber knapp zehn Jahre später mit «Prosperos Bücher» (1991) abrupt enden sollte. Sie seien nie enge Freunde gewesen, erzählte Nyman im BBC-Interview, aber sie hätten ihre gegenseitige Arbeit respektiert. Als er aber «Prosperos Bücher» gesehen habe, hatte er den Eindruck, dass Greenaway «die Musik nicht nicht mit dem Respekt behandelt hat, wie er es bis dahin getan hatte.» Und das war es dann auch...

Im Oscar-Rennen war Michael Nyman nie, aber mit der Musik zu «Das Piano», zum Science-Fiction-Film «Gattaca» (1997) und zur Verfilmung des Graham-Greene-Romans «Das Ende einer Affäre» (1999) war er immerhin für den Golden Globe nominiert. Er schrieb auch den Soundtrack zu Volker Schlöndorffs «Der Unhold» (1996) und zuletzt zur Dokumentation «McQueen» (2018)

Nyman widmete sich auch immer wieder unkonventionellen Projekten. So schrieb er beispielsweise den Soundtrack für das Videospiel «Enemy Zero» und untermalte mit seinen Kompositionen eine Modeschau des Designers Yohji Yamamoto. Auch als Experimentalfilmer ist Michael Nyman seit den 60er Jahren immer wieder in Erscheinung getreten.

Das nächste Konzert steht auch schon an: Am 30. März tritt der Brite mit kleinem Orchester und Hilary Summers beim Festival della Bellezza in Verona auf. Hier führt er seine vielen Welten zusammen. Neben «Der Kontrakt des Zeichners» bringt er auch «War Work: 8 Songs with Film» zur Aufführung.

Der Film «War Work» basiert auf Archivmaterial aus Frankreich, Deutschland und den USA und zeigt schockierende Bilder von Verwundeten aus dem Ersten Weltkrieg.

dpa