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Oliver Kalkofe wird 50: "Ich bin meinem Schicksal dankbar"

Seit mehr als 20 Jahren ist Oliver Kalkofe der schlimmste Scharfrichter des deutschen Fernsehens. Kurz vor seinem 50. Geburtstag blickt er zurück - und bekennt: Komiker geworden zu sein, sei der richtige Weg gewesen.

Komiker Oliver Kalkofe vermisst viele seiner Kindheitshelden

Komiker Oliver Kalkofe wird 50 - und ist noch immer unglücklich ins TV verliebt

Komiker Oliver Kalkofe macht es zu schaffen, dass immer mehr seiner Kindheitshelden sterben. "Blackys Tod ging mir persönlich ganz besonders nahe", sagte Kalkofe über den Verlust seines guten Freundes Joachim Fuchsberger im vergangenen Jahr.

"Aber auch Stars und Ikonen, die ich nicht persönlich gekannt habe - egal ob "Winnetou" Pierre Brice, Leonard Nimoy alias "Mr. Spock" oder Patrick MacNee alias John Steed." MacNee war in den 60er Jahren einer der zwei Hauptdarsteller der Kultserie "Mit Schirm, Charme und Melone" gewesen.

"Alles Menschen, mit denen ich aufgewachsen und groß geworden bin. Einer nach dem anderen macht das Licht aus. Da merkt man schon: Auch Deine Zeit ist begrenzt. Und Du hast über die Hälfte hinter Dir." 

"Fürs Fernsehen überhaupt nicht mehr interessant"

Kalkofe wird am Samstag 50 Jahre alt. Er ist immer noch unglücklich ins TV verliebt. Ein komisches Gefühl sei das, sagte er. "Denn ich bin ja jetzt eigentlich für das Fernsehen überhaupt nicht mehr interessant. Ich bin jetzt ja herausgewachsen aus der werberelevanten Zielgruppe 14-49 und darf gerade mal noch ein bisschen am Rande mitgrasen." 

Bei der Berufsberatung in Niedersachsen haben sie ihm damals gesagt, er solle Schifffahrtskaufmann werden. Über Umwege wurde er dann doch lieber Kritiker. Seine Parodien von TV-Müll - entwickelt für Radio ffn, später zu sehen auf Premiere, heute als "Kalkofes Mattscheibe Rekalked" bei dem Nischensender Tele 5 im Programm - haben Kalkofe eine treue Fangemeinde beschert: Leute, die ihn dafür lieben, dass er ständig "Scheiße" und "Arschgesicht" sagt. Sicher vor ihm ist keiner, der sich ins TV traut - von der christlichen Bastelgruppe über den "Burger King"-Manager bis zu Ex-Bundespräsident Christian Wulff.

Die Lösung ist so einfach

Zornig wird er, wenn Schund frech als Qualitätsware verkauft wird. "Alles was irgendwie mit Innovation und neuen Wegen zu tun hat, wird gemieden, als wäre es eine Krankheit", beklagt er. "Und dann macht man einen teuren, cool aussehenden Vorspann mit irgendeiner schicken modernen Chart-Musik darunter und will damit den Eindruck erwecken, dass auch die letzte Tüte Müll, die man den Leuten vor die Füße geschüttet hat, ein Drei-Sterne-Gericht sein soll."

 Das sei "ein ganz trauriger Weg", der da beschritten werde. Dabei sei die Lösung doch so einfach: "Ich würde mir einfach mal wünschen, dass bei den Sendern Menschen wieder etwas machen, das sie selbst gern sehen würden." 

Er beteuert, dass er selbst sich immer an diese Goldene Regel gehalten habe. Bitter: Eines seiner größten Herzensprojekte, die als Kinotrilogie angelegte "Wixxer"-Reihe, bleibt wohl unvollendet, wie Kalkofe im August über Facebook verkündete. Offensichtlich ist es zum Bruch mit seinem Comedykollegen Bastian Pastewka, 43, gekommen.

Ende vom "Wixxer"

Kalkofe äußert sich nicht näher dazu. Doch auf seiner Facebookseite bezeichnete er Pastewka jüngst als "ehemaligen Freund und Partner". Ein weiteres gemeinsames Projekt werde es leider nicht geben. Mit den schrägen Edgar-Wallace-Parodien "Der Wixxer" (2004) und "Neues vom Wixxer" (2007) hatten er und Pastewka große Erfolge gefeiert. Nun geht er anderen Filmprojekten nach. "Es sind diverse Ideen in meinem Kopf." Nur die Zeit fehle ihm - wegen der beiden Reihen auf Tele 5.

Was denn wäre, wenn er damals auf die Berufsberatung gehört hätte und wirklich Schifffahrtskaufmann geworden wäre? "Vielleicht hätte ich weniger Ärger an der ein oder anderen Stelle gehabt. Aber ich glaube, dann hätte ich heute gar keine Haare mehr, wäre dreimal so dick und würde ziemlich frustriert und depressiv in einer kleinen Wohnung sitzen und ab und zu darüber nachdenken, ob ich nicht einen anderen Weg hätte einschlagen können. Ich bin meinem Schicksal ehrlich dankbar, es hat mich immer auf den richtigen Weg geführt." 

kis / DPA