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Privatsphäre: Jauch verklagt "Bunte" auf 300.000 Euro

Er hatte sich jegliche Berichterstattung über seine Hochzeit verbeten, die "Bunte" druckte trotzdem ein heimlich geschossenes Bild. Nun verlangt Günther Jauch deswegen nicht nur ein Schmerzensgeld, sondern auch die Erstattung des Marktwertes des Fotos.

Wegen des Abdrucks eines heimlich aufgenommen Fotos von seiner Hochzeit verklagt TV-Moderator Günther Jauch die Zeitschrift "Bunte". Jauchs Anwalt Christian Schertz bestätigte eine vorab verbreitete Meldung der Wochenzeitung "Die Zeit": Jauch klage nicht nur auf Schmerzensgeld wegen Verletzung seines Persönlichkeitsrechts, sondern auch auf Erstattung des Marktwertes des Fotos. Über die Höhe der geforderten Summe wollte sich Schertz nicht äußern, doch der Münchner Anwalt der "Bunten", Marcus Herrmann, sagte der "Zeit", es gehe "um eine Forderung von 300.000 Euro". Das ist laut "Zeit" das Zehnfache dessen, was in ähnlichen Fällen zugesprochen werde.

Prominenz rechtfertigt Belästigung

Der Burda-Verlag, in dem die "Bunte" erscheint, sprach von einer "alten Kamelle". Unternehmenssprecher Nikolaus von der Decken nannte es lediglich neu, dass Rechtsanwalt Schertz sich damit an die Öffentlichkeit begebe, "noch ohne dass sich ein Gericht dazu geäußert hat oder auch nur eine Klage vorliegt". Von der Decken: "Bereits in der jüngeren Vergangenheit hat Herr Schertz für Herrn Jauch vergeblich 100.000 Euro Bereicherungsersatz gefordert." Anwalt Herrmann sagte der "Zeit", die von der "Bunten" abgedruckte Aufnahme "dokumentiert angesichts der Prominenz von Herrn Jauch ein zeitgeschichtliches Ereignis, so dass deren Veröffentlichung nicht einwilligungspflichtig ist".

Jauch-Anwalt Christian Schertz aus Berlin sagt der "Zeit" über die Methoden der Verlage: "Der systematische Rechtsbruch lohnt sich in Deutschland. Unerlaubte Fotos steigern die Auflage und bringen mehr Geld ein, als ein Verlag später an Schmerzensgeld zahlen muss." Hätte Jauch mit der Klage Erfolg, könnte dies das Kräfteverhältnis zwischen dem Grundrecht der Pressefreiheit und dem Recht auf Schutz der Privatsphäre zu Gunsten der Privatsphäre verändern.

In der "Zeit" meldet sich auch die ehemalige Olympia-Schwimmerin Franziska Van Almsick zu Wort. 50 Klagen, so Almsick gegenüber der "Zeit", seien schon eingebracht, um Paparazzi loszuwerden. Für einen "Abschuss" im Bikini oder mit ihrem neuen Freund würden ihr die Fotografen derzeit in jeden Urlaub nachreisen. Almsick: "Du denkst: Oh Gott, die haben Bilder von jedem Tag aus deinem Urlaub."

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