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Französischer Chansonnier #MeToo-Vorwürfe gegen Serge Gainsbourg: Ist er der Weinstein des Pop?

Serge Gainsbourg
Serge Gainsbourg und die 18 Jahre jüngere Jane Birkin
© United Archives / kpa/ / Picture Alliance
Seine Skandale waren beinahe noch größer als sein Talent. Serge Gainsbourg gilt bis heute als der größte Musikkünstler Frankreichs - doch nun gerät er ins Visier von #MeToo.

Eine der großen Ikonen Frankreichs droht Kräftige Kratzer abzubekommen: Gegen den Chansonnier Serge Gainsbourg sind schwere Vorwürfe der sexuellen Belästigung laut geworden. In einem Radiopodcast sagte die Sängerin Lio, er sei "einfach ein Belästiger"  - und bezeichnete den 1991 verstorbenen Künstler als ein "Weinstein des Chanson". Gainsbourg sei ein Aristokrat der französischen Musik geworden, "aber ich werde ihm dafür keine Ehre erweisen", so die heute 58-Jährige, die 1979 mit dem Song "Le Banana Split" einen Nummer-1-Hit in Frankreich hatte. "Ich habe selbst sein Verhalten erleben müssen."

Dass der Sänger und Chansonschreiber knapp 30 Jahre nach seinem Tod an den Pranger gestellt wird, mag viele Franzosen erschrecken - verwundern dürfte es eigentlich nicht. Denn Gainsbourg galt Zeit seines Lebens als "enfant terrible", seine Vorliebe für junge Frauen und Mädchen war bekannt. 

Der 1928 in Paris als Sohn ukrainisch-jüdischer Immigranten Geborene arbeitete nach dem Krieg zunächst als Maler, erst 1958 wechselte er zur Musik. Und machte dort schnell als Komponist von sich reden: Zahlreiche Sängerinnen und Sänger nahmen seine Songs auf. 1965 erklomm er dann einen ersten Karrierehöhepunkt: France Gall gewann mit seiner Komposition "Poupée de cire, poupée de son" den Eurovision Song Contest.

Ein Song machte Serge Gainsbourg berühmt - und berüchtigt

In der Folge dieses Triumphs trat Gainsbourg nun auch selbst als Interpret in Erscheinung. Es folgten die fruchtbarsten Jahre seiner Karriere - beruflich wie privat. 

Seinen breiten Ruhm verdankt er vor allem einem Lied: dem 1969 veröffentlichten Duett "Je t'aime… moi non plus", auf dem die damals 22-jährige Jane Birkin lustvoll stöhnte und damit für einen veritablen Skandal sorgte. Was den Erfolg der Single freilich nur weiter beförderte. Allein in Frankreich verkaufte "Je t'aime" mehr als 700.000 Exemplare, in zahlreichen Ländern belegte der Song Platz 1 der Charts.

Auch privat war Birkin nun die Frau an seiner Seite. 1971 bekam das Paar gemeinsam ein Kind -  Charlotte Gainsbourg, heute selbst erfolgreiche Sängerin und Schauspielerin.

Provokationen mit dem Thema Inzest

Zusammen mit Jane Birkin nahm der Musiker im gleichen Jahr das Konzeptalbum "L'histoire de Melody Nelson" auf, das heute vor allem wegen der brillanten orchestralen Musik in Erinnerung geblieben ist. Doch auch das Thema dieses Albums ist brisant: Es erzählt offen von der Liebe eines Mannes (Gainsbourg) zu einem 15-jährigen Mädchen namens Melody (Birkin).

Es sollte nicht die einzige Provokation bleiben: Bereits 1966 hatte Gainsbourg mit der damals 18-jährigen France Gall "Les sucettes" - der Song handelt von einem Mädchen und ihrem Dauerlutscher, was nur unschwer als Beschreibung von Oralverkehr verstanden werden konnte. Und 1984 sang er mit seiner damals erst zwölfjährigen Tochter Charlotte "Lemon Incest" - ein Duett, das den Inzest zwischen Vater und Tochter zum Thema hatte.

Zu der Zeit war die Beziehung mit Jane Birkin bereits zerbrochen, und Gainsbourg machte immer mehr mit seinen Alkoholeskapaden von sich reden. 1986 sagte er im französischen Fernsehen nach einem Auftritt Whitney Houstons - sichtlich alkoholisiert - in deren Anwesenheit: "I want to fuck her!"

Zahllose weitere Geschichten ranken sich um die Eskapaden dieses Künstlers, der 1991 einem Herzinfarkt erlag und an dessen Grab auf dem Friedhof Montparnasse in Paris noch heute Fans regelmäßig Blumen und Gedichte niederlegen.

Ob die neuesten Vorwürfe dem Gedenken an einen großen Künstler etwas anhaben werden? Überraschen dürften sie nur die wenigsten. Und so haben sich weder seine damalige Partnerin Jane Birkin noch Tochter Charlotte bislang öffentlich geäußert.

Verwendete Quelle:"Daily Mail", "Madamelefigaro.fr"

che

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