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Erster "Das Supertalent"-Gewinner Was macht eigentlich ... Ricardo Marinello?

Ricardo Marinello: Was macht der erste "Das Supertalent"-Gewinner so?
Ricardo Marinello, 29, in einem Düsseldorfer Café
© Marc Jahnen/stern
Vor elf Jahren gewann Ricardo Marinello die erste Staffel der RTL-Show "Das Supertalent" – mit klassischen Arien. Er hatte große Erfolge - und musste Schicksalsschläge verkraften.

Sie gewannen 2007 die erste Staffel der RTL-Sendung "Das Supertalent" mit Operngesang. Das kannte man von Castingshows hierzulande bis dahin nicht. Waren Sie deshalb erfolgreich?

Ich habe die Sendung zu Beginn gar nicht so ernst genommen. Ein Freund wollte unbedingt an der Show teilnehmen, und seine Frau hat mich heimlich mit angemeldet. Es war nie mein Ziel, bis ins Finale zu kommen. Aber ich habe offenbar den Geschmack der Zuschauer getroffen. Ein paar Monate zuvor hatte Paul Potts die britische Ausgabe des "Supertalents" gewonnen. Tenöre waren damals sehr angesagt und berührten das Publikum.

Dieter Bohlen, Jurymitglied beim "Supertalent", produzierte für Ihre erste CD sechs Lieder. Wie lange hielt der Kontakt zu ihm?

Wir haben etwa ein Jahr lang sehr gut zusammengearbeitet. Nachdem Mundharmonikaspieler Michael Hirte im Folgejahr als neues Supertalent gekürt wurde, hat sich Dieter Bohlen auf ihn konzentriert. Ich folge Dieter heute auf Instagram und habe ihn kürzlich angeschrieben, aber noch keine Antwort erhalten. Klassische Musik ist ja nicht seine Musikrichtung, und er kann mit mir bestimmt nicht mehr so viel anfangen.

Derzeit läuft die zwölfte Staffel des "Supertalents". Schauen Sie zu?

Ich habe die Sendung in den vergangenen Jahren nicht mehr so verfolgt und weiß auch nicht, wer zuletzt die Siege eingefahren hat. Aber einigen Gewinnern gab ich nach ihrem Erfolg Gesangsunterricht.

100.000 Euro Siegprämie und Einnahmen von fast einer halben Million Euro in einem Jahr: Wie lebte es sich als 18-Jähriger mit viel Geld und Ruhm?

Durch die Berühmtheit und die vielen Auftritte fühlte ich mich schon ein bisschen wie ein Prinz. Meine Eltern hielten mich aber auf dem Boden. Großen Luxus habe ich mir kaum gegönnt und nicht überschwänglich gelebt.

Wie kam es dann dazu, dass Sie 2011 Privatinsolvenz anmelden mussten?

Ein Teil meines Gewinns war plötzlich weg, weil ich meinen Eltern geholfen hatte, in ein Restaurant zu investieren. Der Laden ging allerdings pleite. Außerdem musste ich Steuern für frühere Auftritte nachzahlen, und das konnte ich nicht. Deshalb häuften sich die Schulden an.

Litt die Familie sehr darunter?

Meine damalige Freundin Vivien und ich hielten fest zusammen. Dennoch ging unsere Beziehung später in die Brüche. Unsere Tochter Mariella lebt heute bei ihrer Mutter. Ich bin glücklicher Single – an Mariella reicht sowieso keine andere Frau heran. Ich sehe meine Tochter regelmäßig, und wir singen viel zusammen. Sie ist richtig gut und wird im kommenden Jahr eine Musikschule besuchen.

Wie sind Sie aus dem Schuldenloch herausgekommen?

Neben meinem Studium an der Musikhochschule Düsseldorf, das ich 2014 abschloss, habe ich viel gearbeitet. Ich bin zusammen mit Pianisten bei Galas aufgetreten, spielte auf Opernbühnen und sang Oratorien in Kirchen. Ab 2015 war ich Teil des "Trio Ensemble Royal".

Und heute?

Ich bin schuldenfrei und werde nach langjähriger Pause wieder eine CD aufnehmen. Auf der Platte covere ich deutsche Hits und singe Duette mit Schlagerstars. Außerdem läuft die Planung für eine Tournee – meine erste eigene, mehr als elf Jahre nach dem Sieg beim "Supertalent".

Interview: Tobias Ott

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